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Medizin

Alkohol als Migräneauslöser nicht unterschätzen

Dienstag, 30. April 2019

/natashaphoto, stockadobecom

Berlin/Leiden – Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hat davor gewarnt, die Rolle alkoholischer Getränke bei der Auslösung einer Migräneattacke zu unterschätzen. Hintergrund sind Studienergebnisse, wonach Rotwein nur bei 8,8 % der Patienten immer eine Migräneattacke auslöst.

Die DGN bezieht sich in ihrer Stellungnahme auf eine im Dezember 2018 im European Journal of Neurology publizierte, niederländische Studie (2019; doi: 10.1111/ene.13861).  Die Forscher untersuchten den Stellenwert alkoholischer Getränke als Auslöser von Mi­gräneattacken und den Effekt auf den Konsum von Alkohol bei Migränepatienten. 2.197 Patienten wurden webbasiert zu ihrem Trinkverhalten und den Triggern befragt, die bei ihnen die Kopfschmerzattacken auslösen. 

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1.547 von den 2.197 Befragten gaben an, Alkohol zu konsumieren. Von den Befragten er­klärten 783 Patienten (35,6 %), dass Alkohol bei ihnen Kopfschmerzattacken auslöst. Un­ter den 1.547 Befragten, die gelegentlich Alkohol trinken, war der Anteil höher: In dieser Gruppe gaben 42,5 % an, dass Alkohol bei ihnen ein Migränetrigger sei.

Die Studie untersuchte auch, welche alkoholischen Getränke besonders häufig zu Migrä­ne­attacken führen. Am häufigsten nannten die Studienteilnehmer Wein, insbesondere Rotwein. Die Befragten gaben an, dass bereits zwei Standardgläser ausreichen, um einen Migräneanfall zu provozieren.

Allerdings berichteten nur 8,8 % der Studienteilnehmer, dass Rotwein bei ihnen immer zu Migräneanfällen führt. Die Studienautoren zweifeln daher an, dass Alkohol beziehungs­weise Rotwein ein eigenständiger Trigger ist. Laut den Studien­autoren sei zu diskutieren, ob Alkohol ein echter oder nur ein „gefühlter“ Auslöser von Migräneattacken ist.

Die DGN rät dennoch dazu, die Bedeutung von Alkohol als Migränetrigger nicht zu unter­schätzen. „Selten ist nur ein einziger Trigger für den Ausbruch eines Migräneanfalls ver­ant­wortlich, meist kommen mehrere Auslöser zusammen“, erläuterte DGN-Pressesprecher Hans-Christoph Diener. Rotwein sei leicht zu umgehen, andere Migräneauslöser wie Hor­monschwankungen oder Wetterumschwünge aber nicht.

Deswegen sei es klug, auf vermeidbare Auslöser zu verzichten, um das Risiko für das Auf­treten von Migräneattacken geringer zu halten. „Die Studie sollte keinesfalls so interpre­tiert werden, dass Migränepatienten ruhig Rotwein trinken sollten – Alkohol, insbeson­de­re Rotwein, bleibt ein Migränetrigger, nicht geklärt ist nur, wie groß sein Einfluss tatsäch­lich ist. Migränepatienten sind immer gut beraten, jeden vermeidbaren Auslöser einer Mi­gräneattacke zu umgehen“, so Diener.

Etwa 15 % der Bevölkerung leiden unter Migräne. Die Kopfschmerzerkrankung ist durch wiederkehrende, in der Regel sehr starke, einseitige Kopfschmerzen gekennzeichnet, die bei einigen der Betroffenen auch mit bestimmten neurologischen Symptomen einher­ge­hen, den Aurasymptomen, zum Beispiel Schwindel, Augenflimmern, Einengungen des Gesichtsfeldes, auch Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Gliedmaßen. Bei einigen Pa­tien­ten kommt es während der Kopfschmerzphase zu Übelkeit und Erbrechen, häufig ist auch eine besonders ausgeprägte Lärm- oder Lichtempfindlichkeit während der Kopf­schmerz­attacke. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 1. Mai 2019, 10:47

Kein webbasierter Alarmismus mit Migräne/Alkohol

Wie können mögliche Ursachen und Trigger eines komplexen, multifaktoriellen und mehrdimensionalen Krankheitsgeschehens wie Migräne bei 2.197 Internet-Befragten als Patienten und Teilnehmer der sogenannten LUMINA-Studie ["2197 patients with migraine from the well‐defined Leiden University MIgraine Neuro‐Analysis (LUMINA) study population" eruiert werden?

Migräne ist als Kopfschmerzerkrankung definiert
- durch wiederkehrende, in der Regel sehr starke, einseitige Kopfschmerzen
- bei einigen der Betroffenen auch mit bestimmten neurologischen Symptomen einher­ge­hend,
- durch Aurasymptome wie Schwindel, Augenflimmern, Einengungen des Gesichtsfeldes, peripherem Kribbeln oder Taubheitsgefühl gekennzeichnet,
- während der Kopfschmerzphase durch Übelkeit und Erbrechen, Lärm- oder Lichtempfindlichkeit während der Kopf­schmerz­attacken begleitet.

Wenn bei 2.197 Befragten webbasiert nach durch Alkoholkonsum ausgelösten Kopfschmerzattacken gefragt wurde, aber zugleich nur 1.547 von 2.197 Befragten überhaupt angaben, Alkohol zu konsumieren, bleiben die Publikations-Ergebnisse bias-anfällig.

Wenn von den Befragten 783 Patienten (35,6 %) angaben, dass Alkohol bei ihnen Kopfschmerzattacken auslösen, sind das per definitionem nicht automatisch Migräne-Fälle.

Wie dann laut Deutschem Ärzteblatt (DÄ) zusätzlich generiert werden soll: "unter den 1.547 Befragten, die gelegentlich Alkohol trinken, war der Anteil höher: In dieser Gruppe gaben 42,5 % an, dass Alkohol bei ihnen ein Migränetrigger sei", bleibt ein Geheimnis der DÄ-Redaktion.

Abstract und Publikation geben keinen Grund zu Alarmismus bei moderatem Alkoholkonsum und Migräne.

"Background and purpose
Alcoholic beverages are frequently reported migraine triggers. We aimed to assess self‐reported alcohol consumption as a migraine attack trigger and to investigate the effect on alcohol consumption behavior in a large migraine cohort.

Methods
We conducted a cross‐sectional, web‐based, questionnaire study among 2197 patients with migraine from the well‐defined Leiden University MIgraine Neuro‐Analysis (LUMINA) study population. We assessed alcoholic beverage consumption and self‐reported trigger potential, reasons behind alcohol abstinence and time between alcohol consumption and migraine attack onset.

Results
Alcoholic beverages were reported as a trigger by 35.6% of participants with migraine. In addition, over 25% of patients with migraine who had stopped consuming or never consumed alcoholic beverages did so because of presumed trigger effects. Wine, especially red wine (77.8% of participants), was recognized as the most common trigger among the alcoholic beverages. However, red wine consistently led to an attack in only 8.8% of participants. Time of onset was rapid (<3 h) in one&#8208;third of patients and almost 90% had an onset <10 h independent of beverage type.

Conclusions
Alcoholic beverages, especially red wine, are recognized as a migraine trigger factor by patients with migraine and have a substantial effect on alcohol consumption behavior. Rapid onset of provoked migraine attacks in contrast to what is known about hangover headache might point to a different mechanism. The low consistency of provocation suggests that alcoholic beverages acting as a singular trigger is insufficient and may depend on a fluctuating trigger threshold." (Zitat Ende)
"Alcoholic beverages as trigger factor and the effect on alcohol consumption behavior in patients with migraine" von G. L. J. Onderwater et al. First published: 18 December 2018
https://doi.org/10.1111/ene.13861

Das geringe Auftreten von Provokation legt nahe, dass alkoholische Getränke bei Migräne als Einzeltrigger nicht ausreichend sind. Das könnte von einer fluktuierenden Trigger Ereignis- und Auslöse-Schwelle abhängen.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

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