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Häufige Infektionen im Kindesalter könnten Essstörungen auslösen

Montag, 6. Mai 2019

/nenetus, stockadobecom

Fairfax/Virginia – Weibliche Jugendliche erkranken nach schweren und mit Antibiotika behandelten Infektionen häufiger an einer Essstörung. Dies kam in einer bevölkerungs­basierten Kohortenstudie in JAMA Psychiatry (2019; doi: 10.1001/jamapsychiatry.2019.0297) heraus.

Seit einiger Zeit wird diskutiert, ob Infektionen und die damit einher gehenden entzündlichen Reize psychiatrische Erkrankungen auslösen können. In epidemiologischen Studien wurde bereits eine Häufung von Schizophrenien und affektiven Störungen nach Infektionen beobachtet. In seltenen Fällen ist der Zusammenhang so deutlich, dass eine PANS („Pediatric Acute-onset Neuropsychiatric Syndrome“) oder PANDAS („Pediatric Autoimmune Neuropsychiatric Disorders Associated with Streptococcal Infections“) diagnostiziert wird.

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Auch bei (den zumeist weiblichen) Teenagern, die an einer Anorexie, Bulimie oder EDNOS („Eating Disorder Not Otherwise Specified“) erkranken, wird häufig eine vorangegangene Infektion beobachtet. Ein Team um Lauren Breithaupt von der George Mason University in Fairfax bei Washington ist dem Zusammenhang jetzt in einer Analyse dänischer Krankheitsregister nachgegangen. Aufgrund der Verwendung der gleichen persönlichen Identifikationsnummern in verschiedenen Registern konnten die Forscher untersuchen, ob es nach Infektionen im Kindesalter häufiger zu Essstörungen kommt.

Dies war tatsächlich der Fall. Von etwa einer halben Million Mädchen, die in den Jahren 1989 bis 2006 geboren wurden, erkrankten im Jugendalter knapp 4.000 an einer Essstörung: Darunter waren 2.131 Mädchen, die im Durchschnittsalter von 15,2 Jahren an einer Anorexia nervosa erkrankten, 711 Mädchen mit Bulimia nervosa (Durchschnittsalter 17,9) und 1.398 Mädchen mit EDNOS (Durchschnittsalter 15,6).

Dosis-Wirkungs-Beziehung bei schweren Infektionen und Antiinfektiosa

Mädchen, die wegen einer schweren Infektion im Krankenhaus behandelt worden waren, erkrankten danach zu 22 % häufiger als andere an einer Essstörung. Die von Breithaupt ermittelte Hazard Ratio von 1,22 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,10 bis 1,35 statistisch signifikant. Das Risiko auf eine Bulimie war um 35 % (Hazard Ratio 1,35; 1,13-1,60) und das Risiko auf eine EDNOS um 39 % (Hazard Ratio 1,39; 1,23-1,57) erhöht.

Ebenso bestand ein Zusammenhang mit Infektionen, die mit antiinfektiösen Medikamenten (in der Regel Antibiotika) behandelt worden waren. Die Hazard Ratios betrugen 1,23 (1,10-1,37) auf eine nachfolgende Anorexia nervosa, 1,63 (1,32-2,02) auf eine Bulimia nervosa und 1,45 (1,25-1,67) auf EDNOS.

Die Assoziationen waren in den ersten 3 Monaten nach der Infektion am höchsten. Breithaupt ermittelt für die Anorexie eine Hazard Ratio von 2,72 (1,20-5,13) und für EDNOS von 3,85 (1,72-6,70). Es gab außerdem eine Dosis-Wirkungs-Beziehung zu der Zahl der Kranken­haus­auf­enthalte und der Zahl der Antiinfektiosa.

Kausaler Zusammenhang nicht nachgewiesen

Dies und die zeitliche Nähe zu den Infektionen sprechen für eine Kausalität der Assoziation, die sich jedoch nicht abschließend beweisen lässt. Es bleibt möglich, dass Menschen, die zu Essstörungen neigen, aus anderen Gründen eine erhöhte Neigung zu Infektionen haben, etwa weil beidem, Essstörung und Infektanfälligkeit, eine gemeinsame (genetische) Anfälligkeit zugrunde liegt.

© rme/aerzteblatt.de

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