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Medizin

Z-Drugs: FDA warnt vor tödlichem Schlafwandeln

Donnerstag, 2. Mai 2019

/LoloStock, stockadobecom

Silver Spring/Maryland – Mindestens 66 Menschen haben sich oder andere in den letzten Jahren verletzt oder getötet, weil sie unter der Wirkung von 3 häufig verordneten Nicht-Benzodiazepin-Agonisten im Schlaf umhergewandert, Auto gefahren sind oder andere gefährliche Dinge getan haben. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat jetzt für 3 häufig verordnete Mittel einen umrahmten Warnhinweis („boxed warning) verfügt.

Nicht-Benzodiazepin-Agonisten, die wegen der Anfangsbuchstaben einiger Wirkstoffe auch als „Z-Drugs“ bezeichnet werden, gelten als sicherer als die klassischen Benzodiazepine. In den USA hat dies zu einer starken Zunahme der Verordnungen von Schlafmitteln geführt. Die Zahl der Rezepte hat sich innerhalb eines Jahrzehnts fast vervierfacht auf 20 Millionen im Jahr 2010.

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Dass der Einsatz der „Z-Drugs“ nicht frei von Risiken ist, zeigt sich darin, dass die FDA in den letzten Jahren schon 3-mal Sicherheitswarnungen veröffentlicht hat. Im Januar 2013 wurde vor Beeinträchtigungen am Morgen nach der Einnahme von Zolpidem gewarnt. Im Mai 2013 wurde die empfohlene Dosis für Zolpidem gesenkt. Im Mai 2014 warnte die FDA vor Beeinträchtigungen am Morgen nach der Einnahme von Eszopiclon, dessen empfohlene Dosis ebenfalls gesenkt wurde.

Jetzt folgt eine Warnung vor riskanten Verhaltensweisen, zu denen es im Schlaf nach Einnahme von Eszopiclon, Zaleplon und Zolpidem gekommen ist. Der Datenbank für unerwünschte Arzneimittelwirkungen FAERS („FDA Adverse Event Reporting System“) sind seit Einführung der Wirkstoffe Anfang der 1990er-Jahre insgesamt 62 Fälle eines „komplexen Schlafverhaltens“ gemeldet worden. In der Fachliteratur fanden die FDA-Mitarbeiter vier weitere Fälle. Von den insgesamt 66 Zwischenfällen endeten 20 tödlich.

Am häufigsten waren Stürze mit schweren Verletzungen wie intrakraniellen Blutungen, Wirbelkörper- und Hüftfrakturen. Hinzu kamen Selbstverletzungen, tödliche Stürze, versehentliche Überdosierungen, Unterkühlungen, Suizide oder Suizidversuche, tödliche Autounfälle, Schussverletzungen, Kohlenmonoxidvergiftung, Ertrinken oder Fastertrinken und Verbrennungen. Ein Patient beging unter der Einwirkung des Schlafmittels einen Mord.

Die meisten Patienten hatten Zolpidem (n = 61) eingenommen. Die übrigen Patienten standen unter der Wirkung von Eszopiclon (n = 3) oder Zaleplon (n = 2). Diese Zahlen entsprechen laut FDA den Marktanteilen der einzelnen Substanzen und deuten deshalb nicht auf ein besonderes Risiko von Zolpidem hin.

© rme/aerzteblatt.de

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