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Politik

Bundeskabinett beschließt Einführung eines Hebammen­studiengangs

Mittwoch, 15. Mai 2019

/Rafael Ben-Ari, stockadobecom

Berlin – Die Bundesregierung hat eine Reform der Hebammenausbildung auf den Weg gebracht. Das Bundeskabinett beschloss heute die Einführung eines dualen Studiums für die Geburtshelferinnen. Die Grünen warfen Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) vor, sein Gesetzentwurf greife zu kurz und enthalte keine Antwor­ten auf aktuelle Probleme in der Geburtshilfe.

Hebammen werden in Deutschland bisher an speziellen Schulen ausgebildet. Künftig sollen ein Studium und eine praktische Ausbildung miteinander kombiniert werden. Das duale Studium soll sechs bis acht Semester dauern und mit einem Bachelor so­wie einer staatlichen Prüfung enden. Bisher dauert die Ausbildung drei Jahre. Sie umfasst theoretischen und praktischen Unterricht in Hebammenschulen und an Krankenhäusern.

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Der Abschluss wird Spahns Entwurf zufolge Voraussetzung dafür, die Berufsbezeich­nung Hebamme zu führen. Während der gesamten Ausbildungszeit werden die an­gehenden Hebammen bezahlt. Wer das duale Studium absolvieren will, muss zwölf Jahre Schulbildung oder eine abgeschlossene Ausbildung in einem Pflegeberuf vor­weisen. Für die bisherige Ausbildung an Hebammenschulen reichen zehn Jahre Schulbildung.

Das neue duale Studium wird die Hebammen laut Spahn „auf die wachsenden Anfor­derungen in der Geburtshilfe“ vorbereiten. „Mit dieser Reform machen wir die He­bammenausbildung moderner und attraktiver.“ Das Ge­sund­heits­mi­nis­terium strebt ein Inkrafttreten zum Jahreswechsel an. Mit dem Gesetz wird auch eine EU-Richtlinie umgesetzt.

Kritik von CSU und Grünen

Die Grünen-Gesundheitsexpertin Kirsten Kappert-Gonther erklärte, Spahns Entwurf sei „richtig, doch er greift zu kurz“. So bleibe unklar, wie bereits ausgebildete Hebam­men sich nachträglich akademisch qualifizieren können, ohne ein vollständiges Stu­dium absolvieren zu müssen.

„Völlig blank bleibt Spahn bei dringend notwendigen Verbesserungen in der Geburts­hilfe“, fügte Kappert-Gonther hinzu. Die Arbeitsbedingungen in den Kreißsälen müss­ten schnell verbessert werden. In den Kliniken müsse so viel Personal vorhanden sein, dass jede Frau bei der Geburt eine Eins-zu-Eins-Betreuung erfahre, forderte die Grünenpolitikerin. Außerdem müssten Hebammen von „fachfremden Arbeiten wie Putzen“ entlastet werden.

Kritik kam auch aus der CSU. „Die Akademisierung löst nicht das akute Problem, dass immer mehr Geburtsstationen aus Personalmangel schließen müssen“, sagte die Ge­sundheitspolitikerin Emmi Zeulner dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Hebammen, die aus der aktiven Geburtshilfe ausgestiegen seien, müssten zur Rück­kehr motiviert werden, forderte Zeulner. Dazu sei es nötig, dass die für den Wiederein­stieg erforderliche Weiterbildung künftig von den Krankenkassen bezahlt werde. Bis­her müssten die Hebammen die Kosten für diese Weiterbildung von rund 2.000 Euro selbst tragen.

Bei Gynäkologen waren die Pläne der Bundesregierung bisher auf Kritik gestoßen. Als Folge sei zu befürchten, dass Hebammen in den Kreißsälen fehlten, warnten der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) kürzlich in einer gemeinsamen Erklärung. Zudem werde der „hohe Standard“ der Hebammenausbildung in Deutschland gefährdet.

Der Gesetzentwurf sieht außerdem vor, dass die Kranken- und Pflegekassen Reise­kosten für pflegebedürftige Menschen übernehmen, wenn sie einen pflegenden An­gehörigen zu einer Reha begleiten. © afp/dpa/kna/aerzteblatt.de

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