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Medizin

Wie das Einkommen die Lebenserwartung in Norwegen und den USA beeinflusst

Mittwoch, 15. Mai 2019

Menschen sitzen auf Münzhaufen umringt von Pillen und Spritzen. /Hyejin Kang, adobe.stock.com
Die Ungleichheiten bei der Lebenserwartung in Abhängigkeit des Einkommens waren auch in Norwegen beträchtlich und haben sich seit 2005 noch verschärft. /Hyejin Kang, adobe.stock.com

Oslo – Menschen mit einem hohen Einkommen leben länger. Dies trifft nicht nur in den USA zu, wo viele ärmere Menschen ohne Sozialversicherungsschutz sind, sondern auch auf Norwegen mit einem egalitären weitgehend über Steuern finanziertem Gesundheits­wesen. Die Unterschiede sind in Norwegen jedoch vor allem in der Unter- und Mittelschicht weniger ausgeprägt, wie eine vergleichende Untersuchung im amerikanischen Ärzteblatt JAMA zeigt (2019; doi: 10.1001/jama.2019.4329).

Vor 3 Jahren hatten US-Ökonomen ebenfalls in JAMA (2016; 315: 1750-1766) in einer Studie herausgefunden, dass 40-jährige US-Bürger aus dem Hundertstel der Bevöl­kerung mit dem höchsten Haushaltseinkommen (oberste Perzentile) eine um 14,6 Jahre (Männer) beziehungsweise 10,1 Jahre (Frauen) höhere Lebenserwartung haben in der untersten Perzentile. Raj Chetty von der der Stanford University in Kalifornien und Mitarbeiter hatten die Unterscheide mit dem fehlenden Versicherungsschutz in den ärmeren Teilen der Bevölkerung in Verbindung gebracht.

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Jetzt hat ein Team um Jonas Minet Kinge vom Folkehelseinstituttet in Oslo die Untersuchung für Norwegen wiederholt. Ein Vergleich ist interessant, weil in den USA 1  % der Einwohner 20 % des Gesamteinkommens erzielt (beim Vermögen sind die Unterschiede noch deutlicher), während es in Norwegen „nur“ 8 % sind. Im Gini-Koeffizienten, der die Ungleichheit der Einkommensverteilung misst, belegen die USA unter den 35 Ländern der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) Rang 4. Norwegen steht an Position 31.  

Trotz der gleicheren Verteilung der Einkommen gibt es auch in Norwegen eine Schere in der Lebenserwartung. Der Unterschied zwischen der obersten und untersten Perzentile beträgt bei Männern 13,8 Jahre (84,4 versus 70,6 Jahre) und bei Frauen 8,4 Jahre (86,3 versus 78,0 Jahre).

Auf den ersten Blick scheinen die Unterschiede in der Lebenserwartung zwischen Arm und Reich zwar nicht ganz so groß zu sein wie in den USA, aber doch ähnlich. Es gibt jedoch Unterschiede. Mit Ausnahme der Spitzenverdiener ist die Lebenserwartung in Norwegen in allen Einkommensgruppen höher als in den USA. Die größten Unterschiede gibt es bei den Menschen in den unteren bis mittleren Segmenten: Männer in den Perzentilen 5 bis 20 der Einkommensverteilung und Frauen in den Perzentilen 10 bis 25 haben in Norwegen eine um mehrere Jahre höhere Lebenserwartung als die gleichen Gruppen in den USA.

Lebenserwartung steigt vor allem bei Menschen mit hohen Einkommen

In beiden Ländern haben die Unterschiede zwischen Arm und Reich in der Lebenserwartung in den letzten Jahren zugenommen. In Norwegen stieg die Lebenserwartung im Viertel mit dem höchsten Einkommen innerhalb von 10 Jahren um 3,1 Jahre bei den Männern und um 3,2 Jahre bei den Frauen. Im Viertel mit dem niedrigsten Einkommen kam es bei den Männer nur zu einer Zunahme um 0,9 Jahre, bei den Frauen sogar zu einem Rückgang um 0,4 Jahre.

Minet führt die Unterschiede in der Lebenserwartung größtenteils auf Todesfälle an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, chronisch obstruktive Lungenerkrankungen und Demenzerkrankungen in älteren Altersgruppen sowie auf Todesfälle durch Selbstmord und Drogenkonsum in den jüngeren Altersgruppen zurück.

Ein wichtiger Risikofaktor ist das Rauchen, das in unteren Einkommensschichten stärker verbreitet ist. Rauchen erklärt laut der Studie etwa ein Fünftel der Unterschiede in der Lebenserwartung zwischen den Menschen mit den höchsten und dem niedrigsten Einkommen. © rme/aerzteblatt.de

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