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Medizin

Karies und Parodontose bei Kindern könnten Atherosklerose im Erwachsenenalter fördern

Dienstag, 30. April 2019

/akira_photo, stockadobecom

Helsinki – Finnische Kinder, die im Alter von etwa 8 Jahren an Karies und/oder Parodontose erkrankt waren, wiesen in einer prospektiven Kohortenstudie in JAMA Network Open (2019; 2: e192523) im jüngeren Erwachsenenalter eine höhere Intima-Media-Dicke der Karotisarterien auf, die ein Indikator für eine Atherosklerose ist.

Karies und Parodontose sind Folge einer chronischen bakteriellen Infektion der Mundhöhle. Sie könnte indirekt über eine Förderung von Entzündungsparametern oder direkt durch gelegentlichen Eintritt von Bakterien in die Blutbahn die Entwicklung der Atherosklerose fördern. Eine Reihe von Beobachtungsstudien hat tatsächlich ergeben, dass Menschen mit Karies und/oder Parodontose häufiger Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickeln. Die Untersuchungen wurden jedoch nur an Erwachsenen durchgeführt. Karies und Parodontose beginnen jedoch meist im frühen Kindesalter.

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Die „Cardiovascular Risk in Young Finns“-Studie ermöglichte es Pirkko Pussinen von der Universität Helsinki und Mitarbeitern, den Zusammenhang an 755 Personen zu untersuchen, die 1980 im Alter von durchschnittlich 8,07 Jahren von Zahnärzten untersucht wurden. Damals wurde bei 87 % der Kinder Karies festgestellt, 82 % hatten Zahnfüllungen, 68 % Zahnfleischbluten und 54 bereits Zahnfleischtaschen. Nur 5 der Münder waren völlig gesund, während 61 der Kinder 1 bis 3 Anzeichen und 34 4 Anzeichen einer oralen Infektion hatten.

In den Jahren 2001 und 2007 wurde bei den Teilnehmern – die jungen Finnen waren inzwischen 28 beziehungsweise 35 Jahre alt – die Intima-Media-Dicke der Karotisarterien mittels Ultraschall gemessen. Eine Zunahme der Wanddicke gilt als Frühzeichen einer Atherosklerose. Menschen mit einer erhöhten Intima-Media-Dicke erkranken im weiteren Leben häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Pussinen kann zeigen, dass eine Karies und/oder Parodontose im Kindesalter häufig mit einer Zunahme der Intima-Media-Dicke im jungen Erwachsenenalter einher ging: Bei 1 bis 3 Zeichen einer Karies und/oder Parodontose betrug das multivariate relative Risiko (RR) auf eine Intima-Media-Dicke im oberen Drittel 1,74 (95-%-Konfidenzintervall 1,16 bis 2,62). Bei den Kindern mit 4 Zeichen von Karies und/oder Parodontose war das Atheroskleroserisiko fast verdoppelt (RR 1,95; 1,28-3,00). Jungen waren mit einem RR von 2,25 (1,30-3,89) stärker gefährdet als Mädchen (1,51; 0,80-2,85).

Die Dosis-Wirkungs-Beziehung lässt sich als Zeichen für eine Kausalität deuten, die eine Beobachtungsstudie allerdings niemals sicher beweisen kann. Ein Kritikpunkt ist, dass Menschen mit schlechter Mundhygiene häufiger als andere kardiovaskuläre Risikofaktoren (etwa einen Tabakkonsum) aufweisen. Dies kann in Beobachtungsstudien leicht zu Verzerrungen führen, die eine Kausalität vortäuschen. Viele Experten sind jedoch überzeugt, dass Karies und Parodontose kardiovaskuläre Risikofaktoren sind. © rme/aerzteblatt.de

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