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Medizin

Antibiotika­prophylaxe senkt Infektionsrisiko nach Entbindung mit Geburtszange oder Saugglocke

Dienstag, 14. Mai 2019

/freepeoplea, stockadobecom

Oxford – Die intravenöse Einmalgabe von Amoxicillin-Clavulansäure hat in einer randomisierten Studie das postpartale Infektionsrisiko nach einer vaginal-operativen Entbindung deutlich gesenkt. Die im Lancet (2019; doi: 10.1016/S0140-6736(19)30773-1) vorgestellten Ergebnisse könnten zu einem häufigeren Einsatz der Antibiotikaprophylaxe in der Geburtshilfe führen.

Während die Antibiotikaprophylaxe nach einem Kaiserschnitt allgemein empfohlen wird, war der Nutzen nach einer vaginal-operativen Entbindung mit Geburtszange oder Saugglocke bisher nicht belegt. Eine Cochraneanalyse konnte jüngst nur eine einzige randomisierte Studie ausfindig machen, die bei einer relativ geringen Fallzahl keine Vorteile gefunden hatte. Dabei sind Infektionen nach dem Einsatz von Geburtszange oder Saugglocke keinesfalls selten. Die Inzidenz wird in Studien mit 0,7 bis 16 % angegeben. Darunter können lebensgefährliche Infektionen sein, auch wenn Todesfälle nach der Geburt in hochentwickelten Ländern sehr selten geworden sind.  

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Das britische National Institute for Health Research (NIHR) hat den Nutzen der Antibiotika­prophylaxe nach vaginal-operativer Entbindung in den letzten Jahren in einer placebo­kontrollierten Studie an 27 Geburtskliniken des Landes prüfen lassen. In der ANODE-Studie („prophylactic ANtibiotics for the prevention of infection following Operative DElivery“) wurden 3.427 Frauen, bei denen sich die Geburtshelfer für den Einsatz von Geburtszange oder Saugglocke entschieden hatten, auf eine intravenöse Injektion von 1 g Amoxicillin plus 200 mg Clavulansäure oder Kochsalzlösung randomisiert.

Die meisten Frauen waren erstgebärend. Bei 2 Dritteln der Geburten kam eine Zange und bei einem Drittel eine Saugglocke zum Einsatz. Bei 89 % der Frauen wurde eine Episiotomie durchgeführt. Die Antibiotikagabe erfolgte im Durchschnitt 3,2 Stunden nach der Entbindung.

Der primäre Endpunkt der Studie war eine vermutete oder bestätigte Infektion in den ersten 6 Wochen nach der Entbindung, definiert als eine Neuverschreibung von Antibiotika wegen einer perinealen Wundinfektion, Endometritis, Uterusinfektion, schweren Harnwegsinfektion (Pyelonephritis oder Sepsis) oder andere systemische Infektionen.

Wie Marian Knight vom Nuffield Department of Population Health der Universität Oxford und Mitarbeiter berichten, erlitten nach der vaginal-operativen Entbindung 180 von 1.619 Frauen (11 %) eine Infektion gegenüber 306 von 1.606 Frauen (19 %) in der Placebogruppe. Die Risk Ratio betrug 0,58 und war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,49 bis 0,69 hoch signifikant.

Die Infektionen waren nach Zangengeburten (13 versus 22 %) häufiger als nach Einsatz einer Saugglocke (8 % versus 14 %). Die Antibiotikaprophylaxe war jedoch in etwa gleich gut wirksam: Risk Ratio 0,62 (0,45 bis 0,86) nach Zangengeburten und 0,56 (0,39 bis 0,80) nach Anwendung der Saugglocke.

Die Infektionen waren in den meisten Fällen leichter Natur. Nur 11 Frauen (0,6 %) beziehungsweise 25 Frauen (1,5 %) erlitten eine durch Bakterienkulturen bestätigte systemische Infektion. Die Risk Ratio von 0,44 war jedoch auch hier mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,22 bis 0,89 statistisch signifikant.

Die einmalige Antibiotikagabe hatte in der Regel keine Nebenwirkungen. Bei einer Frau in der Placebogruppe kam es zu Hautausschlägen, bei 2 Frauen der Antibiotikagruppe zu allergischen Reaktionen, die bei einer der beiden Frauen als schwerwiegend eingestuft wurden. Es gab jedoch keine Todesfälle durch anaphylaktische Reaktionen.

Die Antibiotikaprophylaxe erwies sich als kosteneffektiv. Die Gesamtbehandlungskosten betrugen 52,60 Pfund gegenüber 155,10 Pfund in der Placebogruppe.

Der Editorialist Vincenzo Berghella von der Thomas Jefferson University in Philadelphia ist überzeugt, dass die Antibiotikaprophylaxe aufgrund der Studienergebnisse dem­nächst von den Leitlinien empfohlen wird. Davon könnten weltweit etwa 2,7 der 135 Millionen Frauen profitieren, bei denen die vaginale Entbindung mit Geburtszange oder Saugglocke durchgeführt wird. Den größten Nutzen hätte die Antibiotikaprophylaxe vermutlich bei Frauen mit Episiotomie, obwohl dies in der Studie wegen der Häufigkeit des Dammschnitts nicht separat untersucht werden konnte. © rme/aerzteblatt.de

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