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Medizin

Geruchsstörungen erhöhen Sterberisiko im Alter

Donnerstag, 2. Mai 2019

/Halfpoint, stockadobecom

East Lansing/Michigan – Störungen des Geruchssinns im Alter waren in einer prospektiven Kohortenstudie mit einem deutlich erhöhten Sterberisiko verbunden. Besonders gefährdet waren laut der Publikation in den Annals of Internal Medicine (2019; doi: 10.7326/M18-0775) Senioren, die sich noch kerngesund fühlten.

Störungen des Geruchssinns werden anders als Hör- oder Sehstörungen von den meisten Menschen nicht wahrgenommen und von den Ärzten weitgehend ignoriert. Dabei hat der Geruchssinn nachweisbar wichtige Funktionen. Er warnt vor verdorbenen Speisen und Feuer. Hinzu kommt, dass der Riechnerv der einzige Hirnnerv mit einer direkten Verbindung zur Außenwelt ist. Über die Riechnerven beziehungsweise das ihn umgebende Gewebe können Medikamente (Desmopressin, Oxytocin), vermutlich aber auch Schadstoffe direkt ins Gehirn gelangen.

Seit Längerem ist bekannt, dass Störungen des Geruchssinns Prodromalsymptome für den Morbus Parkinson und den Morbus Alzheimer sein können. Eine Analyse der Health-ABC-Studie (Health, Aging, and Body Composition) bestätigt den Zusammenhang jetzt erneut. Die Studie begleitet seit 1997/98 eine Gruppe von US-Senioren (darunter etwa 40 % Afroamerikaner), die zu Beginn im Alter von 70 bis 79 Jahren noch gesund waren und zu Hause lebten. Bei 2.289 Senioren wurde zu Beginn der Studie der „Brief Smell Identification Test“ durchgeführt, der 12 häufige Gerüche untersucht.

In den folgenden 13 Jahren sind 1.211 Teilnehmer gestorben. Darunter waren auffällig viele, die bei den Riechtests ein schlechtes Ergebnis erzielt hatten. Nach den Analysen von Honglei Chen vom Michigan State University College in East Lansing und Mitarbeitern hatten Personen, die 8 oder weniger Gerüche erkannt hatten, ein um 46 % erhöhtes Risiko, innerhalb der nächsten 10 Jahre zu sterben (Risk Ratio 1,46; 95-%-Konfidenzintervall 1,27 bis 1,67). Nach 13 Jahren war das Sterberisiko nur noch um 30 % erhöht (Risk Ratio 1,30; 1,18-1,42) – vermutlich weil viele Senioren die natürliche Lebenserwartung erreicht hatten.

Interessanterweise war das Sterberisiko bei denjenigen Senioren am höchsten, die ihren Gesundheitszustand zu Beginn der Studie am besten eingestuft hatten (10-Jahres-Sterberisiko 1,62; 1,37-1,90). Bei den Senioren, die ihren Gesundheitszustand als relativ schlecht eingeschätzt hatten, war das Sterberisiko dagegen nicht signifikant erhöht (10-Jahres-Sterberisiko 1,06; 0,82-1,37). Der Grund für dieses Phänomen ist nicht bekannt.

Eine weitere Analyse ergab, dass neurodegenerative Erkrankungen nur etwa 22 % des erhöhten Sterberisikos erklärten. Weitere 6 % ließen sich auf einen Gewichtsverlust zurückführen. Für die restlichen 72 % konnte Chen keine Erklärung finden.

Nach Ansicht von Chen besteht deshalb noch erheblicher Forschungsbedarf. Bereits jetzt könnten dagegen Riechtests von Ärzten genutzt werden, um den Gesundheitszustand der Senioren zu beurteilen. Der klinische Nutzen solcher Tests bleibt jedoch fraglich, solange es weder für den Morbus Parkinson noch für den Morbus Alzheimer Behandlungen gibt, die den Krankheitsausbruch verhindern oder den Verlauf verlangsamen können. © rme/aerzteblatt.de

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