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Medizin

Krebs: Ganzkörper-MRT im Staging schneller und kostengünstiger

Montag, 13. Mai 2019

/crevis, stockadobecom

London – Eine Ganzkörper-Magnetresonanztomografie (GK-MRT) kann das Staging von Krebspatienten vereinfachen. Sie führte bei Lungen- und Darmkrebspatienten in 2 Vergleichsstudien in Lancet Respiratory Medicine (2019; doi: 10.1016/S2213-2600(19)30090-6) und Lancet Gastroenterology & Hepatology (2019; doi: 10.1016/S2468-1253(19)30056-1) schneller zu einem Ergebnis und war bei gleicher Genauigkeit am Ende sogar kostengünstiger als das konventionelle Vorgehen.

Eine Ganzkörper-Magnetresonanztomografie (GK-MRT) hat den Ruf, zeitaufwendig und teuer zu sein. Die Kosten für die Aufnahmen sind jedoch in den letzten Jahren gesunken und ein Scan vom Scheitel bis zu den Oberschenkeln dauert mit modernen Geräten nur noch eine Stunde.  Bei vielen Tumoren kann bei der Metastasensuche auf die Extremitäten verzichtet werden. Die Streamlinestudie hat deshalb bei 2 häufigen Krebsleiden die alleiniger GK-MRT mit dem jeweils konventionellen Staging verglichen, das meist aus der Kombination von Computertomografie, Positronen-Emissions-Tomografie und der Magnetresonanz­tomografie bestimmter Körperregionen besteht.

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An der Studie zum nichtkleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) nahmen 187 Patienten teil, bei denen im Thorax-CT ein resektabler Tumor (Stadium IIIb oder weniger) diagnostiziert waren war. Das Staging diente dazu, die Möglichkeit einer potenziell kurablen Operation zu erkunden. An der Studie zum Darmkrebsstaging nahmen 299 Patienten teil. Auch hier ging es darum, Informationen für die Therapieplanung zu sammeln.

Die Studien wurden an jeweils 16 Kliniken der Normalversorgung durchgeführt, wobei 8 Kliniken der Darmkrebsstudie und 11 Kliniken der Lungenkrebsstudie über kein eigenes MRT-Gerät verfügten und die Patienten zum Scannen in eine andere Einrichtung überweisen mussten.

In beiden Studien wurde bei allen Patienten eine GK-MRT durchgeführt. Die Ergebnisse wurden allerdings so lange zurückgehalten, bis die Befunde des konventionellen Stagings vorlagen. Primärer Endpunkt war die Sensitivität der beiden Strategien bei der Metastasensuche, wobei als Vergleich die Situation des Patienten nach 12 Monaten herangezogen wurde.

In der Lungenkrebsstudie erkannt die GK-MRT 50 der Patienten mit Metastasen (95-%-Konfidenzintervall 37 bis 63 %). Unter dem konventionellen Staging waren es 54 (41 bis 67 %). Der Unterschied von 4 Prozentpunkten (-7 bis 15 Prozentpunkte) war nach den Berechnungen des Teams um Stuart Taylor vom University College London nicht signifikant.

In der Darmkrebsstudie betrug die Sensitivität für das GK-MRT 67 (56 bis 78 %) und für das Standardvorgehen 63 (51 bis 74 %). Auch hier war der Unterschied von 4 Prozent­punkten (-5 bis 13 Prozentpunkte) nicht signifikant.

In der Spezifität gab es in den beiden Studien keinen Unterschiede zwischen den beiden Verfahren. Es wurden also mit der GK-MRT nicht häufiger Metastasen gesehen, die sich später als Fehldiagnose herausstellten.

Obwohl in beiden Studien viele Patienten für das GK-MRT in eine andere Einrichtung geschickt werden mussten, lagen die Ergebnisse früher vor. In der Lungenkrebsstudie war dies nach 13 Tagen (12 bis 14 Tage) der Fall gegenüber 19 Tagen (17 bis 21 Tage) nach dem Standardvorgehen. In der Darmkrebsstudie dauerte das Staging mit GK-MRT durchschnitt­lich 8 Tage (6 bis 9 Tage) gegenüber 13 Tagen (11 bis 15 Tage) beim Standardvorgehen.

Weniger Tests bedeuten weniger Kosten. In der Lungenkrebsstudie lagen die durchschnitt­lichen Kosten pro Patient bei 317 Pfund (273 bis 361 Pfund) für die GK-MRT gegenüber 620 Pfund (574 bis 666 Pfund) nach dem Standardvorgehen. In der Darmkrebsstudie waren es 216 Pfund (211 bis 221 Pfund) statt 285 Pfund (260 bis 310 Pfund).

Die Ergebnisse sprechen deshalb für den großzügigeren Einsatz der GK-MRT, die übrigens auch von den Patienten befürwortet wurde. © rme/aerzteblatt.de

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