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Medizin

Neugeborene: Apgar-Score von 9 kann erhöhtes Risiko anzeigen

Mittwoch, 8. Mai 2019

/dpa

Stockholm – Ein Apgar-Score vom 7, 8 oder 9 Punkten, der im klinischen Alltag als unbedenklich gilt, geht auf Bevölkerungsebene mit einem erhöhten Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko für das Neugeborene einher, wie eine Kohortenstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2019; 365: l1656) zeigt.

Die von der US-Medizinerin Virginia Apgar in den 1950er-Jahren entwickelte Skala ist die weltweit am häufigsten angewendete Methode, um den Gesundheitszustand eines Neugeborenen zu beurteilen. Die 5 Kriterien Atmung, Puls, Grundtonus, Aussehen und Reflexe werden nach 1, 5 und 10 Minuten jeweils mit 0 bis 2 Punkten bewertet, was im Idealfall einen Apgar-Score von 10 Punkten ergibt.

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Ein Wert von 7 bis 9 Punkten gilt im klinischen Alltag als unbedenklich. Nach der jetzt von Neda Razaz vom Karolinska-Institut in Stockholm vorgestellten Analyse könnte diese Einschätzung jedoch zu optimistisch sein. Die Epidemiologin hat die Daten von mehr als 1,5 Millionen schwedischen Säuglingen analysiert, die zwischen 1999 und 2016 geboren wurden.

Einen Apgar-Score von 10 Punkten erreichten nach einer Minute nur 11 % der Neugeborenen, nach 5 und 10 Minuten waren es dann jedoch 89 % und 87 %. Kinder, die nach 10 Minuten keinen Apgar-Score von 10 Punkten erreicht hatten, überlebten zwar in den allermeisten Fällen (weil die Neugeborenensterblichkeit in Schweden sehr niedrig ist). Das Sterberisiko war jedoch bei einem Apgar-Score von 9 Punkten um den Faktor 4,8 und bei einem Apgar-Score von 7 Punkten um den Faktor 29,8 signifikant höher als bei einem Apgar-Score von 10 Punkten.

Neugeborene mit einem Apgar-Score von 7, 8 oder 9 hatten ein erhöhtes Risiko auf Infektionen, Atemwegsprobleme, Hirnverletzungen infolge von Sauerstoffmangel und einen zu niedrigen Blutzuckerspiegel im Vergleich zu einem Apgar-Wert von 10.

So war beispielsweise ein einminütiger Apgar-Score von 9 mit einem 1,5-fach höheren Risiko auf Infektionen verbunden. Dies fällt im klinischen Alltag vermutlich nicht auf, da die Inzidenz nur von 0,5 auf 0,8 auf 100 Geburten anstieg.

Ein Apgar-Score von 9 nach 5 Minuten war gegenüber dem Idealwert von 10 Punkten mit einem um das 2,1-fache erhöhten Risiko auf eine Infektion verbunden. Die Inzidenz stieg von 0,7 auf 1,7 Infektionen auf 100 Geburten. Wurde nach 10 Minuten nur ein Apgar-Score von 9 erreicht, war das Infektionsrisiko um den Faktor 3,3 erhöht. Die Inzidenz betrug jetzt 2,9 statt 0,8 Infektionen auf 100 Geburten.

Besonders kritisch ist ein Abfall des Apgar-Scores. Neugeborene, die nach 5 Minuten einen Wert von 10 Punkten erreicht hatten, nach 10 Minuten jedoch auf 9 Punkte zurückgestuft wurden, hatten ein um den Faktor 4,1 erhöhtes Infektionsrisiko. Geburtshelfer sollten sich deshalb laut Razaz niemals mit einem Apgar-Score von 10 nach 5 Minuten zufrieden geben und niemals auf die Untersuchung nach 10 Minuten verzichten. © rme/aerzteblatt.de

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