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Medizin

Studie: Adipositas nimmt auf dem Land weltweit stärker zu als in Städten

Donnerstag, 9. Mai 2019

/cakko, stockadobecom

London – Entgegen weit verbreiteter Ansichten ist die globale Adipositasepidemie nicht nur ein Problem urbaner Regionen. Nach einer neuen Analyse in Nature (2019; doi: 10.1038/s41586-019-1171-x) hat der Anteil der übergewichtigen und fettleibigen Männer und Frauen in den letzten Jahren in ländlichen Regionen stärker zugenommen als in den Städten.

Die Adipositas galt bisher als städtisches Problem, weil die Bevölkerung infolge „Ultra“-verarbeiteter Nahrungsmittel immer mehr Kalorien zu sich nimmt und aufgrund von fehlender körperlicher Beanspruchung am Arbeitsplatz und in der Freizeit immer weniger Kalorien verbraucht. Hinzu kommt, dass gesunde Nahrungsmittel teurer sind und in den „food deserts“ der ärmeren innerstädtischen Bezirke kaum noch angeboten werden. Auf dem Land müssten die Menschen dagegen körperlich härter arbeiten und die gesunden Nahrungsmittel würden gewissermaßen vor der Haustür wachsen.

Diese Ansicht vom Landleben wurde allerdings von der Wirklichkeit längst überholt. Auch auf dem Lande erledigen Maschinen die anstrengenden Tätigkeiten und die Bevölkerung nutzt Automobile für ihre Fahrten zu den Supermärkten, wo die gleichen adipogenen Nahrungsmittel angeboten werden wie in der Stadt. Die Bevölkerung auf dem Land könnte sogar im Nachteil sein, weil das Bildungsniveau niedriger ist und die Menschen deshalb anfälliger sind für die Nahrungsmittelwerbung in den Medien, die mangels anderer kultureller Alternativen intensiver konsumiert werden als in der Stadt.

Wie auch immer die Erklärungen sein mögen, die jüngste von der „NCD Risk Factor Collaboration“ vorgestellten Zahlen belegen in der Tat, dass sich die Adipositas in ländlichen Regionen schneller ausgebreitet hat.

Das Team um Majid Ezzati vom Imperial College London hat die Entwicklung des Body-Mass-Index (BMI) von 112 Millionen Erwachsenen aus 200 Ländern für den Zeitraum von 1985 bis 2017 analysiert. Während dieser Zeit ist der BMI bei Frauen im Durchschnitt um 2,0 kg/m2 und bei Männern um 2,2 kg/m2 gestiegen. Erwachsene sind heute etwa 5 bis 6 kg schwerer als Gleichaltrige in den 1980er-Jahren.

Mehr als die Hälfte der weltweiten Zunahme der Adipositas ist auf den Anstieg des BMI in ländlichen Gebieten zurückzuführen. In einigen Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen waren ländliche Gebiete nach den Berechnungen von Ezzati sogar für mehr als 80 % des Anstiegs verantwortlich.

In ländlichen Regionen ist der durchschnittliche BMI seit 1985 bei Frauen und Männern um 2,1 kg/m2 gestiegen. In den Städten betrug der Anstieg bei Frauen 1,3 kg/m2 und bei Männern 1,6 kg/m2.

In Nordamerika und Europa hat die ländliche Bevölkerung heute einen höheren BMI als die städtische. In Südamerika, Afrika, Südasien und Ozeanien ist es umgekehrt. Dort liegt ist der BMI der städtischen Bevölkerung teilweise um mehr als 3,25 kg/m2 höher als der BMI der ländlichen Bevölkerung. © rme/aerzteblatt.de

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