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Medizin

Gonorrhö in Europa wieder auf dem Vormarsch

Montag, 29. April 2019

Neisseria-gonorrhoeae-Bakterien /Kateryna_Kon, stockadobecom

Stockholm – Nachdem die Erkrankungszahlen zwischenzeitig rückläufig waren, ist es in Europa (EU/EAA) wieder zu einer Zunahme der Gonorrhö gekommen, wie der jetzt veröffentlichte Jahresbericht des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zeigt.

In denjenigen Ländern der Europäischen Union (EU) und dem Europäischen Wirtschafts­raum (EAA), die eine nationale Meldepflicht für die Gonorrhö haben (Deutschland gehört nicht dazu), sind im Jahr 2017 insgesamt 89.239 Erkrankungen bekannt geworden. Das ist ein Anstieg um 17 % gegenüber dem Vorjahr. Damit setzt sich ein Trend fort, der mit einer kurzen Erholung im Jahr 2016 seit 2008 nachweisbar ist.

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Im letzten Jahrzehnt ist es in 20 der 28 Länder zu einer starken Zunahme der nach Chlamydieninfektionen zweithäufigsten sexuell übertragenen Erkrankung (STI) gekommen, die regional unterschiedlich ausfiel. In Frankreich und Portugal haben sich die Erkrankungszahlen versechsfacht. In Dänemark ist es zu einem Anstieg um den Faktor 3,7 und in Irland um den Faktor 3,6 gekommen. Die stärkste Zunahme verzeichnet derzeit Finnland, wo die Erkrankungszahlen innerhalb eines Jahres (von 2016 auf 2017) um 44 gestiegen sind. Es folgen Malta (plus 37 %), die Slowakei (plus 36 %), Slowenien (plus 40 %) und Schweden (plus 41 %).

Gonorrhö bei Frauen zunächst symptomfrei

Mit einem Anteil von 47 entfällt fast die Hälfte der Erkrankungen auf Männer, die Sex mit Männern (MSM) haben. In dieser Gruppe ist die Zahl der Infektionen seit 2008 um den Faktor 5,8 gestiegen. Aber auch bei heterosexuellen Männern (plus 36 %) und bei Frauen (plus 120 %) wird die Gonorrhö immer häufiger diagnostiziert. Der Anstieg der Erkrankungs­zahlen bei den Frauen ist aus Sicht der ECDC besonders beunruhigend, da die Gonorrhö bei Frauen anders als bei Männern zunächst symptomfrei verläuft und die Diagnose oft erst gestellt wird, wenn es bereits zur entzündlichen Beckenerkrankung und/oder zur Unfruchtbarkeit gekommen ist.

Die Behandlung der Gonorrhö gestaltet sich immer schwieriger. Mittel der Wahl ist derzeit eine Kombination aus einem Cephalosporin und Azithromycin. Von den in den EU/EAA-Ländern getesteten 3.248 Isolaten von Neisseria gonorrhoeae waren 7,5 gegen Azithromycin und 1,9 gegen Cefixim resistent. Die Rate war zwar gegenüber 2016 unverändert, doch die Zahl der Länder, aus denen Resistenzen gemeldet wurden, ist laut ECDC weiter angestiegen. Glücklicherweise sind 2016 und 2017 keine Resistenzen gegen Ceftriaxon gemeldet worden, das zu den letzten wirksamen Cephalosporinen (und damit Antibiotika überhaupt) gehört.

Doch dies kann sich rasch ändern, wie ein Bericht in Eurosurveillance (2019; doi: 10.2807/1560-7917) zeigt. Mediziner aus Bristol berichteten dort über 2 Frauen, die sich vermutlich im Oktober und November letzten Jahres auf der „Partyinsel“ Ibiza mit dem multiresistenten Klon FC428 infizierten. Bei der ersten Patientin war ein Behandlungs­versuch mit intramuskulärem Ceftriaxon plus oralem Azithromycin erfolgreich.

Bei der zweiten Patientin versagte die Initialbehandlung mit Ceftriaxon und Azithromycin. Auch ein zweiter Versuch mit Gentamicin plus Azithromycin (i.m.) misslang. Erst eine Infusion mit Ertapenem an 3 Tagen beseitigte die resistenten Erreger, die wegen vaginalem, analem und oralem Kontakt mehrere Körperöffnungen infiziert hatten. © rme/aerzteblatt.de

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