NewsMedizinDauerstress behindert die Knochenheilung nach Brüchen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Dauerstress behindert die Knochenheilung nach Brüchen

Freitag, 3. Mai 2019

/pressmaster, stockadobecom

Ulm – Chronischer psychosozialer Stress behindert die Knochenheilung nach Frakturen. Mithilfe des Betablockers Propranolol lässt sich diese stressbedingte Knochenheilungs­störung beheben. Das berichtet ein Forscherteam der Universitäten Ulm und San Franzis­ko. Die Arbeit ist in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) erschie­nen (2019; doi: 10.1073/pnas.1819218116). 

Menschen, die Extremsituationen erlebt haben – ob im Krieg, auf der Flucht sowie als Missbrauchs-, Gewalt- oder Verkehrsunfallopfer – leiden häufig unter einer Posttraumati­schen Belastungsstörung (PTBS). Die Folgen einer solchen extremen Stresserfahrung machen sich nicht nur psychisch sondern auch physisch bemerkbar. So sind Menschen mit PTBS deutlich häufiger von chronisch-entzündlichen Erkrankungen betroffen und haben zudem ein höheres Frakturrisiko.

Anzeige

„Wir haben uns deshalb gefragt, ob sich ein solches Stresssyndrom auch negativ auf die Frakturheilung auswirkt“, erklärte Stefan Reber, Leiter der Sektion für Molekulare Psycho­somatik an der Ulmer Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychothe­ra­pie.

Für die Studie verwendeten die Forscher ein Mausmodell für chronischen psychosozialen Stress. Hierfür wurden männliche Mäuse 19 Tage lang gemeinsam in einem Käfig gehal­ten. Die von Unterordnung und Dominanzverhalten geprägten sozialen Interaktionen be­deuten für die Männchen ein hohes Maß an Stress. Dieses „Chronic subordinate colony housing“-(CSC-)Modell gilt den Wissenschaftlern zufolge als präklinisch validiertes Maus­modell für PTBS. 

„Bricht sich jemand das Bein, treten kurz danach an der Bruchstelle lokale Immunreakti­onen auf. Der Körper sondiert sozusagen die Lage und beseitigt schadhaftes Gewebe. Mit der Zeit überwachsen Knochenzellen den bruchbedingten Spalt und der Bruch heilt ab“, erklärte die Direktorin des Instituts für Unfallchirurgische Forschung und Biomechanik, Anita Ignatius, die normalen Heilungsprozesse.

Bei langanhaltendem Stress komme es jedoch zu Störungen dieser akuten immunologi­schen Prozesse und zu einem Überschießen der Entzündungsreaktion. So entwickelten sich einerseits im Knochenmark vermehrt Immunzellen wie neutrophile Granulozyten, die an der Bruchstelle in die dort entstandenen Hämatome einwanderten. Andererseits sei die Umwandlung von Knorpel zu Knochen und damit die Knochenneubildung gestört, wie sich in der Ulmer Studie zeigte. 

Die überschießende Immunreaktion und die Störung der Geweberegeneration wird laut den Forschern über einen molekularen Signalweg vermittelt, an dem ß-Adrenozeptoren beteiligt sind. „Dieser adrenalinvermittelte Signalweg konnte durch die Gabe von Propra­nolol unterbrochen werden. Damit normalisierten sich nicht nur die Immunreaktionen, sondern auch die Knochenheilung verlief wieder ungestört“, erläuterte Melanie Haffner-Luntzer vom Institut für Unfallchirurgische Forschung und Biomechanik.

Die Wissenschaftler hoffen, ihre Studie werde helfen, Knochenbrüchen bei Menschen mit PTBS wirkungsvoller zu behandeln.

© hil/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

29. Mai 2019
Singapur – Jeder „ausgebrannte“ Arzt verursacht den Kliniken allein durch verkürzte Arbeitszeiten und Arbeitsplatzwechsel Kosten von durchschnittlich 7.600 US-Dollar pro Arzt und Jahr. Zu diesem
Folgekosten für Krankenhäuser durch Burnout errechnet
16. Mai 2019
Providence/Rhode Island – Der Stress des ersten Berufsjahres, in dem US-Ärzte häufig 65 Wochenstunden oder länger in der Klinik verbringen, hinterlässt offenbar Spuren im Erbgut. In einer
Chromosomen von Ärzten altern im ersten Berufsjahr schneller
7. Mai 2019
Dresden – Die Technische Universität (TU) Dresden will wachsendem Stress bei Studierenden und Beschäftigten vorbeugen und arbeitet deshalb mit der AOK Plus an einem Maßnahmenpaket. Das Studium und die
TU Dresden will psychischen Erkrankungen vorbeugen
11. April 2019
Stockholm – Ein einmaliges Stressereignis kann Herz und Kreislauf schädigen. Dies zeigen die Ergebnisse einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie aus Schweden im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2019; 365:
Stresserlebnisse ziehen Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach sich
9. April 2019
Boston – Erhöhter Stress von jungen Müttern kann Spuren im Gehirn der Säuglinge hinterlassen, die in einer Studie in JAMA Pediatrics (2019; doi: 10.1001/jamapediatrics.2019.0492) im
EEG: Mütterlicher Stress toxisch für die Hirnentwicklung des Säuglings
2. April 2019
Berlin – Immer mehr Krankenhausärzte resignierten vor überbordender Bürokratie, ökonomischem Druck und zunehmender Arbeitsverdichtung. Darauf macht die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH)
Chirurgen warnen vor Burnout bei Ärzten
12. März 2019
Berlin – Der Druck im Beruf belastet die Ärzte in Deutschland stark. Das signalisiert eine Umfrage des Gesundheitsportals Medscape. Das Unternehmen befragte Ärzte in sechs Ländern. In Deutschland
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER