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Medizin

COPD: „Low dose“-Azithromycin könnte erneute Exazerbationen verhindern

Dienstag, 7. Mai 2019

/VadimGuzhva, stockadobecom

Löwen – Eine niedrig dosierte Therapie mit dem Antibiotikum Azithromycin könnte nach einer akuten Exazerbation einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) ein erneutes Versagen der Therapie verhindern. Darauf deuten die Ergebnisse einer randomisierten Studie im American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine (Online) hin, die aber wegen einer schleppenden Rekrutierung von Patienten vorzeitig abgebrochen wurde.

Frühere Studien hatten gezeigt, dass eine Langzeitantibiose mit Makroliden wie Azithromycin COPD-Patienten vor weiteren Exazerbationen schützen kann. Die Therapie ist allerdings umstritten, da es unter der Langzeitbehandlung zu einer Zunahme von Resistenzen kommen kann. Auch die Verlängerung des QT-Intervalls im EKG, aus denen sich tödliche Herzrhythmusstörungen entwickeln können, stellt ein gewisses Risiko dar. Die deutschen Leitlinien raten deshalb zur Zurückhaltung.

Dies gilt insbesondere für Patienten, die wegen einer Exazerbation hospitalisiert wurden. Die belgische BACE-Studie („Azithromycin during Acute COPD Exacerbations Requiring Hospitalization“) hat jetzt erstmals untersucht, ob die Langzeitantibiose in dieser Situation sicher und effektiv ist.

An 20 Kliniken des Landes wurden 301 Patienten, die wegen einer Exazerbation im Krankenhaus behandelt wurden, auf 2 Gruppen randomisiert. Zusätzlich zu den Medikamenten, die die Ärzte zur Behandlung der Exazerbation einsetzten, erhielt die eine Hälfte der Patienten Azithromycin und die andere Hälfte Placebos. Die Azithromycindosis betrug in den ersten 3 Tagen des Kranken­haus­auf­enthaltes 500 mg/Tag. Danach wurden die Patienten über 3 Monate mit einer niedrigen Dosis von 250 mg Azithromycin alle 2 Tage fortgesetzt. Endpunkt der Studie war ein Therapieversagen, definiert als eine notwendige Intensivierung der medikamentösen Therapie (Erhöhung der Steroide und/oder der Antibiotika), eine erneute Hospitalisierung oder den Tod des Patienten.

Wie Kristina Vermeersch von der Universitätsklinik in Löwen und Mitarbeiter berichten, kam es in der Azithromycin-Gruppe bei 69 Patienten (49 %) zum Therapieversagen gegenüber 86 Patienten (60 %) in der Placebogruppe. Die Hazard Ratio von 0,73 verfehlte mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,53 bis 1,01 knapp das Signifikanz­niveau. Damit ist ein Nutzen der Therapie nicht zweifelsfrei belegt. Vermeersch führt die fehlende Signifikanz auf die zu geringe Teilnehmerzahl der Studie zurück. Ursprünglich sollten mehr Patienten teilnehmen, die Rekrutierung verlief jedoch schleppend, sodass die Studie irgendwann abgebrochen werden musste.

Immerhin: In 2 der 3 Komponenten des primären Endpunktes kam es zu einer signifikanten Verbesserung. Eine Intensivierung der medikamentösen Therapie mit Steroiden und/oder Antibiotika war bei 47 versus 60 % der Patienten erforderlich (Hazard Ratio 0,70; 0,51-0,97). Nur 13 statt 28 % der Patienten mussten rehospitalisiert werden (Hazard Ratio 0,43; 0,25-0,75). Lediglich bei der Mortalität mit 2 versus 4 % war der Vorteil nicht signifikant (Hazard Ratio 0,62; 0,15-2,59). Die „low dose“- Behandlung verkürzte im Fall einer Rehospitalisierung auch den durchschnittlichen Kranken­haus­auf­enthalt von 14 auf 11 Tage. Die Patienten verbrachten im Durchschnitt nur 3 statt 11 Tage auf der Intensivstation.

Auch die befürchteten Sicherheitsprobleme sind nicht aufgetreten. Nur bei 3 Patienten machte eine Verlängerung des QT-Intervalls einen Abbruch der Behandlung erforderlich, darunter war ein Patient aus der Placebogruppe. In den Sputumuntersuchungen wurden keine wesentlichen Veränderungen in der bakteriellen Besiedlung gefunden.

Durch den vorzeitigen Abbruch kann die Studie jedoch nicht alle Sicherheitsbedenken zerstreuen. Wegen des Potenzials einer Antibiotikaresistenz und der Möglichkeit proarrhythmischer Wirkungen rät Vermeersch zu einer vorsichtigen Auswahl der Patienten. © rme/aerzteblatt.de

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