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Medizin

Fäkaler Mikrobiota-Transfer wirkt bei rekurrenter Infektion mit Clostridioides difficle besser als Antibiotika

Donnerstag, 16. Mai 2019

Eine Clostridioides-difficle-Infektion (CDI) erfolgt fäkal-oral durch Aufnahme umweltresistenter Sporen. Wichtigste Risikofaktoren für die CDI sind eine gestörte intestinale Flora nach antibiotischer Therapie und das Ausbleiben einer Antikörperantwort gegen die Toxine, insbesondere bei älteren Menschen. /gaetan, stock.adobe.com

Aarhus/Berlin – Die Therapie der rekurrenten Clostridioides-difficle-Infektion (CDI) erfolgt in der Regel mit Antibiotika. Dabei könnte ein fäkaler Mikrobiota-Transfers (FMT) bei dieser Darm­er­krank­ung deutlich bessere Heilungschancen haben. Das zeigt eine Vergleichsstudie in Gastroenterology (2019; doi: 10.1053/j.gastro.2018.12.019).

Für die Behandlung von chronisch-entzündlichen Darm­er­krank­ungen (CED) wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa stehen eine Vielzahl unterschiedlicher entzündungs­hemmender oder immunsupprimierender Medikamente zu Verfügung. Doch nicht bei allen Patienten schlagen diese an, mitunter verursachen sie starke Nebenwirkungen. Der Bedarf an neuen Konzepten ist weiterhin groß.

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Stuhltransfer als Mittel der Wahl

Ein Mikrobiota-Transfer kommt zunehmend auch als Ansatz für die Behandlung in den Blick. Denn bei einer anderen entzündlichen Darm­er­krank­ung hat man mit einer Modulation der Darmflora große Erfolge erzielt: Die CDI wird durch eine gestörte Zusammensetzung der Darmmikrobiota verursacht. Die Infektion tritt oft nach langandauernder Antibiotika­behandlung auf, in deren Folge das Bakteriengleichgewicht im Darm zerstört wird. Wenn die Infektion wiederholt auftritt, sei der fäkale Mikrobiotatransfer inzwischen das Mittel der Wahl, sagte Andreas Stallmach vom Universitätsklinikum Jena gestern in Berlin bei einer Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). 

Schwere CDI haben in Deutschland aufgrund des verstärkten Einsatzes von Breitspektrumantibiotika in den letzten Jahren stark zugenommen und nähern sich der Inzidenz der USA von 100 bis 140/100.000 Einwohnern.

Diese Empfehlung stützt auch eine neue kontrollierte Studie, in der 64 Patienten mit rekurrenter CDI untersucht wurden. Nach einer 4- bis 10-tägigen Behandlung mit Vancomycin (125 mg, 4 mal täglich) erhielten 24 Patienten eine FMT (FMTv). Weitere 24 Patienten wurden 10 Tage mit Fidaxomicin (Dificlir, Astellas Pharma, Leiden, Holland; 200 mg, 2-mal täglich) behandelt, 16 Patienten erhielten 10 Tage die Standardbehandlung mit Vancomycin (Vancocin, Strides Arcolab, Watford, UK; 125 mg, 4-mal täglich).

Die Heilungsraten mit FMT liegen in einer Größenordnung von 70 bis 90 %, während modernste Antibiotika nur 19 bis 30 % erreichen. Andreas Stallmach, Universitätsklinikum Jena

Nach 8 Wochen führten die Forscher der Aarhus Universität in Dänemark einen CD-Test durch und dokumentierten die klinische Heilung. Als geheilt stuften die Ärzte 22 Patienten mit FMTv (92 %), 10 Patienten mit Fidaxomicin (42 %) und 3 Patienten mit Vancomycin (19 %) ein. Ein negatives Testergebnis für CD-Toxine wurde bei 17 Patienten mit FMTv (71 %), 8 Patienten mit Fidaxomicin (33 %) und 3 Patienten mit Vancomycin (19 %) beobachtet.

„Die Heilungsraten mit FMT liegen in einer Größenordnung von 70 bis 90 %, während modernste Antibiotika nur 19 bis 30 % erreichen“, sagte der Direktor der Klinik für Innere Medizin IV für Gastroenterologie, Hepatologie, Infektiologie, Interdisziplinäre Endoskopie. An den häufig rekurrent auftretenden Infektionen könnten Patienten auch versterben, warnte Stallmacher. Die CDI weise die höchste Todesrate bei gastrointestinalen Infektionen in deutschen Krankenhäusern auf. „Ich finde es daher unethisch bei einer rezidivierenden CDI auf die Möglichkeit des fäkalen Mikrobiom-Transfers zu verzichten“, so der DGVS-Experte. Ob langfristig eine Erstattungsmöglichkeit geschaffen wird, bleibt abzuwarten. „Medizinisch ist die Datenlage so, dass es berechtigt wäre, darüber nachzudenken“, sagte Stallmach.

Behandlungserfolge auch bei anderen Darm­er­krank­ungen

Aufgrund vieler positiver Studienergebnisse für CDI ist die Hoffnung groß, die Methode zukünftig auch bei CED einzusetzen. „In einer kürzlich publizierten Auswertung verschiedener Studien zeigte sich, dass 8 Wochen nach einem solchen Stuhltransfer 37 % der CED-Patienten beschwerdefrei waren, verglichen mit 18 % in der Placebogruppe“, sagte Stallmach (Cochrane 2018). Behandlungserfolge, vergleichbar mit denen bei der Clostridioides difficile-Infektion, gibt es derzeit jedoch nicht. Wie und unter welchen Bedingungen die FMT CED-Patienten helfen kann, ist weiter Gegenstand der Forschung. Im Herbst 2019 startet in Deutschland eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Studie zum Langzeitverlauf der FMT bei CED. © gie/aerzteblatt.de

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