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Medizin

Stuhlbluttest: Aspirin verbessert Nachweis von Darmkrebs nicht

Dienstag, 7. Mai 2019

/WunderBild, stock.adobe.com

Heidelberg Beobachtungsdaten deuten an, dass sich beim Darmkrebsscreening per Stuhlbluttest mehr Erkrankungen entdecken lassen, wenn der Patient zuvor Aspirin (ASS) eingenommen hat. Plausibel wäre es, verstärkt Aspirin doch die Neigung zu subklini­schen Blutungen. Aber eine randomisierte, placebokontrollierte Studie aus Deutschland bestätigt diesen Zusammenhang nicht.

Bei Patienten, die 2 Tage vor der Probennahme eine Tablette mit 300 mg Aspirin ge­schluckt hatten, wies der Test auf Blut im Stuhl keine signifikant höhere Sensitivität auf als bei Patienten, die ein Placebo erhalten hatten. Dies berichten Wissenschaftler um Hermann Brenner von der Abteilung für Epidemiologie und Alternsforschung am Deut­schen Krebsforschungszentrum Heidelberg in JAMA (JAMA 2019; doi: 10.1001/jama.2019.4755).

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An der Studie nahmen 2.422 Männer und Frauen im Durchschnittsalter von 59,6 Jahren teil, bei denen eine präventive (78 %) oder eine diagnostische (22 %) Koloskopie anstand. Sie wurden an 4 Krankenhäusern und in 14 gastroenterologischen Praxen rekrutiert und durften vor Studienbeginn weder Aspirin noch andere Medikamente mit antithrom­botischer Wirkung eingenommen haben.

Letztlich erhielten 1.208 Patienten 2 Tage vor der Stuhlprobennahme 300 mg Aspirin und 1.214 ein Placebo; analysiert wurden 2.134 Studienteilnehmer. Der primäre End­punkt war die Sensitivität, mit der der immunchemische Stuhlbluttest bei 2 vordefi­nier­ten Grenzwerten (10,2 und 17 µg Hb/g Stuhl) fortgeschrittene Neoplasmen (Kolorek­talkarzinome oder fortgeschrittene Adenome) detektierte.

Bei der Koloskopie fanden sich fortgeschrittene Neoplasmen bei 224 Teilnehmern (10,5 %) – darunter 8 Teilnehmer (0,4 %) mit kolorektalem Karzinom und 216 Teilnehmer (10,1 %) mit Adenomen im fortgeschrittenen Stadium – einer Vorstufe zum kolorektalen Kar­zinom.

In der Gruppe, die Aspirin genommen hatte, war die Nachweisrate des Stuhlbluttestes tatsächlich höher, allerdings nur numerisch, statistische Signifikanz erreichte der Unter­schied nicht: Bei einem Grenzwert von 10,2 µg Hb/g Stuhl lag die Sensitivität bei 40,2 % - im Vergleich zu 30,4 % in der Placebogruppe (Differenz 9,8 %; 95-%-KI -3,1 bis 22,2; p=0,14). Bei einem Grenzwert von 17 µg Hb/g Stuhl betrug der Sensitivitätswert in der Aspiringruppe 28,6 % und in der Placebogruppe 22,5 % (Differenz 6,0 %; 95-%-KI -5,7 bis 17,5; p=0,32).

Die mangelnde Signifikanz der Unterschiede steht im Kontrast zu den Ergebnissen der Beobachtungsstudie, die Auslöser für diese randomisiert-kontrollierte Studie war. Sie hatte in einer vergleichbaren Population eine signifikant höhere Sensitivität des Stuhl­bluttests nach Aspirineinnahme gezeigt – wenn auch nur bei Männern, nicht bei Frauen. Allerdings: In dieser Beobachtungsstudie war die tägliche Einnahme niedrig dosierten Aspirins zur kardiovaskulären Prävention mit der Nichteinnahme von Aspirin in einem nicht randomisierten Design verglichen worden.

Die Autoren um Brenner schlussfolgern deshalb, dass weitere Studien notwendig seien, um herauszufinden, ob womöglich die tägliche niedrig dosierte Einnahme von Aspirin einen Effekt auf die Detektionsleistung des immunologischen Stuhlbluttests hat. In der vorliegenden Studie waren 300 mg Aspirin gewählt worden, um einen relevanten hämor­rhagischen Effekt mit einer einzelnen Tablette zu erreichen.

In weiteren Studien müssten zudem größere Patientenpopulationen untersucht werden, ergänzen die Heidelberger Forscher. Mit der aktuellen Arbeit konnte eine Zunahme der Sensitivität nach Aspirineinnahme erst ab einem Unterschied von 24 % gemessen wer­den. Für kleinere Differenzen, die den Autoren zufolge klinisch sehr wohl relevant sein könnten, reichte die statistische Power nicht aus.

© nec/aerzteblatt.de

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