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Medizin

Wie Schlaf das Gedächtnis fördert

Mittwoch, 8. Mai 2019

/Andrey Popov, stock.adobe.com

Tübingen – Die Großhirnrinde kann durch wiederholtes Üben schon innerhalb kurzer Zeit neue Gedächtnisspuren aufbauen. Allerdings sind diese nur dann allein für das Erinnern ausreichend, wenn auf das Lernen eine Schlafphase folgt – anderenfalls muss das Gehirn zur dauerhaften Speicherung der neuen Gedächtnisinhalte zusätzlich auf den Hippo­cam­pus zurückgreifen. Das berichten Tübinger Neurowissenschaftler im Fachjournal Science Advances (2019; doi: 10.1126/sciadv.aav1695). 

Die Forscher um Lea Himmer, Monika Schönauer und Steffen Gais vom Institut für Medi­zinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie der Universität Tübingen haben unter­sucht, wie sich die Gehirnbereiche die Aufgaben bei der Verfestigung von neu Gelerntem teilen und welche Rolle Schlaf dabei spielt. Laut den Forschern werden 2 Regionen unseres Gehirns zur Speicherung von Gedächtnisinhalten verwendet: der Hippocampus und die Großhirnrinde. Während ersterer vor allem kurzfristig zur Aufnahme neuer Infor­mationen benötigt wird, kann letztere große Informationsmengen für lange Zeit spei­chern. 

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In der neuen Studie stellten die Wissenschaftler ihren Probanden eine Lernaufgabe, in der diese sich in 7 Wiederholungen eine Wortliste einprägen sollten. Während sie diese Aufgabe ausführten, wurde ihre Gehirnaktivität in einem Magnetresonanztomografen (MRT) aufgezeichnet. 12 Stunden später wiederholten die Probanden die gleiche Aufgabe mit der bereits gelernten und einer neuen Wortliste. Die Hälfte der Personen hatte in dieser Zeit geschlafen, die andere Hälfte war wach geblieben.

Wiederholtes Üben führte schon innerhalb einer Stunde dazu, dass das Gelernte mithilfe des hinteren Parietallappens abgerufen wurde. Gleichzeitig verringerte sich die Beteili­gung des Hippocampus. „Dieses Muster weist auf eine schnelle Bildung von Gedächt­nisspuren in der Großhirnrinde hin“, erläuterte Schönauer. 

Allerdings blieb der Hippocampus nur dann unbeteiligt, wenn die Probanden nach der ersten Sitzung mehrere Stunden lang schliefen. Blieben sie wach, wurde er auch bei bereits bekannten Wörtern wieder benötigt, ebenso wie bei neuen Wörtern.

„Damit zeigen wir, dass im Schlaf Gedächtnisprozesse ablaufen, die über das reine Wiederholen hinausgehen. Lernwiederholungen können langfristige Gedächtnisspuren anlegen. Ob die Inhalte unabhängig vom Hippocampus dauerhaft gespeichert werden können, hängt jedoch entscheidend von einer Schlafphase ab“, so Himmer. © hil/aerzteblatt.de

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