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Medizin

Regelmäßige Endoskopie bei Patienten mit chronischen Gallenwegs­erkrankungen sinnvoll

Mittwoch, 15. Mai 2019

In den Gallenwegen wird Galle von der Le­ber in das Duode­num transportiert. /marina_ua Adobe.stock.com

Heidelberg – Patienten mit der chronischen Gallenwegserkrankung „Primär sklero­tisierende Cholangitis“ (PSC) profitieren von einer regelmäßigen endoskopischen Kontrolle und Weitung der Gallenwege mehr als von einem Therapieschema nach aktuellen Leitlinien. Diese sehen eine endoskopische Diagnostik und Behandlung nur bei bestimmten Symptomen vor. Das berichten Wissenschaftler vom Universitätsklinikum Heidelberg in der Fachzeitschrift Gut (2019; doi: 10.1136/gutjnl-2018-316801).

Bei einer PSC entzünden sich die Gallenwege und vernarben. An den dabei entstehenden Engstellen staut sich die Galle, was die Leber schädigt und letztlich zum Leberversagen führt. Die Engstellen lassen sich endoskopisch mit einer Spiegelung der Gallenwege nachweisen und mithilfe eines Ballons weiten. Dadurch kann die Galle wieder abfließen und die Entzündung wird gebremst.

Am Universitätsklinikum Heidelberg werden Patienten seit 1987 anhand eines Therapieplans behandelt, der diese gekoppelte Form der Diagnostik und Behandlung jährlich vorsieht. Die Studie vergleicht Patienten, die nach diesem Therapieplan behandelt wurden, mit Patienten, deren Behandlung ausschließlich bei Symptomen wie Gelbsucht, Fieber, Entzündungszeichen oder Verschluss der Gallenwege erfolgte, wie es von den aktuellen Leitlinien empfohlen wird.

Überleben ohne Lebertransplantation steigt

Wissenschaftler um Christian Rupp und Peter Sauer vom Interdisziplinären Endoskopiezentrums (IEZ) am Universitätsklinikum Heidelberg haben für die Studie die Krankheitsverläufe von 286 PSC-Patienten über einen Zeitraum von 30 Jahren analysiert. Die durchschnittliche Überlebenszeit der betroffenen Patienten beziehungsweise die Zeit bis zu einer Lebertransplantation liegt bei 12 bis 18 Jahren ab Diagnose.

Nach unserem Therapieplan erhalten die Patienten im Schnitt insgesamt 5 bis 6 Aufweitungen der Gallenwege im Vergleich zu 1 bis 2 bei Patienten, die nach Leitlinien behandelt werden. Christian Rupp, Universitätsklinikum Heidelberg

Der Heidelberger Therapieplan konnte das Fortschreiten der Erkrankung deutlich verlangsamen – das Überleben ohne Lebertransplantation der Patienten stieg um durchschnittlich 6,7 Jahre. „Nach unserem Therapieplan erhalten die Patienten im Schnitt insgesamt 5 bis 6 Aufweitungen der Gallenwege im Vergleich zu 1 bis 2 bei Patienten, die nach Leitlinien behandelt werden“, erklärte Rupp. Trotz der häufigeren endoskopischen Untersuchungen war die Anzahl der Komplikationen in beiden Gruppen vergleichbar niedrig.

„In unserer großen retrospektiven Studie kommt das regelmäßige ERCP mit endoskopischer Ballondilatation Patienten mit PSC deutlich zugute, auch wenn sie asymptomatisch sind“, schreiben die Forscher. Weitere Studien müssten herausfinden, wie Patienten mit Verengungen der Gallenwege auch nicht-invasiv am besten zu identifizieren seien. © hil/aerzteblatt.de

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