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Antibiotika­resistenzen: Expertengruppe der Vereinten Nationen schlägt Alarm

Dienstag, 30. April 2019

/dpa

Genf – In der Diskussion um Antibiotikaresistenzen verschärft sich der Ton: Eine Koordi­nierungsgruppe der Vereinten Nationen (UN Interagency Coordination Group on Antimi­crobial Resistance) spricht bei der Veröffentlichung eines neuen Berichtes jetzt von einer „möglicherweise katastrophalen Arzneimittelresistenzkrise“ und fordert „sofortige, koor­di­nierte und ehrgeizige Maßnahmen“.

„Wenn nichts unternommen wird, könnten arzneimittelresistente Krankheiten bis 2050 jedes Jahr zehn Millionen Todesfälle verursachen“, warnt die Gruppe. Dies hätte neben der humanen Katastrophe auch wirtschaftliche Auswirkungen: Die Schäden für die Wirtschaft könnten ähnlich gravierend sein wie die globale Finanzkrise 2008 und 2009. „Bis 2030 könnte die Antibiotikaresistenz bis zu 24 Millionen Menschen in extreme Armut treiben“, so die Gruppe.

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Derzeit sterben laut dem Bericht jedes Jahr mindestens 700.000 Menschen an arzneimit­tel­resistenten Krankheiten, darunter 230.000 Menschen an multiresistenter Tuberkulose. „Immer mehr häufige Krankheiten, darunter Atemwegsinfektionen, sexuell übertragbare Infektionen und Harnwegsinfektionen, sind nicht mehr behandelbar“, so die Gruppe.

Die Expertengruppe, die auf Ersuchen der Staats- und Regierungschefs der Welt nach dem ersten hochrangigen UN-Treffen über die Resistenz gegen antimikrobielle Mittel im Jahr 2016 einberufen wurde, versammelt Partner aus den Vereinten Nationen, internatio­nalen Organisationen und Einzelpersonen mit Fachwissen in den Bereichen Gesundheit von Mensch, Tier und Pflanze sowie in den Bereichen Lebensmittel, Futtermittel, Handel, Entwicklung und Umwelt, um ein Konzept für die Bekämpfung der Resistenz gegen anti­mi­krobielle Mittel zu entwickeln.

„Die Resistenz gegen antimikrobielle Mittel ist eine der größten Bedrohungen, denen wir als globale Gemeinschaft ausgesetzt sind. Dieser Bericht spiegelt die Tiefe und den Um­fang der Maßnahmen wider, die erforderlich sind, um den Anstieg des Gesundheitszu­stan­des einzudämmen und ein Jahrhundert des Fortschritts im Gesundheitswesen zu schützen“, sagte Amina Mohammed, stellvertretende UN-Generalsekretärin.

Die Expertengruppe fordert einen koordinierten, multisektoralen One-Health-Ansatz, der auch die Landwirtschaft mit einbezieht. Wichtig seien strengere Regulierungs­systeme für den Einsatz von Antibiotika und Investitionen für neue Antibiotika und für einen rationa­len Einsatz der Präparate.

„Wir befinden uns an einem kritischen Punkt im Kampf um den Schutz einiger unserer wichtigsten Medikamente“, sagte Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Welt­gesund­heits­organi­sation WHO.

© hil/aerzteblatt.de
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