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Medizin

Typ-2-Diabetes: Liraglutid senkt Blutzucker, aber nicht Gewicht von Jugendlichen

Dienstag, 30. April 2019

/dpa

New Haven/Connecticut – Der GLP-1-Agonist Liraglutid, der bisher nur bei Erwachsenen zur Behandlung des Typ-2-Diabetes eingesetzt wird, hat in einer Phase-3-Studie bei jugendlichen Patienten den Blutzucker gesenkt, die außerdem mit Metformin (mit oder ohne Insulin) behandelt wurden. Die erhoffte Senkung des Körpergewichts konnte laut den im New England Journal of Medicine (2019; doi: 10.1056/NEJMoa1903822) publizierten Ergebnisse nicht sicher belegt werden.

Aufgrund der Zunahme der Adipositas erkranken immer häufiger auch Jugendliche an einem Typ-2-Diabetes. Die Behandlung erfolgt bei ihnen meist mit Metformin und Insulin, da neuere Antidiabetika bisher nicht an Jugendlichen erprobt wurden. Die Arzneimittel­agenturen in den USA und Europa haben die Durchführung klinischer Studien als Voraussetzung für eine Erweiterung der Zulassung gefordert.

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Für den GLP-1-Agonisten Liraglutid liegen jetzt die Ergebnisse einer solchen Nachunter­suchung vor. An der vom Hersteller gesponserten Ellipse-Studie („Evaluation of Liraglutide in Pediatrics with Diabetes“) nahmen 135 Jugendliche im Alter zwischen 10 und 17 Jahren mit Adipositas (BMI über der 85. Perzentile für Alter und Geschlecht) und Typ-2-Diabetes teil. Einschlusskriterium war ein HbA1c-Wert von 7,0 bis 11,0 %, wenn die Patienten bisher nur durch Sport und Diät behandelt wurden, oder ein HbA1c-Wert von 6,5 bis 11,0 %, wenn sie bereits mit Metformin- und/oder Basalinsulin behandelt wurden.

Die Patienten wurden für 26 Wochen auf tägliche subkutane Injektionen von Liraglutid oder Placebo randomisiert. Alle Patienten wurden außerdem mit Metformin behandelt und eine eventuelle Therapie mit Basalinsulin wurde unverändert fortgesetzt. Die Liraglutiddosis wurde in einer 3-wöchigen Titrationsphase von 0,6 mg auf maximal 1,8 mg gesteigert. Alle Patienten erhielten eine Diät- und Bewegungsberatung entsprechend den örtlichen Standards. Primärer Endpunkt der Studie war die Veränderung des HbA1c-Werts nach 26 Wochen.

Liraglutid senkte den Blutzucker bei den jugendlichen Typ-2-Diabetikern in etwa im gleichen Ausmaß wie bei Erwachsenen. Wie William Tamborlane von der Yale University in New Haven/Connecticut und Mitarbeiter berichten, sank der HbA1c-Wert in der Liraglutid­gruppe durchschnittlich um 0,64 Prozentpunkte, während es in der Placebogruppe zu einem Anstieg um 0,42 Prozentpunkte kam. Die Differenz von 1,06 Prozentpunkten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,46 bis 1,65 statistisch signifikant.

Nach dem Ende der randomisierten Studienphase wurden alle Patienten über weitere 26 Wochen mit Liraglutid (plus Begleittherapie) behandelt. Die Differenz im HbA1c-Wert stieg in der Woche 52 auf 1,30 Prozentpunkte an (0,70-1,89).

Auch die Verträglichkeit von Liraglutid entsprach den bei Erwachsenen gemachten Erfahrungen. Am häufigsten kam es zu gastrointestinalen Nebenwirkungen (Übelkeit und Erbrechen), die vor allem in den ersten acht Wochen auftraten.

In der Liraglutidgruppe kam es häufiger als in der Placebogruppe zu Hypoglykämien, die jedoch asymptomatisch blieben oder milde verliefen. Unter der Liraglutidbehandlung kam es bei keinem Patienten zu einer schweren Hypoglykämie, geschweige denn zu einem Todesfall.

In einem anderen Aspekt wurden die Erwartungen nicht ganz erfüllt. Bei Erwachsenen kommt es unter der Behandlung mit Liraglutid regelmäßig zu einer Gewichtsabnahme. Zwei Drittel verlieren mehr als 5 ihres Gewichts, ein Drittel sogar mehr als 10 %. Liraglutid ist bei Erwachsenen auch zur Behandlung der Adipositas zugelassen.

Eine Gewichtsreduktion wäre bei den im Mittel 93 kg schweren Patienten sicherlich erwünscht gewesen. Tatsächlich kam es in der Liraglutidgruppe in den ersten 26 Wochen zu einer Gewichtsabnahme um 2,3 kg. Das ist deutlich weniger als die erwarteten 5 Prozent. Außerdem verloren auch die Teilnehmer in der Placebo-Gruppe 0,99 kg an Gewicht. Der Unterschied zwischen beiden Gruppen war am Ende statistisch nicht signifikant. Ein Grund für die geringe Gewichtsreduktion könnte laut Tamborlane sein, dass nur die Hälfte der Teilnehmer die Zieldosis von 1,8 mg pro Tag erreichte. © rme/aerzteblatt.de

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