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Politik

FDP kritisiert fehlende neutrale Auswertung der hausarztzentrierten Versorgung

Mittwoch, 24. April 2019

/dpa

Berlin – Die hausarztzentrierte Versorgung (HzV) hat sich nach Ansicht der Bundesre­gie­rung bewährt. Das gilt sowohl in Bezug auf die Wirtschaft­lich­keit als auch eine Ver­bes­se­rung der Versorgungsqualität. Das geht aus der Antwort des Bundesministeriums für Ge­sundheit (BMG) auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion im Bundestag hervor, die dem Deutschen Ärzteblatt vorliegt. Die FDP hält das für nicht aussagekräftig.

Das Ministerium verweist dabei in der Antwort unter anderem auf Eva­luati­onen des Deut­schen Hausärzteverbandes (DHÄV) und von Kran­kenkassen. So habe eine 2016 von den Vertrags­part­nern geförderte wissenschaftliche Evaluierung des HzV-Vertrages der AOK Ba­den-Würt­tem­berg für die Jahre 2008 bis 2012 bei­spiels­weise bestätigt, dass insbeson­dere chronisch kranke Patienten von der HzV pro­fitieren würden, so die Bundesregierung.

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An der Schnittstelle zum stationären Sektor würden weniger vermeidbare Krankenhaus­ein­weisungen erfolgen. Zudem hätten die befragten Patienten angegeben, dass die Haus­ärzte mehr Zeit für sie hätten, die Terminvergabe schneller erfolge und Untersuchungen gründlicher seien. „Nach einer Investitionsphase zum Aufbau der neuen HzV-Versor­gungs­­strukturen lägen die Gesamtausgaben mittlerweile unter denen in der Regelver­sorgung“, schreibt die Bun­desregierung unter Verweis auf die Auswertung von Kassen und Hausärzteverband.

Sie gesteht zugleich aber auch ein, dass ihr zur HzV „keine systematischen wissenschaft­li­­chen Untersuchungen zur Wirtschaftlichkeit von HzV-Verträgen im Vergleich zur kollek­tiv­vertraglichen Versorgung“ vorliegen. Keine Aussagen treffen kann das BMG darüber hinaus dazu, welche Kosten jährlich bei der Versorgung eines Patienten entste­hen, der an der HzV teilnimmt und wie das im Vergleich zu Patienten im Kollektivvertrag aussieht.

Der Würzburger Bundestagsabgeordnete und Professor am Universitätsklinikum Würz­burg, Andrew Ullmann, zeigte sich „schockiert“ und „fassungslos“ über die Antworten. „Die Bundesregierung weiß über Qualität und Wirtschaftlichkeit des hausarztzentrierten Versorgungsmodells nichts. Unabhängige Evaluationen liegen ihr nicht vor und sind nicht beabsichtigt“, monierte Ullmann. Offenbar wolle es die Bundesregierung auch nicht so genau wissen, sondern verlasse sich „allein auf einseitige Informationen von Lobby­gruppen“.

Ullmann betonte, dass die von Union und SPD beschlossene Regelung zu Prämienzah­lun­gen für Versicherte in der HzV, die im Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) vor­gesehen ist, unter diesen Gesichtspunkten „ein Schildbürgerstreich“ sei. Das TSVG sieht vor, dass Krankenkassen Versicherte, die an der HzV teilnehmen, an Effizienzgewinnen teilhaben lassen müssen. Dabei ist vorgesehen, dass die Hälfte der erwirtschafteten Ein­sparungen in Form von Beitragssenkungen, Prämien oder Zuzahlungsermäßigungen weiter­gegeben werden.

Die HzV wurde 2003 mit dem Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Kranken­ver­sicherung eingeführt und 2008 mit dem Ziel ergänzt, die Versorgungsqualität zu ver­bessern und Wirtschaftlichkeitsreserven zu heben. Erste Verträge hat es nach Angaben der Bundesregierung 2008 in Baden-Württemberg gegeben. Dort und in Bayern ist die Akzeptanz für die HzV besonders groß.

Zahlen aus der Antwort zufolge sind derzeit in Bayern und Baden-Würt­temberg 8.581 Hausärzte an der HzV beteiligt. In Hessen, dem Saarland, Rheinland-Pfalz, Nordhrein und Westfalen-Lippe sind 5.470 Ärzte eingebunden, in Braunschweig, Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein sind es 2.101. In Berlin-Brandenburg, Mecklen­burg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen nehmen hingegen mit 963 Ärzten deutlich weniger an der HzV teil.

Insgesamt haben sich seit 2008 rund 25.200 Hausärzte an der HzV betei­ligt. Aktuell nehmen 17.115 Ärzte daran teil, schreibt die Bundesregierung unter Beru­fung auf Zahlen des Deutschen Hausärzteverbands. Demnach sind derzeit rund 5,097 Millionen Patienten in Verträgen zur HzV und Hausarztprogrammen in Deutschland eingeschrieben. 6,9 Millionen haben seit 2008 an solchen freiwilligen Programmen teilgenommen.

© may/aerzteblatt.de

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