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Medizin

Adipositas verändert das Gehirn von Männern und Frauen unterschiedlich

Mittwoch, 24. April 2019

T1-gewichtete Gehirn-MRT-Beispiele (koronal, links; axial, mitte; sagittal, rechts) von zwei Teilnehmerinnen der britischen Biobankstudie (Frauen von 65 Jahren); eine mit einem Körperfettanteil von 13 Prozent (unten) und eine mit einem Körperfettanteil von 49 Prozent (oben). Das MRT-Bild zeigt ein geringeres Volumen an subkortikalen Graustoffstrukturen im Individuum mit einem höheren Gesamtkörperfettanteil (oben). /Radiological Society of North America

Leiden/Niederlande – Eine Adipositas führt möglicherweise zu Veränderungen im Gehirn, die mit leistungsstarken Magnetresonanztomografen sichtbar gemacht werden können. Eine Querschnittstudie in Radiology (2019; doi: 10.1148/radiol.2019181012) zeigt eine Abnahme der grauen Hirnsubstanz, die bei Männern deutlicher ausfiel als bei Frauen.

Eine Adipositas führt langfristig zu Störungen des Stoffwechsels („metabolisches Syndrom“), die auch Auswirkungen auf das Gehirn haben. Dazu gehören kognitive Störungen, die in epidemiologischen Studien bei adipösen Menschen häufiger gefunden wurden als bei Normalgewichtigen. Eine mögliche Erklärung ist, dass die Entzündungsreaktion, zu der es beim metabolischen Syndrom kommt, im Gehirn die Integrität der neuronalen Netzwerke stört. Die Folgen dieser Neuroinflammation könnten dann in der Magnetresonanz­tomografie (MRT) sichtbar werden.

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Ilona Dekkers von der Universität Leiden in den Niederlanden und Mitarbeiter haben hierzu die MRT-Aufnahmen von 12.087 Teilnehmern der UK Biobank-Studie ausgewertet, die mit einem modernen MRT (3-Tesla) durchgeführt angefertigt wurden. Dabei wurden nicht nur die Volumina der Kerngebiete der grauen Hirnsubstanz gemessen, sondern mittels Diffusions-Tensor-Bildgebung auch die Leitungsbahnen der weißen Hirnsubstanz untersucht. Die Ergebnisse setzten die Forscher mit dem Körperfettanteil der Teilnehmer in Beziehung, die mittels einer bioelektrischen Impedanzmessung bestimmt worden war.

Bei den im Mittel 62 Jahre alten Teilnehmern waren die Auswirkungen der Adipositas erkennbar, die bei Männern und Frauen unterschiedlich ausfielen. Bei Männern war ein um 5,5 % höherer Gesamtfettanteil (1 Standardabweichung) mit einem um 3.162 mm3 verminderten Volumen der grauen Hirnsubstanz assoziiert. Betroffen waren alle subkortikalen Kernzentren mit Ausnahme der Amygdalae. Am größten waren die Unterschiede im Globus pallidus, der pro Standardabweichung 27,2 mm3 kleiner war bei einem mittleren Volumen dieser Kernregion von 1.857 mm3.

Bei den Frauen waren die Auswirkungen deutlich geringer. Ein Anstieg des Gesamtfett­anteils um 6,6 (1 Standardabweichung) ging lediglich mit einem um 11,2 mm3 kleineren Globus pallidus einher (mittlere Größe 1.706 mm3).

Der mögliche Einfluss der Adipositas auf die weiße Hirnsubstanz zeigte sich in einer gesteigerten fraktionalen Anisotropie, die ein Maß für die Integrität der Leitungsbahnen ist. Hier gab es bei Männern und Frauen signifikante Assoziationen zum Körperfettanteil. Bei Frauen war auch die Diffusivität erhöht.

Ein geringes Volumen der grauen Hirnsubstanz deutet auf einen Verlust von Neuronen hin, schreibt Dekkers. Die Veränderungen in der weißen Hirnsubstanz könnten die Übertragung von Signalen in Gehirnnetzwerken beeinträchtigen. Da es sich um eine Querschnittstudie handelt, ist die Beweiskraft insgesamt gering. Es war den Forschern auch nicht möglich, die Veränderungen mit neuropsychiatrischen Testergebnissen zu vergleichen. Es scheint jedoch, dass eine vermutlich langjährige Überernährung, die der Adipositas zugrunde liegt, nicht ohne Folgen für das Gehirn bleibt. © rme/aerzteblatt.de

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