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Medizin

Erste Zwischenauswertung zu medizinischem Cannabis vorgestellt

Donnerstag, 9. Mai 2019

Verordnung von medizinischem Cannabis wird dokumentiert. /Africa Studio, stock.adobe.com
/Africa Studio, stock.adobe.com

Leipzig – Vor allem Schmerzpatienten im Alter von 50 bis 59 Jahren erhalten seit Inkraft­treten des Gesetzes zur „Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften“ im Jahr 2017 medizinisches Cannabis auf Rezept. Am häufigsten verschreiben Anästhesis­ten das Arzneimittel. Das zeigen die Daten einer ersten Zwischenauswertung der Begleit­erhebung, die Peter Cremer-Schaeffer vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizin­produkte (BfArM) heute in Leipzig beim Deutschen Anästhesistenkongress vorgestellt hat.

Die Diagnose Schmerz war in etwa 69 % der übermittelten Datensätze Grund für die Be­handlung (Stand: 26.03.19; n=4.774). Mit einer Spastik begründeten etwa 11 % der Ärzte die Verordnung, eine Anorexie/Wasting lieferte in 8 % die Begründung einer Verschrei­bung. Übelkeit und Erbrechen, sowie Depressionen oder ADHS erreichten einen Verord­nungsanteil von weniger als 5 %. Insgesamt zeigen die bisherigen Erkenntnisse laut BfArM weitestgehend erwartbare Resultate.

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Mit mehr als 3.000 Fällen stellte Cremer-Schaeffer zur Symptomatik Schmerz eine erste Übersicht, insbesondere zu Alter und Geschlecht, Erkrankungsdauer und Nebenwirkungen vor. Dem­nach erhalten Männer und Frauen zu gleichen Teilen medizinisches Cannabis. 

Klare Unterschiede werden beim Alter erkennbar: Von den 3.138 Schmerzpatienten ist etwa ein Viertel im Alter zwischen 50 und 59, gute 15 % sind 40 bis 49 Jahre alt oder aber 60 bis 79 Jahre alt. Fast 1.000 mit Cannabis behandelte Patienten leiden bereits 12 Jahre und länger an Schmerzen, bei gut 700 Schmerzpatienten war die Symptomatik bereits 4 bis 6 Jahre präsent.

Mit Abstand am Häufigsten entschieden sich Ärzte für das Cannabisarzneimittel Drona­binol (2.017 von 3.138). Cannabisblüten verschrieben Ärzte 656 Schmerzpatienten, das Cannabis-Mundspray Sativex wurde bis zum 11.3.2019 fast 400 Schmerzpatienten ver­ordnet.

Cannabis wirkt nicht immer

Im Rahmen der Begleiterhebung dokumentiert das BfArM auch Nebenwirkungen. Hier nannte Cremer-Schaeffer an erster Stelle Müdigkeit. Davon waren etwa 16 % der Patien­ten betroffen. Über Schwindel klagten 12 %, über Übelkeit, Schläfrigkeit, Aufmerksam­keitsstörungen, Mundtrockenheit und Appetitsteigerung berichteten je 5 bis 7 % der Patien­ten.

Mehr als ein Drittel (37,57 Prozent) der 3.138 Schmerzpatienten hat die Therapie vor Ablauf eines Jahres wieder abgebro­chen. Fast jeder zweite Therapieabbrecher tat dies, weil die Wirkung nicht ausreichte. 31 % beendeten die Therapie mit medizinischem Cannabis aufgrund der Nebenwirkungen.

Die Abbruchrate könne zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht bewertet werden, teilt das BfArM auf Anfrage mit. Denn im ersten Jahr nach Beginn der Begleiterhebung mussten Ärzte ausschließlich Daten von Patienten melden, die die Therapie mit Cannabisarzneimitteln abgebrochen haben. Erst seit März 2018 würden auch Datensätze von Patienten übermittelt, die eine Therapiedauer von einem Jahr erreicht hätten, erklärt das BfArM.

Des Weiteren konnte die Zwischenbilanz zeigen, welche Facharztgruppen medizinisches Cannabis verschreiben. An erster Stelle stehen Anästhesisten (50,6 %). Allgemeinmedizi­ner folgten an zweiter Stelle mit knapp 20 %, Neurologen und Internisten mit jeweils 11 % beziehungsweise 10 %.

Weitere Daten würden voraussichtlich im Juli 2019 im Bundesgesundheitsblatt veröffent­licht, teilt das BfArM mit. Eine differenziertere Auswertung erhofft sich das Bundesinsti­tut nach Abschluss der Begleiterhebung, die noch bis zum Jahr 2022 fortgeführt wird. Denn der Datenumfang der Begleiterhebung nach § 1 CanBV umfasst darüber hinaus auch Angaben zu vorherigen Therapien, Dosierungen und Auswirkungen auf den Symp­tomverlauf. © gie/aerzteblatt.de

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