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Politik

Kein Ärztemangel, sondern eine Fehlsteuerung

Montag, 13. Mai 2019

/dpa

Berlin – Eine Fehlsteuerung bei der ärztlichen Versorgung, aber keinen generellen Ärzte­mangel sieht der FDP-Gesundheitspolitiker Andrew Ullmann. „Der Ärztemangel ist ein Märchen. Heute haben wir so viele berufstätige Ärztinnen und Ärzte wie nie zuvor“, sagte der Obmann der FDP-Bundestagsfraktion im Gesundheitsausschuss. Es gebe 140.000 Ärzte mehr als noch im Jahr 1992 und die Zahl würde stetig steigen.

Ullmann bezieht sich bei seiner Stellungnahme auf die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion zur ärztlichen Versorgung. Diese zeigt Ullmann zufolge eine Fehlsteuerung. Verantwortlich dafür sei im Wesentlichen die Struktur der Krankenhausversorgung.

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„Wir haben im Vergleich zu anderen Staaten zu viele Krankenhausbetten in zu vielen kleinen Krankenhäusern. Viele Krankenhausfälle sind vermeidbar – das bestätigt auch die Bundesregierung. Wir könnten und sollten also viel mehr ambulant machen“, sagte Ull­mann. Diese Überversorgung mit Krankenhausbetten binde ärztliche Kräfte. Ullmann fordert daher eine „grundlegende Reform“ der Krankenhausversorgungsstruktur und der Krankenhaus­finanzierung. 

Der FDP-Politiker sieht auch, dass es immer schwieriger wird, Ärzte für ländliche Regio­nen zu gewinnen – das bedeute aber nicht, dass mehr Ärzte ausgebildet werden müsst­en. „Statt sich selbst auszubeuten, versuchen gerade junge Ärztinnen und Ärzte, Arbeit und Privatleben, Beruf und Familie optimal zusammenzubringen. Darauf muss sich die Politik einstellen“, sagte er.

Gerade Kommunen in den ländlichen Bereichen, aber auch die Landesregierungen sollten diese Lebensrealität zur Kenntnis nehmen, wenn sie Ärzte für die Fläche gewinnen woll­ten. Statt Geld in neue Medizinstudienplätze zu stecken, sollten die Länder das Geld in die Attraktivität der ländlichen Regionen investieren, beispielsweise in die Kinderbe­treu­ung und öffentliche Infrastruktur. „Dann werden sich auch junge Ärztinnen und Ärzte dort wieder niederlassen“, so Ullmann. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #104741
urgestein
am Dienstag, 14. Mai 2019, 14:50

Wieder ein Politiker, der nicht rechnen kann

Wann hat der ehrenwerte Kollege zum letzten Mal mit Klinikchefs über die ärztliche Bewerberlage gesprochen? Vor 25 Jahren?
Es wurde hier schon mehrfach angemerkt, aber man kann es nicht oft genug sagen: Der Ärztemangel kommt voa llem durch eine verminderte Arbeitszeit pro Arzt zustande i.Vgl. zu den "glorreichen Zeiten", in denen Herr Ullmann als Assistenzarzt arbeiten musste. Damals möglicherweise erstmal mit 1/2 Jahr kostenlose "Gastarztstelle", wie das in den 80er Jahren ja beliebt war. Seitdem wurde das Arbeitszeitgesetz einfgeführt mit entsprechender erheblicher Reduzierung der Wochenarbeitszeit und immer mehr KollegInnen haben eine Teilzeitstelle (zu Herrn Ullmanns Assistenzzeiten sicherlich undenkbar). And that's it! Herr Ullmann sollte erstmal nachdenken und dann quatschen.
Mit den vielen Krankenhausbetten hat er allerdings recht, aber mehr ambulante Betreuung spart keine Ärzte. Und der Vergleich mit anderen Ländern hinkt, da (z.B. in den USA), wo es weniger Ärzte pro Patient gibt, viele ärztliche Tätigkeiten durch andere Personen (Pflege) durchgeführt werden. Aber dafür gibt es in Deutschland auch kein Personal.
Aber auch unsinnige Statements machen Sinn, da man damit immerhin in die Schlagzeilen kommt. Da die FDP ja überdurchschnittlich häufig von Ärzten gewählt wird, sollten die mal darüber nachdenken, ob das wirklich die Partei ist, die ihre Interessen vertritt.
Avatar #748169
Leerstelle
am Dienstag, 14. Mai 2019, 14:34

Es mangelt an Ärztinnen und Ärzten und nicht nur auf dem Land!

Sehr geehrter Herr Ullmann, Ihre Aussagen treffen nicht zu. Wir haben zwar nominell mehr Ärztinnen und Ärzte, aber vor allem Ärztinnen, die nur mit halber Arbeitskraft zur Verfügung stehen. Die daraus resultierende Quasi-Halbierung der Arbeitkräfte im Vergleich zur Situation vor 10-15 Jahren, führt sogar in einer attraktiven hessischen Universitätsstadt wie Gießen zu einem Mangel an Niederlassungswilligen Kolleginnen und Kollegen haben und selbst die Uniklinik große Probleme hat, offene stellen zu besetzen. Ich weiß aus dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, dass es in vielen hessischen Städten ähnlich ist, vermutlich auch im rest der Bundesrepublik, insbesondere im Nicht-Speckgürtel. Da hilft nur mehr Nachwuchs! Bitte stehen Sie dem nicht im Wege!!!
Avatar #661708
Haiko
am Dienstag, 14. Mai 2019, 00:41

Metoo ist die Ursache, worüber niemand aus moralischen, gesellschaftlichen Gründen sprechen darf

Bin drei alten Hasen gefolgt. Um die Leistung der alten Generation zu erbringen, braucht es heute drei Ärzte! Warum? Weil durch 150% Präsenz damals als Einzelverdiener und Ernährer mehr Effektivität und Compliance war. Und die Praxis hatte man im Eigenheim ohne Mietkosten und in dem die Frau das Personal ersetzte und die Bürokratie übernahm. Und die Frau hielt gegenüber der Bevölkerung einem den Rücken frei, was die Compliance erhöhte und erzog den Nachfolger (Sohn).
Avatar #550935
Dr. med. Armin Conradt
am Montag, 13. Mai 2019, 22:48

"Gesundheitspolitiker?"

Herr Ullman soll Gesundheitspolitiker sein?
Ich arbeite selbst seit Jahren im Bundesfachausschuss einer deutschen Partei. Keiner meiner Kollegen einschließlich mir würde eine derart unqualifizierte Stellungnahme veröffentlichen.
Herrn Ullmanns Vorschläge zur Schließung kleiner Krankenhäuser sind weder politisch durchsetzbar, noch bringen sie Ärzte in die Niederlassung.
Zweitens: Selbstverständlich muss, um Ärzte aufs Land zu bringen, die Attraktivität desjenigen gesteigert werden. Bloß, woher die Milliarden nehmen? Und was bringt das?
Herr Ullmann sollte als Politiker in der Realität stehen.
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Montag, 13. Mai 2019, 20:54

Ambulante Versorgung: Ärztemangel offensichtlich!

Ich kann hier nur aus eigener Erfahrung vom offensichtlichen Ärztemangel trotz ansteigender Arztzahlen in der ambulanten Versorgung berichten:

1990 ambulant tätige Ärzte/-innen: 92.289

2018 ambulant tätige Ärzte/-innen: 157.288

Das bedeutet in 29 Jahren (Startjahr 1990 zählt mit) einen jährlichen Zuwachs von 2.241 Humanmedizinern in der gesamten ambulanten haus-, familien- und fachärztlichen Versorgung, was mit deren Ansprüchen an ihre "work-life-balance", dem demografischen Faktor, medizinischem Fortschritt, diagnostischer und therapeutischer Vielfalt bzw. gestiegenen Versorgungs-Qualitäts- und Machbarkeits-Ansprüchen zu erklären ist.

Vertraut man der inzwischen weiter zunehmenden Zahl von 39.816 angestellten Ärzten, davon immer mehr Frauen in Teilzeitbeschäftigung, relativiert sich dieser Zuwachs auf 157.288 registrierte ambulant tätige Ärzte/-innen ganz erheblich.

Der versorgungsstatische Ärztemangel wird auch konkret und anschaulich:
Versuchen Sie einen kardiologischen, nephrologischen, neurologischen, endokrinologischen, pneumologischen oder rheumatologischen Termin bei einem GKV-Vertragsarzt in Deutschland zu bekommen? Es sei denn, sie sind Klinik-Infektiologe, heißen Prof. Dr. med. Andrew Ullmann und sind als FDP-Gesundheitspolitiker und Obmann der FDP-Bundestagsfraktion im Gesundheitsausschuss unterwegs.

Haus- und familienärztliche Allgemein- bzw. Facharzt-Medizin bedeuten mehr als nur die Praxistüren offenzuhalten:

Die Mindestzahl der Sprechstunden in vertragsärztlichen Vollzeit-Praxen für Kassenpatienten, wie mit dem Terminservice- und Versorgungsgebiet (TSVG) geschehen, von 20 Stunden auf 25 Stunden pro Woche erhöhen zu wollen, ist zumindest im haus- und familienärztlichen Bereich (Allgemeinmedizin, hausärztliche Internisten, Pädiater, Gynäkologen) reine Fiktion: Insbesondere in Zeiten von Influenza-Häufung und massenweisen Atemwegserkrankungen zusätzlich zur Basisversorgung bei allen Organ-, Psycho- und Systemkrankheiten endet mit der Sprechstunde nicht die Arbeit am Patienten.

Bei Inanspruchnahme von 20-25 Stunden offizieller "Kassen-Sprechstunde" ist regelmäßig von 25-30 Stunden Inanspruchnahme auszugehen.

Die oft aufgehetzte Kommunikation über ärztliche Arbeits-Aufgaben und -Zeiten in Bundes-, Landes- und Regional-Politik, Medien, Öffentlichkeit und Sozialversicherungs-Bürokratie gipfelt z. B. in der Unterstellung, wer als niedergelassener Vertragsarzt für sich eine 50-Stunden-Woche reklamiert, solle doch gefälligst wesentlich längere offene Sprechstunden anbieten können. Dieses Ansinnen kommt zumeist von Leuten, die nicht ein einziges Mal hinter den Anmeldetresen geschaut, Mitarbeiter/-innen oder Familienangehörige befragt oder bei ihrem "Hausarzt" hospitiert haben.

Bei 20-25 Wochen-Stunden reiner Sprechstunden-Zeit, mit Vorlauf und Nachlauf also 25-30h, kommen hinzu:

1. Fahrt-/Rüstzeiten/Logistik/Organisation/Bereitschaft 5h
2. EDV-Einrichtung, Verwaltung, Datenpflege, Dokumentation, Abrechnung 5h
3. Fort- und Weiterbildung, Fachliteratur, Recherchen 5h
4. Fahrtzeiten Haus-/Heim-/Palliativ-Besuche/Notdienste/Verweilen 5h
5. Medizin-ferne Anfragen/Gutachten/Bescheinigung/Bürokratie 5h

So kommt man bei einer reinen GKV-Sprechstunden-Zeit von 20 Stunden auf die empirisch bereits mehrfach belegte durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 45 Stunden plus weitere 10 Stunden für zusätzliche, rein privatärztliche Tätigkeit bei den in der ambulanten Krankenversorgung tätigen Vertragsärztinnen und -ärzten.

Von 20 auf 25 Wochenstunden zu erhöhen, entspricht einer Steigerung um 25 Prozent: Damit läge die GKV-Wochenarbeitszeit bei gut 55 Stunden plus 10 Stunden privatärztliche Tätigkeit.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (über 30 Wochenstunden reine Sprechzeiten seit 1992 und oft zusätzliche Hausbesuchs- und Fortbildungszeiten)

P.S. Haben auch Sie von denen gehört, die ohne Termin eine volle Haus- und Familien-Arztpraxis mit den Worten betreten: "Wie lange dauert das denn hier?" Meine MFA (med. Fachangestellte) weiß davon mehrfach ein Lied zu singen.
LNS

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