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Hochschulen

TU Dresden will psychischen Erkrankungen vorbeugen

Dienstag, 7. Mai 2019

/arrowsmith2, stockadobecom

Dresden – Die Technische Universität (TU) Dresden will wachsendem Stress bei Studie­renden und Beschäftigten vorbeugen und arbeitet deshalb mit der AOK Plus an einem Maßnahmenpaket. Das Studium und die Arbeit an der Hochschule sollen so gestaltet werden, dass die Gesundheit nicht leide, teilten TU und AOK Plus mit. Eine ent­sprechen­de Kooperationsvereinbarung haben TU Dresden und AOK Plus heute unter­zeichnet.

Ziel sei es auch, Universitätsmitarbeiter und Studenten in die Lage zu versetzen, erste Symptome für eine psychische Erkrankung selbst zu erkennen und damit eine frühzeitige Behandlung zu ermöglichen. TU-Kanzler Andreas Handschuh verwies auf eine Zunahme psychischer und psychosomatischer Erkrankungen in der Gesellschaft. Als Grund sieht er Faktoren wie Schnelllebigkeit und Leistungsdruck.

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Handschuh glaubt, dass man an Hochschulen durch die geistige Arbeit besonders gefähr­det sei. Manche Studierende seien mit der Organisation ihres Studiums überfordert. „Bei den Mitarbeitern ist es eher das Phänomen, dass sie durch die Digitalisierung ständig erreichbar sind. Sie geraten in ein Hamsterrad und können gar nicht mehr abschalten“, sagte der Kanzler.

Genaue Zahlen zum Ausmaß des Problems gibt es an der TU Dresden nicht. „Das ist mehr eine gefühlte Lage“, sagte Handschuh. Die drei für die psychosoziale Beratung Studieren­der zuständigen Mitarbeiter seien vollkommen ausgelastet: „Die Nachfrage wächst stän­dig.“

Nach Ansicht von Andreas Seidler, Direktor des Institutes und der Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin an der TU Dresden, ist eine starke Zunahme psychischer Erkrankungen wissenschaftlich nicht belegt. Sie spielten heute in der Öffentlichkeit eine größere Rolle, weil sie nicht mehr so stark stigmatisiert werden. Krankheiten, die man früher vielleicht anders diagnostizierte, würden nun dem Bereich psychischer Erkrankungen zugerechnet. Das erschwere eine Aussage darüber, in welchem Umfang sie tatsächlich zunehmen.

„Wissenschaftlich belegbar ist aber der Zusammenhang zwischen psychischen Belastun­gen bei der Arbeit und psychischen Erkrankungen“, sagte Seidler und verwies auf Depres­si­onen oder Burnoutsymptome. Auslöser dafür seien bekannt, zum Beispiel Zeitdruck oder enge Handlungsspielräume. Psychischer Stress könne auch entstehen, wenn hoher Aufwand bei der Arbeit nicht entsprechend gewürdigt werde.

„Hochschulen sind ein Muster für anstehende Veränderungen in der gesamten Gesell­schaft. Das Arbeiten 4.0 und die Digitalisierung sind im Wissenschaftsbetrieb schon sehr ausgeprägt.“ Damit gehe zum Beispiel eine Informationsüberflutung einher, die zu psychi­schen Reaktionen bis hin zu psychischen Erkrankungen führen könne, erklärte Seidler.

Er betonte, dass es darüber hinaus viele prekäre Arbeitsverhältnisse gebe. „All das, was sich in einer immer flexibleren Arbeitswelt zeigt, gibt es an der Uni schon lange“, sagte Seidler. Die damit verbundene Unsicherheit stelle eine große psychische Beanspruchung dar. Das bedeute ein psychisches Erkrankungsrisiko. Möglichkeiten der eigenen Lebens­planung würden so eingeschränkt.

Seidler zufolge ist die Entgrenzung ein wesentlicher psychischer Gefährdungs­faktor. Damit ist gemeint, dass die Grenzen zwischen Beruf oder Studium und Privatleben ver­wischen. Der Direktor verwies auf Untersuchungen, laut denen Studierende 80 Mal oder mehr pro Tag ihr Handy benutzen. Die ständige Erreichbarkeit und Nutzung des Smart­phones werde oft mit einer höheren psychischen Beanspruchung in Verbindung gebracht. © dpa/aerzteblatt.de

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