NewsAuslandZögerlicher EU-Klimaschutz trifft auf scharfe Kritik
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Zögerlicher EU-Klimaschutz trifft auf scharfe Kritik

Freitag, 10. Mai 2019

Die Staatschefs der Europäischen Union nehmen an einem Runden Tisch auf dem EU-Gipfel in Sibiu, Rumänien, teil. /dpa

Sibiu/Berlin – Die zögerliche Haltung Deutschlands und anderer EU-Staaten beim Klima­schutz trifft auf scharfe Kritik. Nach dem EU-Gipfel in Sibiu warf das Umweltbündnis Climate Action Network den Staats- und Regierungschefs vor, die Sorgen der Bürger vor dem Klimawandel zu ignorieren. „Vor allem Deutschland, das einmal ein Klimavorreiter war, verschließt die Augen vor dem Klimanotstand“, erklärte Verbandsexperte Wendel Trio. Ähnliche Kritik kam von Greenpeace und den Grünen. Der dringende Appell der jungen Generation sei auf taube Ohren gestoßen, erklärte Grünen-Spitzenkandidatin Ska Keller.

Auf dem Gipfel hatten Frankreich und acht weitere Länder versucht, Unterstützung für ehrgeizige neue Klimaziele zu finden. Bis 2050 soll die EU demnach keine Klimagase mehr in die Atmosphäre blasen. Vertreter der „Friday for Futures“-Bewegung überreichten dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und anderen Gipfelteilnehmern in Sibiu einen offenen Brief mit ihren Forderungen. Rund 100 Demonstranten waren in die rumänische Stadt gereist.

Anzeige

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßte die französische Initiative zwar, schloss sich aber nicht an. Grund sei, dass die deutschen Klimaziele bis 2050 von der Zielsetzung der anderen Länder abwichen.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) plädierte indes dafür, dass sich Deutschland dieser Initiative ganz anschließt. „Wenn wir in Europa über ambitioniertere Klimaschutzziele diskutieren, darf Deutschlands Platz nicht bei den Bremsern sein, sondern an der Seite derjenigen, die aufs Tempo drücken. Das sind wir den nachfolgenden Generationen schuldig“, sagte er.

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker mahnte in Sibiu unverzügliches Handeln an. Er begrüße den französischen Vorstoß zwar und stimme mit seinem Ziel überein. Die EU habe sich jedoch bereits ein Ziel für 2030 gesetzt. Die Europäer sollten sich auf unver­zügliche und dringende Maßnahmen konzentrieren, sagte Juncker. Man dürfe nicht ver­suchen, vor der eigenen Verantwortung durch spätere Ziele davonzulaufen.

Bislang hat die EU international zugesagt, bis 2030 mindestens 40 Prozent weniger Treibhausgase in die Luft zu blasen als 1990. Nach der Europawahl soll eine langfristige Strategie bis Mitte des Jahrhunderts beschlossen werden. Auch die EU-Kommission hatte vorgeschlagen, dass die EU bis 2050 „klimaneutral“ wird – dasselbe Ziel wie Macron. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

9. Juli 2020
Berlin – Ein wissenschaftliches Beratergremium der Bundesregierung hat deren eher kurzfristig ausgerichtetes Konjunkturpaket in der Coronakrise als klimapolitisch ungenügend kritisiert. Die durch das
Regierungsberater kritisieren Konjunkturpaket mit Blick auf den Klimaschutz
8. Juli 2020
Brüssel – Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Abgeordneten des EU-Parlaments heute in Brüssel die Ziele der deutschen EU-Ratspräsidentschaft präsentiert. Sie betonte, Europa stehe vor
EU-Ratspräsidentschaft: Merkel stellt Pläne im EU-Parlament vor
7. Juli 2020
Brüssel – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat bei einer Anhörung vor dem Gesundheitsausschuss im Europäischen Parlament für das Programm der deutschen EU-Ratspräsidentschaft geworben. „Wir
Spahn will „Umsetzungspräsidentschaft“, keine „Ankündigungspräsidentschaft“
7. Juli 2020
Moskau – Klimaforscher sind besorgt wegen der in Sibirien und im äußerten Osten Russlands wütenden Waldbrände und Rekordtemperaturen. Allein im Juni hätten die Brände geschätzt 59 Megatonnen
Forscher besorgt wegen Bränden und Temperaturrekorden in Sibirien
6. Juli 2020
Frankfurt am Main – Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) hat an die Europäische Union (EU) appelliert, als Lehre aus der Pandemie ihre Abhängigkeit von globalen Lieferketten zu reduzieren. Die
Globale Lieferketten: Schäuble sieht EU in der Pflicht
3. Juli 2020
Berlin – Die Bundesländer haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über die Parteigrenzen hinweg breite Unterstützung bei der deutschen EU-Ratspräsidentschaft zugesagt – gerade im Kampf gegen die
Länder sagen Merkel Unterstützung bei EU-Ratspräsidentschaft zu
3. Juli 2020
Berlin – Die Europäische Union (EU) will künftig Arzneimittelengpässen besser vorbeugen. Noch während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft wollen die EU-Kommission und das EU-Parlament dafür jeweils
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER