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Ausland

Drohnen in Ghana bringen lebensrettende Medizin

Mittwoch, 24. April 2019

Zipline-Drohne bei der Lieferung von Blutprodukten /dpa

Omenako – Die Straßen in Ghana sind vielerorts schlecht. Lebensrettende Medikamente oder Impfungen kommen daher oft zu langsam ans Ziel. Das soll sich ändern: In dem westafrikanischen Staat hat der bislang größte medizinische Drohnendienst den Betrieb aufgenommen. „Niemand in Ghana sollte sterben, weil im Notfall die nötige Medizin nicht zu bekommen ist“, erklärte Präsident Nana Akufo-Addo zum Start des Projektes.

Rund 120 der unbemannten Flugobjekte werden künftig rund um die Uhr mit einer Flug­geschwindigkeit von etwa 110 Stundenkilometern Impfstoffe und Medikamente liefern. Aus vier Logistikzentren sollen so rund 2.000 Gesundheitszentren beliefert werden, in deren Einzugsgebiet rund zwölf Millionen Menschen leben. Das ist fast die Hälfte der Bevölkerung.

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„Damit machen wir einen großen Schritt, um allen Menschen im Land Zugang zu lebens­rettenden Medikamenten zu gewähren“, erklärte Akufo-Addo einer Pressemitteilung zu­fol­ge bei der Eröffnung des Logistikzentrums in Omenako. Ein Großteil der anderen Men­schen lebt in besser versorgten städtischen Gebieten.

Die vom kalifornischen Unternehmen Zipline betriebenen autonomen Drohnen sollen re­guläre Lieferwege nicht ersetzen, sondern ergänzen. So soll es funktionieren: Wenn Mit­ar­beiter eines Gesundheitszentrums rasch Nachschub, eine Blutkonserve, einen Impfstoff oder ein seltenes Medikament benötigen, können sie es per SMS beim Logistikzentrum be­stellen. Nach durchschnittlich 30 Minuten soll dann eine Drohne herbeischweben, die knapp zwei Kilogramm Ladung tragen kann. Die Drohne wirft ihre durch einen Fallschirm gesicherte Last dann in geringer Höhe an einem festgelegten Ort ab.

„Das Drohnenprojekt umfasst zum Beispiel die Tollwutimpfung, weil man nicht vorher­sehen kann, wann es zu Bissen kommt, genauso ist es bei einem Gegengift für Schlan­gen­bisse“, erklärte der Chef der weltweiten Impfallianz Gavi, Seth Berkley. „Wenn jemand von einem tollwütigen Tier gebissen wird, stirbt die Person ohne raschen Zugang zu ei­ner Impfung.“ Der Impfstoff sei jedoch kostspielig und müsse stets kühl gelagert werden, weswegen er nicht in jedem kleinen Gesundheitszentrum in Ghana vorrätig gehalten werden könne, sagte Berkley.

In einem Land wie Ghana, wo viele Straßen nicht asphaltiert und in der Regenzeit kaum zu passieren sind, können die Drohnen bei zeitkritischer Auslieferung vielerorts einen enormen Vorteil bieten.

Sie würden dabei helfen, zahlreiche Leben zu retten und mehr Menschen „in abgelege­nen Gebieten vor Krankheiten zu schützen, gegen die man sich impfen lassen kann“, fügte Berkley hinzu. Gavi, die Bill & Melinda Gates Stiftung und andere haben den Aufbau der Drohnen-Infrastruktur unterstützt, Ghanas Regierung wird die laufenden Kosten tragen. Zu den genauen Kosten gab es keine Angaben.

Die batteriebetriebenen Drohnen sollen selbstständig entlang vorprogrammierter Koordi­na­ten fliegen. Hin und zurück können sie nach Angaben des Betreibers Zipline maximal 160 Kilometer in der Luft bleiben. An jedem Logistikzentrum gibt es demnach einen Fluglotsen, der gleichzeitig die Flüge von bis zu 30 Drohnen im Blick behalten kann. Ein Zentrum kann damit einer Fläche von rund 20.000 Quadratkilometern versorgen – das entspricht der Größe Hessens. Sollte ein Drohnenmotor mal versagen, ist noch ein zwei­ter eingebaut. Und wenn der versagt, sorgt ein Fallschirm immerhin für eine sanfte Lan­dung.

Zipline betreibt in Ruanda seit Oktober 2016 bereits einen ähnlichen, wenn auch kleine­ren, Dienst medizinischer Drohnen. Diese sind dort seither bereits rund eine Million Kilo­meter geflogen, wie die Firma erklärt. Die Drohnen liefern inzwischen 65 Prozent aller Blutkonserven außerhalb der Hauptstadt Kigalis aus. „Tausende Kinder werden dank Zipline mit ihren Müttern aufwachsen, die sonst nach der Geburt zu viel Blut verloren hätten“, wirbt das Unternehmen.

In Deutschland mit einem hochentwickelten Gesundheitswesen und guter Verkehrsinfra­struktur wäre ein derartiger Drohnendienst wohl nur von begrenztem Nutzen. Zudem gibt es in Deutschland zahlreiche Auflagen für den kommerziellen Einsatz von Drohnen. Zum Beispiel: Abgesehen von einem Kenntnis- oder Flugkundenachweis benötigen Drohnen ab fünf Kilogramm Gewicht eine Aufstiegsgenehmigung der Landesluftfahrtbehörde. Jene, die höher als 100 Meter sowie außerhalb der Sichtweite ihrer Piloten fliegen, brauchen eine Ausnahmeerlaubnis. © dpa/aerzteblatt.de

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