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Medizin

Fusionsprotein Tagraxofusp bei seltener Leukämie gut wirksam

Freitag, 26. April 2019

/Davizro Photography, stockadobecom

Houston – Das Fusionsprotein Tagraxofusp, das gezielt Blutzellen mit dem Rezeptor CD123 abtötet, hat in einer ersten klinischen Studie bei 90 % der Patienten mit blastischer plasmozytoider dendritischer Zellneoplasie (BPDCN) eine Remission erzielt. Die jetzt im New England Journal of Medicine (2019; 380: 1628-1637) publizierten Ergebnisse bildeten die Grundlage für die im Dezember erfolgte Zulassung des Wirkstoffs in den USA.

Die BPDCN ist der Krebs der plasmazytoiden dendritischen Zelle (pDC), genauer seiner Vorläuferzelle aus dem Knochenmark. Die pDC gehört zu den mononukleären Zellen des peripheren Blutes (PBMC). Der Anteil der pDC an den PBMC beträgt weniger als 0,4 %. Ihre Aufgabe ist die Abwehr von Viren, ihre Waffe sind Typ-1-Interferone, die die pDC in größeren Mengen freisetzen kann.

Bei einer Krebserkrankung sind die pDC vermehrt in Blut, Lymphknoten, Knochenmark und fast immer auch in der Haut nachweisbar. Dort kommt es zu zahlreichen Knötchen, Tumoren, Papeln, „Prellungen“ und/oder Geschwüren. Die BPDCN spricht nur selten auf eine Chemotherapie an, deren Wirkung meist zeitlich begrenzt ist. Ein Heilversuch mit einer Stammzelltherapie scheitert meist am hohen Alter der Patienten von weit über 60 Jahren.

Die Diagnose der BPDCN erfolgt durch den Nachweis der Oberflächenmerkmale CD4, CD56 und CD123. Letzteres bildet die Grundlage für die Behandlung mit Tagraxofusp. Es handelt sich um ein Fusionsprotein, das zum einen aus dem Diphtherie-Toxin und zum anderen aus Interleukin 3 besteht. Interleukin 3, der natürliche Ligand für CD123, transportiert das Diphtherietoxin zur Krebszelle. Das Diphtherietoxin dringt dann in die Zelle ein und hemmt deren Proteinsynthese, was zum Absterben der Tumorzelle führt.

Der Hersteller hat Tagraxofusp in einer Studie an 47 Patienten mit BPDCN im Alter von im Mittel 70 Jahren getestet. Für 32 Patienten war es die First-Line-Behandlung. Die anderen 15 Patienten waren vorbehandelt. Die Behandlungen fanden im Zeitraum von 2014 bis 2017 statt.

Wie Naveen Pemmaraju und Mitarbeiter vom MD Anderson Cancer Center in Houston berichten, erreichten 21 der 29 therapienaiven Patienten (72 %), die mit der vollen Dosis von Tagraxofusp (12 µg/kg) behandelt wurden eine Vollremission (die anderen 3 Patient erhielten eine niedrigere Dosis). Die Gesamtansprechrate betrug 90 %. 45 % dieser Patienten erhielten eine Stammzelltransplantation. Nach 18 Monaten waren noch 59 % und nach 24 Monaten noch 52 % der Patient am Leben.

Bei den 15 vorbehandelten Patienten betrug die Ansprechrate 67 % und die mittlere Überlebenszeit 8,5 Monate. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse waren ein Anstieg der Alaninaminotransferase (64 %) und Aspartataminotransferase (60%), Hypoalbuminämie (55 %), peripheres Ödem (51 %) und Thrombozytopenie (49 %). Ein Kapillarlecksyndrom trat bei 19 % auf und war für 3 Todesfälle verantwortlich. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat Tagraxofusp aufgrund der Studienergebnisse im Dezember als Elzonris zugelassen. Bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA wurde im Januar ein Antrag eingereicht.

CD123 ist nicht nur auf den Zellen der BPDCN vorhanden, sondern auch bei anderen hämatologischen Malignomen häufig. Tagraxofusp könnte deshalb zur Behandlung weiterer Erkrankungen in Frage kommen. Der Hersteller führt derzeit klinische Studien zur chronischen myelomonozytischen Leukämie (CMML), zur Myelofibrose (MF) und zur akuten myeloischen Leukämie (AML) durch.

© rme/aerzteblatt.de

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