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Politik

Nutzen einer individuellen Arzneimittel­verpackung für Pflegeheim­bewohner unklar

Dienstag, 14. Mai 2019

/kudosstudio, stockadobecom

Köln – Zu der Frage, ob Pflegeheimbewohner und Pflegeheimpersonal von einer patien­ten­individuellen Medikamenten-Verblisterung (PIV) profitieren, gibt es kaum belastbare Da­ten aus Studien. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Qualität und Wirtschaft­lich­keit im Gesundheitswesen (IQWiG). Die Wissenschaftler fanden zwar Studien, die die Aspekte des Nutzens der Verblisterung untersuchten. Diese bezogen sich jedoch alle auf den ambulanten Sektor. Keine Studie widmete sich dem IQWiG zufolge der stationären Altenpflege.

Unzureichend ist die Studienlage demach auch im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit der Verbliste­rung für Pflegeheime. Hier konnte das Institut auf Basis unterschiedlicher Quellen jedoch mögliche Effekte auf die Wirtschaftlichkeit schätzen. Die Wissenschaftler nahmen dabei an, dass ein Wochenblister rund drei Euro kostet und die Medikamenten­ausgaben aufgrund geringeren Verwurfs um 4,1 Prozent sinken. Fallen pro Woche und Heimbewohner mindestens 73,17 Euro an Kosten für verblisterte Arzneimittel an, wäre eine PIV kostenneutral.

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Die Aussagen aus den Studien zu der möglichen Zeitersparnis für die Pflegekräfte sind laut dem IQWiG unsicher. Das Institut sieht daher für die PIV in Pflegeheimen einen hohen Forschungsbedarf.

„Die Diskrepanz zwischen der breiten und teils vehement geführten Debatte um die PIV einerseits und der schlechten Datenlage andererseits hat uns überrascht“, kommentierte Thomas Kaiser, Leiter des Ressorts Arzneimittelbewertung im IQWiG. „Mit großer Verve argumentieren einzelne Akteure und Interessenvertreter für oder gegen die Verblisterung, ohne ihr Pro oder Kontra wissenschaftlich unterfüttern zu können“, so Kaiser.

Das Institut schlägt vor, eine hochwertige Studie zu dem Thema aufzulegen. „Unsere Re­cherche hat gezeigt, dass es zu anderen Fragestellungen durchaus hochwertige Studien in der stationären Pflege gibt und sie offenkundig machbar sind“, betonte Kaiser.

Bei der PIV portioniert und verpackt die Apotheke die verordneten Medikamente eines Patienten nach Wochentagen und Tageszeiten sortiert in individuelle durchsichtige Ver­packungen. Das soll die Einnahme der Arzneimittel einfacher machen. Das Bundes­ge­sundheitsministerium (BMG) hatte das IQWiG beauftragt zu prüfen, welche Erkenntnisse es dazu unter anderem aus Studien gibt.

Nach Ansicht ihrer Befürworter spricht für die PIV, dass sie Medikationsfehler vermeidet. Außerdem würden Pflegekräfte bei der Organisation der Medikamentengabe entlastet und hätten so mehr Zeit für die Zuwendung gegenüber den Patienten. Das könnte wiede­rum die Arbeitszufriedenheit in der Pflege erhöhen.

Kritiker befürchten indes einen Kompetenzverlust, wenn zunehmend Aufgaben von Pfle­ge­fachpersonen auf andere Berufsgruppen verlagert werden. Zudem seien nicht alle Arz­neimittel „blisterbar“. Dies könnte die Medikamentengabe für die Pflegekräfte in den Heimen eher noch verkomplizieren, so die Befürchtung. © hil/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #768473
dagobert.januschke@t-online.de
am Mittwoch, 15. Mai 2019, 11:02

Tabletten-Blisterung durch den Apotheker sehr fragwürdig

1. Das Nachbestellen von Medikamenten durch den Apotheker erscheint mir juristisch sehr fragwürdig.
2. Beim Absetzen oder Pausieren von Medikamenten muss das Pflegepersonal das Medikament anhand von Fotos identifizieren, ausblistern und entsorgen oder zwischenlagern. Aus Kosten- und Sicherheits- und Hygienegründen sehr fragwürdig.
3. Wenn kurzfristig eine Dosiserhöhung erforderlich ist, müsste das Pflegepersonal eine Originalpackung zur Verfügung haben. Dies widerspricht wahrscheinlich dem Sinn dieses Konstrukts.
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