NewsÄrzteschaftÄrzte erneuern Kritik an Reform der Psychotherapeuten­ausbildung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Ärzte erneuern Kritik an Reform der Psychotherapeuten­ausbildung

Donnerstag, 9. Mai 2019

/dpa

Berlin – Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) sowie zahlreiche ärztliche Berufsverbände und Fachgesellschaften haben angesichts der heutigen ersten Lesung im Bundestag zur Re­form der Psychotherapeuten­ausbildung, die für heute Abend 21 Uhr angesetzt ist, ihre Kritik erneuert.

Das Bundeskabinett hatte dem Entwurf eines Gesetzes zur Reform der Psy­cho­thera­peu­ten­­aus­bildung aus dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) bereits Ende Februar zuge­stimmt. Mit der Gesetzesnovelle soll die Ausbildung der derzeitigen Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten novelliert werden.

Anzeige

Künftig soll die Approbation nach einem fünfjährigen Universitätsstudium der Psychothe­rapie erteilt werden. Für den Zugang zur gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) ist eine an­schließende Weiterbildung notwendig, in der die Fachkunde in einem wissenschaftlich anerkannten Verfahren erworben sowie Schwerpunkte in der Behandlung von Erwachse­nen beziehungsweise Kinder- und Jugendlichen gesetzt werden. Erst dann soll der Ein­trag ins Arztregister erfolgen dürfen, der Voraussetzung für die Zulassung zur vertrags­ärztlichen Versorgung.

Die Ärzte riefen heute die Parlamentarier gemeinsame dazu auf, Korrekturen an den bisherigen Plänen vorzunehmen. So seien etwa in Paragraf 7 Absatz 2 als Ziele des neuen Studien­ganges unter anderem die „Feststellung, Erhaltung, Förderung oder Wiedererlan­gung der physischen Gesundheit“ benannt. „Feststellung oder Wiedererlangung“ der physischen Gesundheit von Patientinnen und Patienten (Paragraf 7 Absatz 2) müsse aus den Zielen gestrichen werden, da ursächlich behandelbare somatische Erkrankungen mit psychi­schen Folgestö­run­gen im Interesse der Patienten ärztlich diagnostiziert und angemessen therapiert werden müssten, schreiben BÄK und die Verbände.

Sie mahnen auch an, dass die Berufsbezeichnung von Heilberufen klar aufzeigen müsse, welcher Grundberuf erlernt worden sei und worin die zusätzlichen Kompetenzen bestün­den. „Die gewählte Lösung (Paragraf 1 Absatz 1) erfüllt dies nicht, weil für Patienten nicht erkenn­bar wäre, welche fachliche Qualifikation ein zukünftiger „Psychotherapeut“ im Vergleich zu den bisherigen „Psychologischen Psychotherapeuten“ oder auch „ärztlichen Psychothe­ra­peuten“ mitbringt“, heißt es. Man schlage deshalb vor, in allen Gesetzen – auch im So­zialgesetzbuch fünf – einheitlich die Berufsbezeichnung „Psychologischer Psychothe­rapeut“ zu verwenden.

Die Verbände hinter den Positionen

Die ärztlichen Kernpositionen zum Gesetzentwurf haben der Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, der Berufsverband der Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, der Berufsverband Deutscher Nervenärzte, der Berufsverband Deutscher Psychiater, die Bundes­ärzte­kammer, die Bundesdirektoren­konferenz – Verband leitender Ärztinnen und Ärzte der Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie, die ChefärzteInnen der Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie an Allgemeinkrankenhäusern, die Deutsche Ärztliche Gesellschaft für Verhaltenstherapie, die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie, die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde, die Gemeinschaft fachärztlicher Berufsverbände (GfB), Lehrstuhlinhaber für Psychiatrie und Psychotherapie und der Spitzenverband ZNS (SpiZ) unterzeichnet.

Die Ärzteverbände weisen darüber hinaus darauf hin, dass Gutachten zu sozialrechtlichen Fragestellungen der Arbeits-, Berufs-, und Erwerbsfähigkeit bei psychischen Störungen den klinischen Erfahrungshintergrund von Krankheitsverläufen voraussetzten (Paragraf 3 Absatz 5). Gutachterliche Aufgaben könnten deshalb nur von Postgraduierten mit entsprechender klinischer Weiterbildung kompetent erbracht werden. „Aus diesem Grund ist Absatz 3 Satz 5 ersatzlos zu streichen“, schreiben BÄK und ärztliche Verbände.

Als unzureichend bezeichnen die Verbände die deklaratorische Regelung zum Wissen­schaftlichen Beirat Psychotherapie (Paragraf 8). Wenn in der Versorgung von Menschen mit psy­chischen Erkrankungen nur wissenschaftlich begründete Therapieverfahren und -metho­den angewendet werden sollten – und die Prüfung auch neuer Verfahren und Methoden dem Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie übertragen werden solle – dann sei eine eindeutige gesetzliche Verankerung dieses Gremiums zwingend, heißt es.

Kritik üben die Ärzte daran, dass die neue Berufsgruppe anders als Medizinstudierende kein Praktisches Jahr durchlaufen soll, in dem klinische Fähigkeiten vor Erteilung der Approbation unter Supervision geübt und vertieft werden (Paragraf 9 Absatz 9). Die Erlaubnis zur selbstständigen Ausübung von Heilkunde, und damit zum Beispiel zur Behandlung von selbstzahlenden Patienten, sollte nicht auf dieser Basis erteilt werden, monieren die Ärzte. Vor Erteilung einer Approbation sollte, in Analogie zu den Voraus­setzungen der ärztlichen Approbation, ein zwölfmonatiges klinisches Praktikum (Praktisches Jahr) ver­pflichtend sein, um die entsprechenden Techniken klinisch tätig zu erlernen.

Sie fordern auch, dass die staatliche Prüfung als Voraussetzung für den Zugang zum akademischen Heilberuf zusätzlich eine standardisierte und zentralisierte schriftliche Prüfung (schriftliches Staatsexamen) zur Wissensabfrage enthalten muss (Paragraf 10 Absatz 4). Ziel müsse ein bundesweit einheitlicher Kenntnisstand sein, der im Interesse der Patien­tenversorgung eine einheitliche hohe Qualifikation ermögliche, so die Mediziner. Eine staatliche Prüfung, die aus einer schriftlichen und praktischen Prüfung bestehe, sollte zudem vorgesehen werden, um auch Regelungen zur Anerkennung und Zulassung von Bewerberinnen und Bewerbern aus Nicht-EU-Ländern zu standardisieren.

Zustimmung, aber auch Kritik zum Gesetzentwurf kamen heute von der Bundespsycho­therapeu­ten­kammer (BPtK). Die Reform schaffe eine moderne Ausbildung, sagte BPtK-Präsient Dietrich Munz. Der Gesetzentwurf beende den bestehenden Sonderweg der bisherigen Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung und schafft eine, wie bei den anderen akade­mischen Heilberufen, bewährte Struktur eines Approbationsstudiums mit anschließender Weiterbildung.

Er betonte allerdings, dass die Kosten für die spezifischen psychotherapeutischen Inhalte der Weiterbildung bisher finanziell nicht ausreichend gedeckt sind. Ohne zusätzliche finanzielle Förderung der ambulanten Weiterbildung bleibe die Reform halb­herzig, so Munz. © may/EB/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER