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Ärzteschaft

Ruf nach besserer medizinischer Versorgung drogenabhängiger Strafgefangener

Mittwoch, 8. Mai 2019

/sakhorn38, stock.adobe.com

Berlin – Die Versorgung von drogenabhängigen Strafgefangenen ist der Initiative „Ge­sund­heit in Haft“ zufolge verbesserungswürdig. In einem Eckpunktepapier „Prison Health is Public Health“ macht sie sechs zentrale Handlungsfelder aus und zeigt Bei­spiele guter Praxis aus einzelnen Bundesländern, Kommunen und aus dem Suchthilfe­system auf.

Zu „Gesundheit in Haft“ gehören Akteure aus Substitutionspraxen, Forschung, wissen­schaftlichen Fachgesellschaften, Patientenorganisationen, Suchtfachverbänden, Sozialar­beit und Justizvollzugsanstalten, unter ihnen der Dachverband Substituierender Ärzte und die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Ner­ven­heilkunde.

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„Auch Deutschland verstößt gegen das international verpflichtende Recht, Menschen in Haft eine gleichwertige Gesundheitsversorgung wie außerhalb der Gefängnismauen an­zu­bieten“, sagte Sylvia Urban vom Vorstand der Deutschen Aidshilfe. Auch Menschen, die Drogen gebrauchten und inhaftiert seien, hätten ein Recht auf den bestmöglichen Ge­sund­­­heitszustand und die Achtung ihrer Menschenrechte, so Urban weiter.

„Hier ist ein gesellschaftliches Problem im Umgang mit einer geächteten Erkrankung in die Haftanstalten verlagert worden“, kritisieren die Gesellschaften in dem Papier. Es bestehe ein Teufelskreis aus Illegalität, Beschaf­fungs­kriminalität, Gefängnis, Freiheit, Rückfall (...) mit erhöhtem Mortalitätsrisiko nach der Haftentlassung.

Konkret fordert die Initiative zunächst die Umsetzung des Äquivalenzprinzips. Danach sollten die medizinischen Leistungen in Haft gleichwertig zu denen der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) in Freiheit sein. Darüber hinaus sprechen sich die Autoren des Papiers für einen disziplinübergreifenden Austausch aus, damit die Potenziale der Substi­tutionstherapie in Haft auf dem Stand des aktuellen Wissens wirksam werden könnten. So könnten Behandlungs- und Resozialisierungserfolge erhöht werden, heißt es.

Die Gruppe spricht sich auch für ein abgestimmtes Verfahren zur Sicherstellung einer nahtlosen Anschlussbe­handlung nach der Haftentlassung aus. Notwendig sei ein Über­gangsmanagement, das helfe, Todesfälle nach Haftentlassung zu verhindern, erläutern die Autoren des Papiers.

Sie wiesen zudem darauf hin, dass die Chancen einer geregelten Substitutionsbehand­lung in Haft vielversprechend sind und genutzt werden sollten. Dazu brauche es vor allem Aufklärung bei allen Beteiligten. Das gelte für die Drogenabhängigen ebenso wie für Mithäftlinge, aber auch Bedienstete der medizinischen und sozialen Dienste sowie der psychosozialen Begleiter. Empfohlen wird auch eine obligatorische Fachkunde Sucht­me­di­zin für alle Ärzte einer Justizvollzugsanstalt.

© hil/aerzteblatt.de

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