NewsÄrzteschaftImplantatauswahl muss laut Fachgesellschaft in ärztlicher Hand bleiben
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Implantatauswahl muss laut Fachgesellschaft in ärztlicher Hand bleiben

Montag, 29. April 2019

/dpa

Berlin – Ärzte und nicht Ökonomen müssen darüber entscheiden, welche Implantatmo­delle welcher Hersteller in einer Klinik zum Einsatz kommen. Das fordern die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik (AE). Andernfalls drohten Qualitätseinbußen bei der Versorgung mit künstlichen Hüft- und Kniegelenken durch den wachsenden Einfluss ökonomischer Fak­toren.

„In den meisten Kliniken entscheiden die Operateure entweder eigenverant­wortlich oder gemeinsam mit den Einkaufsabteilungen, welche Implantatmodelle von welchem Her­steller zum Einsatz kommen. Damit wird medizinischen Aspekten ausreichend Rechnung getragen“, sagte der AE-Generalsekretär und stellvertretende DGOU-Präsident Carsten Perka. Er warnte, es gebe mittlerweile jedoch auch Häuser, in denen die Mediziner nur noch sehr eingeschränkt in die Auswahl der Implantate einbezogen oder vor einem Her­stellerwechsel vom Klinikmanagement zurate gezogen würden.

Anzeige

Die beiden Fachgesellschaften verweisen in diesem Zuge auf Analysen des Endoprothe­sen­­registers Deutschland (EPRD). In diesem sind mittlerweile mehr als eine Million Ope­rationen aus mehr als 700 Krankenhäusern dokumentiert. Der größere Teil davon entfällt mit etwas mehr als 560.000 Eingriffen auf Hüftoperationen, der Rest mit etwas mehr als 440.000 auf Operationen des Knies.

„Wissenschaftliche Auswertungen im Rahmen des jüngsten EPRD-Jahresberichtes bele­gen, dass Kliniken nach einem Wechsel des sogenannten Hauptherstellers signifikant höhere Ausfallwahrscheinlichkeiten bei Hüft- und Knie-Endoprothesen aufweisen, also mehr Wechseloperationen nötig sind“, erläuterte Volkmar Jansson, wissenschaftlicher Direktor des EPRD.

Als Haupthersteller einer Klinik gilt dem EPRD zufolge das Unternehmen, von dem 70 Prozent und mehr der in einem Krankenhaus verwendeten Implantate stammen. „Erfolgen Implantat- oder Hersteller­wechsel unvermittelt und häufig, muss jedes Mal wieder eine Lernkurve mit den neuen Implantatmodellen überwunden werden. Das kann die Zahl der Komplikationen und erneuten Operationen erhöhen“, betonte der AE-Vizepräsident Karl-Dieter Heller.

Das EPRD tritt daher dafür ein, dass Medizin und Management in den Krankenhäusern eine gemeinsame Implantatstrategie festlegen, um überraschende Wechsel aus bloßen wirtschaftlichen Gründen auszuschließen. Im besten Falle gäben Ärzte zunächst ein Port­folio aus mehreren fachlich geeigneten Implantaten vor, das alle medizinisch notwendi­gen Versorgungsformen abdecke. Erst danach sollten die Einkaufsabteilungen mit den Herstellern über den Preis verhandeln. „Die Entscheidung über die Implantatauswahl muss trotz ökonomischen Drucks letztlich in ärztlicher Hand bleiben“, so Perka. © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

4. Juni 2020
Helsinki − Eine Osteosynthese kann bei einer Humerusschaftfraktur die Erholung des Patienten beschleunigen. Nach einem Jahr waren die Ergebnisse einer konservativen Versorgung mit einer Orthese
Humerusschaftfraktur: Patienten erholen sich nach Osteosynthese schneller
20. Mai 2020
Saarbrücken – Forscher der Universität des Saarlandes und des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) haben eine personalisierte Therapie bei Waden- oder Schienbeinbrüchen
Künstliche Intelligenz soll personalisierte Implantate bei Waden- oder Schienbeinbrüchen ermöglichen
19. März 2020
Berlin – Die Sonografie bietet bei vielen Indikationen eine Alternative zur Diagnose mit ionisierender Strahlung. Dennoch würde das schonendere Verfahren noch zu selten eingesetzt – das bemängelt die
Was Orthopäden und Chirurgen vom Einsatz der Sonografie abhalten könnte
13. Dezember 2019
London – Nicht alle Marathonläufer haben gesunde Gelenke. In einer Kohortenstudie wies jeder dritte Teilnehmer vor dem Rennen Meniskusschäden auf, die aber keinen von der Teilnahme abhielten.
MRT-Studie: Marathon strapaziert Kniegelenke und festigt den Knochen
18. November 2019
Berlin – Krankenhäuser, die viele künstliche Hüft- und Kniegelenke implantieren, weisen in der Tendenz bessere Operationsergebnisse auf als Einrichtungen, die wenige Eingriffe durchführen. Zu diesem
Zusammenhang zwischen Eingreifshäufigkeit und Operationserfolg
24. Oktober 2019
Berlin – Experten haben vor starken Überlastungen und Folgeschäden für Knochen und Gelenke bei Kindern durch übermäßigen Sport gewarnt. „Wir beobachten in der Praxis zunehmend Verletzungsmuster, die
Experten warnen vor Überbelastung von Kindern beim Sport
9. Oktober 2019
Baltimore – Intraartikuläre Injektionen von Sprifermin, einem Wachstumsfaktor für Fibroblasten, zu denen auch die Chondrozyten gehören, haben in einer Phase-2-Studie die Ausdehnung des Gelenkknorpels
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER