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Ärzteschaft

Zahl der berufstätigen Ärzte seit 1992 stetig angestiegen

Dienstag, 14. Mai 2019

/dpa

Berlin – Die Zahl der berufstätigen Ärzte in Deutschland ist in den vergangenen Jahr­zehn­ten stetig gestiegen. Das zeigt die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion im Bundestag unter Berufung auf Zahlen der Ärztestatistik der Bundes­ärzte­kammer (BÄK).

1992 waren demnach 251.877 Mediziner in Deutschland berufstätig. Zehn Jahre später (2002) sind es bereits 301.060 gewesen. Die Zahl stieg im Jahr 2012 weiter auf rund 348.695 – und 2017 waren es dann rund 385.149.

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Der Frauenanteil hat sich über die Jahre ebenfalls deutlich verändert. Lag dieser 1992 noch bei 34,01 Prozent (85.656 Frauen von 251.877), belief sich die Quote 2017 auf 46,86 Prozent (180.497 von 385.149).

2017 waren den Angaben zufolge rund 180.000 berufstätige Ärzte älter als 50 Jahre und rund 71.000 älter als 60 Jahre. Ferner waren rund 73.000 Mediziner jünger als 35 Jahre. © may/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Dienstag, 14. Mai 2019, 23:24

Brutto-Statistik bringt nichts!

Die genannten Brutto-Arztzahlen bedeuten eine statistische Irreführung. Denn sie subsumieren alle Ärztinnen und Ärzte als Humanmediziner undifferenziert in Klinik, Praxis, Verwaltung, Forschung und Entwicklung bzw. auch nichtärztlichen Arbeitsbereichen. Sie berücksichtigen weder ärztliche Teilzeitbeschäftigungen noch kurz- oder langfristig nicht berufstätige Mediziner/-innen.

Derartige Brutto-Rohdaten erlauben keine Rückschlüsse auf Nettozahlen der tatsächlich in den ambulanten, stationären oder sonstigen Versorgungeeinrichtungen in Stadt und Land Tätigen.

Offensichtlich besteht ein Ärztemangel in der ambulanten Versorgung. Die stationäre Versorgungssituation kann und will ich an dieser Stelle gar nicht erst berücksichtigen. Ich kann hier nur aus eigener Erfahrung vom offensichtlichen Ärztemangel trotz ansteigender Arztzahlen in der ambulanten Versorgung berichten:

1990 ambulant tätige Ärzte/-innen: 92.289

2018 ambulant tätige Ärzte/-innen: 157.288

Das bedeutet in 29 Jahren (Startjahr 1990 zählt mit) einen jährlichen Zuwachs von 2.241 Humanmedizinern in der gesamten ambulanten haus-, familien- und fachärztlichen Versorgung, was mit deren Ansprüchen an ihre "work-life-balance", dem demografischen Faktor, medizinischem Fortschritt, diagnostischer und therapeutischer Vielfalt bzw. gestiegenen Versorgungs-Qualitäts- und Machbarkeits-Ansprüchen zu erklären ist.

Vertraut man der inzwischen weiter zunehmenden Zahl von 39.816 angestellten Ärzten, davon immer mehr Frauen in Teilzeitbeschäftigung, relativiert sich dieser Zuwachs auf 157.288 registrierte ambulant tätige Ärzte/-innen ganz erheblich.

Der versorgungsstatische Ärztemangel wird auch konkret und anschaulich:
Versuchen Sie einen kardiologischen, nephrologischen, neurologischen, endokrinologischen, pneumologischen oder rheumatologischen Termin bei einem GKV-Vertragsarzt in Deutschland zu bekommen? Es sei denn, man wäre Klinik-Infektiologe, hieße Prof. Dr. med. Andrew Ullmann und wäre als FDP-Gesundheitspolitiker und Obmann der FDP-Bundestagsfraktion im Gesundheitsausschuss unterwegs. Nur dann könnte man über eine "märchenhafte
ärztliche Überversorgung" schwadronieren.

Haus- und familienärztliche Allgemein- bzw. Facharzt-Medizin bedeuten mehr als nur die Praxistüren offenzuhalten:

Die Mindestzahl der Sprechstunden in vertragsärztlichen Vollzeit-Praxen für Kassenpatienten, wie mit dem Terminservice- und Versorgungs-Gesetz (TSVG) geschehen, von 20 Stunden auf 25 Stunden pro Woche erhöhen zu wollen, ist zumindest im haus- und familienärztlichen Bereich (Allgemeinmedizin, hausärztliche Internisten, Pädiater, Gynäkologen) reine Fiktion: Insbesondere in Zeiten von Influenza-Häufung und massenweisen Atemwegserkrankungen zusätzlich zur Basisversorgung bei allen Organ-, Psycho- und Systemkrankheiten beginnt und endet mit der Sprechstunde nicht die Arbeit am Patienten.

Bei Inanspruchnahme von 20-25 Stunden offizieller "Kassen-Sprechstunde" ist regelmäßig von 25-30 Stunden Inanspruchnahme auszugehen.

Die oft aufgehetzte Kommunikation über ärztliche Arbeits-Aufgaben und -Zeiten in Bundes-, Landes- und Regional-Politik, Medien, Öffentlichkeit und Sozialversicherungs-Bürokratie gipfelt z. B. in der Unterstellung, wer als niedergelassener Vertragsarzt für sich eine 50-Stunden-Woche reklamiert, solle doch gefälligst wesentlich längere offene Sprechstunden anbieten können. Dieses Ansinnen kommt zumeist von Leuten, die nicht ein einziges Mal hinter den Anmeldetresen geschaut, Mitarbeiter/-innen oder Familienangehörige befragt oder bei ihrem "Hausarzt" hospitiert haben.

Bei 20-25 Wochen-Stunden reiner Sprechstunden-Zeit, mit Vorlauf und Nachlauf also 25-30h, kommen hinzu:

1. Fahrt-/Rüstzeiten/Logistik/Organisation/Bereitschaft 5h
2. EDV-Einrichtung, Verwaltung, Datenpflege, Dokumentation, Abrechnung 5h
3. Fort- und Weiterbildung, Fachliteratur, Recherchen 5h
4. Fahrtzeiten Haus-/Heim-/Palliativ-Besuche/Notdienste/Verweilen 5h
5. Medizin-ferne Anfragen/Gutachten/Bescheinigung/Bürokratie 5h

So kommt man bei einer reinen GKV-Sprechstunden-Zeit von 20 Stunden auf die empirisch bereits mehrfach belegte durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 45 Stunden plus weitere 10 Stunden für zusätzliche, rein privatärztliche Tätigkeit bei den in der ambulanten Krankenversorgung tätigen Vertragsärztinnen und -ärzten.

Von 20 auf 25 Wochenstunden zu erhöhen, entspricht einer Steigerung um 25 Prozent: Damit läge die GKV-Wochenarbeitszeit bei gut 55 Stunden plus 10 Stunden privatärztliche Tätigkeit.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (über 30 Wochenstunden reine Sprechzeiten seit 1992 und oft zusätzliche Hausbesuchs- und Fortbildungszeiten)
LNS

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