NewsPolitikKrankenhaus­direktoren kritisieren Pflegepersonal­untergrenzen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Krankenhaus­direktoren kritisieren Pflegepersonal­untergrenzen

Montag, 13. Mai 2019

/upixa, stockadobecom

Berlin – Der Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD), Josef Düllings, hat die Einführung der seit Jahresbeginn in verschiedenen Abteilungen geltenden Pflegepersonaluntergrenzen kritisiert. „Die Untergrenzen sind gut gemeint, aber sie vergrößern die Probleme vor Ort derzeit noch“, sagte Düllings kürzlich auf der VKD-Jahrestagung in Berlin.

„Man sollte über Alternativen nachdenken, zum Beispiel den Ganzhausansatz, den auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft befürwortet.“ Bei einem Ganzhausansatz müssten Krankenhäuser eine bestimmte Anzahl von Pflegekräften nachweisen, die im gesamten Krankenhaus arbeiten – aber nicht in einer bestimmten Abteilung.

Anzeige

Derzeit gelten die Untergrenzen in den Abteilungen Intensivmedizin, Kardiologie, Unfall­chirurgie und Geriatrie. In der Geriatrie und in der Unfallchirurgie darf eine Pflegekraft am Tag zum Beispiel nicht mehr als zehn Patienten versorgen und in der Nacht nicht mehr als 20.  

Probleme in der Intensivmedizin

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) erklärte, er wolle zunächst einmal Erfah­rungen mit den Pflegepersonaluntergrenzen sammeln. In diesem Zusammenhang setze auch bei den Gewerkschaften derzeit ein Denkprozess ein, meinte Spahn. Die Gewerk­schaft Verdi hatte bei der Einführung der Grenzwerte einen anderen Verteilungs­schlüssel gefordert: mehr Pflegekräfte pro Patient.

Wenn die Grenzwerte zu hoch seien, würden die Pflegekräfte zusätzlich unter Druck ge­setzt, meinte der Minister. Das hänge auch vom Pflegemangel in der Region ab, in der ein Krankenhaus steht. Spahn gab ein Beispiel: „Ich war vor Kurzem in verschiedenen Kran­ken­häusern in Sachsen. In Dresden wurde ich von den Gewerkschaftsmitgliedern dafür kritisiert, dass die Grenzwerte zu niedrig seien. Und in Bautzen wurde ich kritisiert, dass sie zu hoch seien. Das zeigt, in welchem Spannungsfeld wir uns befinden.“

Probleme gebe es durch die Untergrenzen vor allem in der Intensivmedizin. In der Kar­diologie gebe es durch die Untergrenzen vielleicht weniger Herzkatheterunter­suchungen.

„Da bin ich gar nicht böse“, so der Minister. In der Intensivmedizin könne es jedoch passie­ren, dass ein Notfallpatient 50 Kilometer weiter ins Krankenhaus gefahren werden müsse, weil in dem zunächst angefahrenen Krankenhaus infolge der Untergrenze Inten­siv­betten gesperrt wurden. Das löse natürlich eine Debatte aus.  © fos/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

26. Mai 2020
Mainz/Berlin – Die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz hat kritisiert, dass manche Krankenhäuser die Aussetzung der Pflegepersonaluntergrenzen sowie die Lockerung des Arbeitszeitgesetzes während der
Pflegekammer kritisiert Krankenhäuser, die jetzt Gewinne machen
25. Mai 2020
Bonn – Die seit Anfang 2019 geltenden Untergrenzen für das Pflegepersonal im Krankenhaus werden einer Umfrage zufolge von Fachkräften mehrheitlich als negativ empfunden. Zu diesem Ergebnis kommt eine
Umfrage zeigt Kritik an Pflegepersonaluntergrenzen für Krankenhäuser
27. April 2020
München − Damit Patienten mit Behinderungen im Krankenhaus nicht unentgeltlich von ihren Angehörigen gepflegt werden müssen, fordern Behindertenverbände einen expliziten Rechtsanspruch auf
Behindertenverbände für Finanzierung externer Pfleger in Kliniken
8. April 2020
Berlin – In der Coronakrise will Nordrhein-Westfalen (NRW) zügig wieder Besuche in Pflegeheimen ermöglichen. Er habe bei mehreren Wissenschaftlern Praxisvorschläge in Auftrag gegeben, wie das Leben in
Nordrhein-Westfalen will Besuche in Pflegeheimen wieder ermöglichen
3. April 2020
Köln − Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, hat das strikte Besuchsverbot in Alten- und Pflegeeinrichtungen während der Coronakrise verteidigt. Westerfellhaus
Pflegebeauftragter verteidigt Besuchsverbote in Heimen
3. April 2020
Stuttgart − Freiwillige Pflegekräfte außer Dienst können in der Coronakrise in Baden-Württemberg über eine Plattform an Krankenhäuser sowie stationäre und ambulante Einrichtungen vermittelt
Neue Plattform für freiwillige Pflegekräfte und suchende Kliniken
25. März 2020
Berlin/Mainz – Pflegekräfte und Personen, die in der Pflege während der Corona-Pandemie unterstützen wollen, sollen sich bei einer der Pflegekammern in Schleswig-Holstein, Niedersachsen oder
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER