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Politik

Sachverständige für Nachbesserungen bei Reform der Psychotherapeuten­ausbildung

Donnerstag, 16. Mai 2019

/contrastwerkstatt, stock.adobe.com

Berlin – Sachverständige haben die Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung bei einer gestrigen Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestags überwiegend positiv beurteilt. Die wichtigsten Forderungen zur Nachbesserung betreffen vor allem Übergangs­regelungen für die derzeitigen Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten in Ausbildung beziehungsweise Studie­ren­­den sowie die Finanzierung der ambulanten Weiterbildung. Die Meinungen darü­ber, ob die im Gesetz­entwurf vorgesehenen Praxisanteile während des Studiums aus­reichend seien oder nicht, gingen auseinander.

„Der Entwurf aus dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium löst die Probleme der gegen­wär­tigen Ausbildung der Psychotherapeuten und der bisherige Sonderweg wird auf­gehoben. Die staatliche Abschlussprüfung gewährleistet eine hohe Qualität in der Patien­­tenversorgung und künftige Psychotherapeuten erhalten eine klare berufs- und tarifrechtliche Situation“, erklärte die Einzelsachverständige Cornelia Exner, Professo­rin am Institut für Psychologie der Universität Leipzig. Unbedingt notwendig seien je­doch Regelungen zur Finanzierung der ambulanten Weiterbildung an den künftigen Weiterbildungsinstituten.

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Kernstück des Gesetzentwurfs der Bundesregierung zur Reform der Psychothera­peu­tenaus­bildung ist ein fünfjähriges Hochschulstudium der Psychotherapie, das aus einem dreijährigen Bachelorstudium und einem zweijährigen Masterstudiengang an einer Universität oder gleichgestellten Hochschule bestehen soll. Hochschulische Lehre und berufspraktische Einsätze sollen in einer – noch ausstehenden – Approba­tionsordnung näher vorgegeben werden. Die Approbation kann nach einer bundesein­heitlichen staatlichen Prüfung künftig bereits nach dem Psychotherapiestudium beantragt werden.

In der anschließenden Weiterbildung werden die Fachkunde in einem wissenschaftlich anerkannten psychotherapeutischen Verfahren erworben sowie Schwerpunkte in der Behandlung von Erwachsenen beziehungsweise Kindern und Jugendlichen gesetzt. Danach kann der Eintrag in das Arztregister erfolgen und die Zulassung zur vertrags­ärztlichen Versorgung beantragt werden. Die ambulante Weiterbildung soll an den bewährten Ausbildungsinstituten und -ambulanzen ausgerichtet sein, die dann in Weiterbil­dungsinstitute umbenannt werden. Die stationäre Weiterbildung soll künftig im Rah­men eines Angestelltenverhältnisses mit einer entsprechenden Vergütung erfolgen.

Der Antrag der Grünen „Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung zukunftsfest aus­gestalten und Finanzierung der ambulanten Weiterbildung sichern“ will den Gesetz­entwurf der Bundesregierungen um einige Regelungen erweitert sehen. So solle eine Zusatzfinanzierung der ambulanten Weiterbildung analog zur Förderung der Weiterbil­dung von Hausärzten gemäß Paragraf 75a Sozialgesetzbuch V vorgesehen werden oder alternativ ein Bundesfonds eingerichtet werden.

Weiterbildung: Weichenstellung für Vergütung

„Wir sind sehr zufrieden mit dem Gesetzentwurf, auch wenn es noch Änderungsbedarf im Detail gibt“, sagte der Präsident der Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK), Dietrich Munz, bei der Anhörung. Er begrüße den Gesetzentwurf unter anderem, „weil die Weichenstellung für die Vergütung der Weiterbildung erfolgt ist und künftige Psy­cho­therapeuten in Weiterbildung im Angestelltenverhältnis mit einem angemessenen Gehalt arbeiten können“.

Die konkrete Finanzierung müsse aber noch geregelt werden. Sehr wichtig sei auch der Bestandsschutz für die Ambulanzen der Ausbildungsinstitute durch die im Gesetz­entwurf vorgesehene Ermächtigungsregelung.

Bundes­ärzte­kammer fordert höheren Praxisanteil im Studium

Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) hatte sich in einer Stellungnahme vor der Anhörung im Gesundheitsausschuss erfreut darüber gezeigt, dass die Bundesregierung auf Kri­tik der Ärzte reagiert und die Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung im Vergleich zum Referentenentwurf verändert hat.

Die Kurskorrektur geht ihr aber nicht weit genug. Bei der Anhörung verdeutlichte Hei­drun Gitter, Beauftragte der BÄK für die ärztliche Psychotherapie, dass einiges zurzeit noch schwierig zu beurteilen sei, weil das BMG noch keine Approbationsordnung vor­gelegt habe. „Wichtig ist, dass vor Erteilung der Approbation ein Praktisches Jahr oder zumindest ein Praxissemester in das Studium integriert wird“, erklärte Gitter.

Interprofessionelles Arbeiten integrieren

Darüber hinaus sollte die vorgesehene staatliche Wissensprüfung nach dem Psycho­the­rapiestudium nicht nur mündlich erfolgen, sondern auch schriftlich, forderte Gitter.

Dieser Ansicht war auch Sabine Herpertz für die Deutsche Gesellschaft für Psychia­trie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Die Psychiatrie­professorin sprach sich zudem dafür aus, den Aspekt des interprofessionellen Arbei­tens bereits in das Psychotherapiestudium zu integrieren. „Die vernetzte Versorgung ist sehr wichtig – Psychiater und Psychotherapeuten sollten eng zusammenarbeiten.“ Auch die DGPPN-Vertreterin sprach sich für ein praktisches Jahr am Ende des Stu­diums aus.

Der Einzelsachverständige Steffen Fliegel, Gesellschaft für Klinische Psychologie und Beratung, forderte ebenso eine Aufstockung der praktischen Ausbildung. Die vorge­sehenen Praxisanteile seien für die Erteilung einer Approbation sowie für die Sicher­stellung einer qualitativ hochwertigen Versorgung zu gering.

Die Grünen hatten in ihrem Antrag gefordert, durch eine flexiblere Regelstudiendauer von „mindestens fünf Jahren“ sicherzustellen, dass das Studium auch länger dauern kann, um ausreichende Praxiserfahrungen sammeln zu können. Ebenso hatte die Fraktion Die Linke in ihrem Antrag „Prekäre Bedingungen in der Psychotherapeuten­ausbildung sofort beenden und Verfahrensvielfalt im Studium gewährleisten“, gefor­dert, ein Praxissemester am Ende Psychotherapiestudium zur Voraussetzung für die Approbation zu machen.

Vorgesehene Praxisanteile ausreichend

Dagegen sprach sich bei der Anhörung die Vertreterin der Studierenden der Psycholo­gie, Katharina Janzen, aus: „Wir finden die im Gesetzentwurf vorgesehene Verbindung von Theorie und Praxis sehr gut – ein zusätzliches Praxissemester oder -jahr ist nicht sinnvoll, vor allem, weil durch die fehlende Finanzierung wieder prekäre finanzielle Verhältnisse geschaffen werden könnten.“

Unterstützung fand die Studierende beim Präsidenten der BPtK: „Neben den wissen­schaftlichen sind auch die praktischen Erfahrungen in psychiatrischen und psychoso­ma­tischen Kliniken bereits in das Studium gut integriert – allein im Masterstudium sind 26 Wochen Berufspraxis vorgesehen, hinzu kommen Praktika im Bachelor“, erklärte Munz.

Die Studierendenvertreterin forderte zudem bessere Übergangsregelungen für die Jahrgänge, die noch nach altem Recht ihre Ausbildung absolvieren: „Ein Übertritt in das neue System sollte beispielsweise mittels Nachqualifizierungen möglich sein können“, schlug Janzen vor.

Auch Grüne und Linke setzen sich in ihrem Antrag für bessere Übergangsregelungen auch für die derzeitigen Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA) ein. Deren prekäre finanzielle Situation solle beendet sowie Härtefallregelungen eingeführt werden. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung sieht derzeit eine Übergangsfrist für Studienan­fänger vor Inkrafttreten des neuen Gesetzes von zwölf Jahren vor.

Ungleichbehandlung vermeiden

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) bemängelt in ihrer Stellungnahme zur Anhörung, dass der Gesetzentwurf konkrete Übergangsregelungen für eine Verbesse­rung der aktuellen Ausbildungssituation vermissen lasse. „Die Ausbildungsbedingun­gen insbesondere im Rahmen der praktischen Tätigkeit sollten jetzt adressiert werden, um eine Ungleichbehandlung von Ausbildungsteilnehmern und künftigen Studierenden beziehungsweise Weiterbildungsteilnehmern der verschiedenen Stränge zu vermei­den“, schreibt die KBV.

„Zwölf weitere prekäre Jahre sind zu viel“, erklärte Katharina von Bronswyk, Spreche­rin des PiA-Politik-Treffens, bei der Anhörung. Bei Ausbildungskosten zwischen 20.000 und 80.000 Euro pro Jahr über drei bis fünf Jahre – zusätzlich zum Lebensun­ter­halt – könne sich jeder vorstellen, wie schwierig eine Ausbildung zu bewältigen sei.

Es dürfe jetzt keine „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ zwischen vergüteter und nicht vergü­teter Aus- beziehungsweise Weiterbildung entstehen, forderte sie. Unterstützt wurde ihre Forderung durch eine Demonstration von Psychotherapeuten in Ausbildung vor dem Parlamentsgebäude nach der Anhörung. © PB/aerzteblatt.de

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