NewsMedizinStudie untersucht Komplikationen nach chirurgischem Schwangerschafts­abbruch
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Studie untersucht Komplikationen nach chirurgischem Schwangerschafts­abbruch

Dienstag, 14. Mai 2019

/dpa

Toronto – Obwohl ein chirurgischer Schwangerschaftsabbruch technisch einfach ist, steigen die Risiken, wenn der Eingriff an kleineren Kliniken mit einer geringen Zahl von Operationen durchgeführt wird. Dies ist das Ergebnis einer bevölkerungsbasierten Untersuchung im kanadischen Ärzteblatt (CMAJ 2019: 191: E519-E528).

Kanada ist eines der wenigen Länder, in denen es keine gesetzlichen Regelungen zum Schwangerschaftsabbruch gibt. Ein Abbruch wäre auch in der Spätschwangerschaft aus jeder Indikation heraus legal. In der Praxis werden die meisten Abbrüche vor der 15. Gestationswoche durchgeführt. Im Gliedstaat Ontario liegt der Anteil bei über 96 %.

Zwischen 2003 und 2015 wurden in Ontario (Einwohner 14 Millionen) 565.631 Schwangerschaftsabbrüche (bei etwa 5 Millionen Geburten) durchgeführt, davon 529.141 mit chirurgischen Methoden. Da in Ontario alle Einwohner eine staatliche Kranken­versicherung haben, konnte ein Team um Joel Ray von der Universität Toronto ermitteln, wie häufig es innerhalb von 42 Tagen nach dem Abort zu schweren gesundheitlichen Komplikationen gekommen ist (die nicht notwendigerweise Folge des Aborts sein müssen). Als primären Endpunkt wählten die Epidemiologen einen Endorganschaden, die Aufnahme auf eine Intensivstation oder den Tod der Mutter.

Das Ziel der Studie war, den Einfluss der Erfahrungen der Ärzte auf das Komplika­tionsrisiko zu untersuchen. In Ontario können Frauen den Schwangerschaftsabbruch in jeder Klinik durchführen lassen. Es gibt aber Ärzte, die sich auf den chirurgischen Abort spezialisiert haben (und ihn größtenteils außerhalb der Klinik anbieten). So führten in Ontario in den 13 Jahren 79 Ärzte 90 % der Schwangerschaftsabbrüche durch (davon 81 % außerhalb der Klinik). Dem standen 10 % der Aborte gegenüber die von 400 Ärzten zu 85,6 % in (kleineren) Krankenhäusern durchgeführt wurden.

Es war anzunehmen, dass das Komplikationsrisiko bei den Spezialisten geringer ist. Tatsächlich betrug die Rate der genannten schweren Komplikationen bei den Spezialisten, die 90 % der Eingriffe durchführten, bei 1,4 auf 1.000 Aborte gegenüber 3,7 auf 1.000 Aborte bei den Ärzten mit den geringen Fallzahlen. Ray ermittelte eine Odds Ratio von 1,91, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,41 bis 2,59 signifikant war.

Im Prinzip müsste aufgrund der Zahlen jeder Frau geraten werden, den Schwanger­schafts­abbruch an einen Zentrum mit hohen Fallzahlen durchzuführen. Diese gibt es allerdings in Kanada nur in den größeren Städten, was mit einer längeren Anreise verbunden wäre. Außerdem dürften noch Tage bis Wochen für die Planung vergehen. Mit jeder Verzögerung steigt jedoch das Komplikationsrisiko. Es betrug in Ontario 5,8 auf 1.000, wenn der Abort erst nach der 15. Woche erfolgte gegenüber 1,5 auf 1.000 bei einem früheren Termin. Die Editorialistinnen Wendy Norman und Laura Schummers von der Universität von British Columbia in Vancouver raten den Frauen deshalb, den Eingriff an der nächsten Klinik durchführen zu lassen, wenn sie dort einen raschen Termin erhalten. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #682954
Markus 67
am Mittwoch, 15. Mai 2019, 11:05

Bezugszahl nicht korrekt

Die genannten 5 Mio Geburten der Jahre 2003 bis 2015 geben die Zahl für ganz Kanada wieder. in Statistics Canada (https://www150.statcan.gc.ca/t1/tbl1/en/tv.action?pid=1310041401) werden etwa 380.000 Lebendgeburten für ganz Kanada pro Jahr genannt, was bei den untersuchten 13 Jahren (2003 bis 2015) dann etwa 5 Mio ergibt.
In Ontario leben laut Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Ontario#Bevoelkerung) knapp 40% aller Kanadier. Das wären dann etwa 2 Mio Lebendgeburten in 2003 bis 2015, auf die ca. 566.000 Abtreibungen kommen. Ca. jedes 5. Kind wurde somit abgetrieben.
LNS

Nachrichten zum Thema

13. Mai 2020
Berlin – Die Beratungspflicht nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz und dem Paragrafen 218a Strafgesetzbuch bleibt auch während der Coronapandemie in Kraft. Der Familienausschuss des Bundestags
Beratungspflicht bei Schwangerschaftsabbruch bleibt
28. April 2020
Nordwalde − Die Christdemokraten für das Leben (CDL) kritisieren scharf einen Vorstoß der Linken zu mehr Flexibilität bei der Schwangerenkonfliktberatung. „Der Antrag der Fraktion Die Linke, die
Kritik an Linken-Antrag zur Schwangerenkonfliktberatung
23. April 2020
Berlin − Die Linken drängen in der Coronakrise auf eine Aussetzung der Beratungspflicht vor einem Schwangerschaftsabbruch. Einen entsprechenden Antrag will die Fraktion in den Bundestag
Schwangerschaftsabbrüche: Linke drängen auf Aussetzung der Beratungspflicht
17. April 2020
Warschau − Das polnische Parlament hat in erster Lesung eine Verschärfung des bereits jetzt strengen Abtreibungsrechts gebilligt. Die Abgeordneten der nationalkonservativen Regierungspartei PiS,
Polen will härteres Abtreibungsrecht und Verbot für „Sex-Propaganda“
15. April 2020
Washington – Im US-Bundesstaat Texas dürfen nach einem Gerichtsurteil Schwangerschaftsabbrüche während der Coronakrise nicht ausgesetzt werden. In der Entscheidung des Berufungsgerichts in New Orleans
Berufungsgericht kippt vorläufiges Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen in Texas
14. April 2020
Warschau – Dutzende Frauenrechtsaktivisten haben heute in Warschau gegen die geplante Verschärfung des Rechtes auf Schwangerschaftsabbrüche protestiert. Mit Autos und auf Fahrrädern legten sie den
Proteste in Polen gegen geplante Verschärfung des Abtreibungsrechts
1. April 2020
Washington − Ein wegen der Coronakrise verhängtes vorübergehendes Verbot für Schwangerschaftsabbrüche von im US-Bundesstaat Texas bleibt vorerst in Kraft. Ein US-Berufungsgericht kippte jetzt
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER