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Medizin

US-Studie sieht Abhängigkeits­potenzial bei Tramadol

Mittwoch, 15. Mai 2019

Tramadol kann als Kapsel, Tropfen oder Retardtablette, rektal als Zäpfchen und intravenös verabreicht werden. /dpa
Tramadol kann als Kapsel, Tropfen oder Retardtablette, rektal als Zäpfchen und intravenös verabreicht werden. /dpa

Rochester – Tramadol soll weniger suchterregend sein als andere Opioide. US-Patienten, die nach einer geplanten Operation zur Schmerzlinderung mit Tramadol behandelt wurden, benötigten jedoch später häufiger ein Folgerezept als Patienten, die mit anderen Opioiden behandelt wurden. Die Autoren einer Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2019; 365: l1849) vermuten deshalb, dass das Abhängigkeitspotenzial von Tramadol unterschätzt wird.

Die leichtfertige Verordnung von Schmerzmitteln nach Operationen gilt als wichtige Ursache der derzeitigen Opioid-Epidemie in den USA. Ein erstes Zeichen für eine Abhängigkeit ist, wenn die Patienten nach einiger Zeit den Arzt erneut um ein Rezept bitten, obwohl die postoperativen Schmerzen längst abgeklungen sein sollten. Viele erhalten ein solches Folgerezept. Später sind sie dann gezwungen, sich die Droge auf dem Schwarzmarkt zu besorgen – mit den bekannten Folgen.

Tramadol erst seit 1995 zugelassen

Eine Folge der Opioidkrise ist, dass Ärzte häufiger auf andere Schmerzmittel ausweichen. Dazu gehört Tramadol. Das Opioid ist in den USA erst seit 1995 zugelassen. Anfangs wurde es gar nicht zu den suchterzeugenden Mitteln gezählt. Erst 2014 wurde es in die „Schedule IV“ der Wirkstoffe aufgenommen, die ein gewisses Abhängigkeitspotenzial haben. Zu dieser Gruppe gehören auch Benzodiazepine. Die anderen Opioide werden in der „Schedule II“ als Mittel mit einem hohen Abhängigkeitspotenzial eingestuft.

Ein Team um Molly Jeffery von der Mayo Clinic in Rochester hat die Daten von 357.884 Krankenversicherten untersucht, die nach 20 verschiedenen elektiven Operationen ein Opioid zur Schmerzlinderung erhalten hatten. Darunter waren 13.519 Patienten, die Tramadol als einziges Mittel erhielten. Insgesamt 1.066 (7,89 %) erhielten 90 bis 180 Tage nach der Operation ein weiteres Tramadol-Rezept. Insgesamt 194 Patienten (1,44 %) wurde nach dem 180. postoperativen Tag ein Tramadol-Rezept ausgestellt, von denen 78 Patienten (0,58 %) mindestens 10 Rezepte erhielten oder einen Vorrat für mindestens 120 Tage. Sie erfüllten damit die CONSORT-Kriterien für einen chronischen Opioidgebrauch. Hier kann von einer Sucht ausgegangen werden.

Vergleich mit anderen Opioiden

Jeffery und Mitarbeiter haben diese Daten mit den Verordnungen anderer Opioide verglichen. Dabei stellten sie fest, dass Folgerezepte für Tramadol nicht etwa seltener, sondern sogar häufiger ausgestellt wurden. Für die Verordnung im Zeitraum von 90 bis 180 Tagen betrug die Risk Ratio 1,06 (95-%-Konfidenzintervall 1,00 bis 1,13), für die spätere Verordnung 1,47 (1,25 bis 1,69) und für die CONSORT-Kriterien 1,41 (1,08 bis 1,75).

Die häufigere Verordnung von Tramadol kann natürlich damit zusammenhängen, dass die Ärzte Tramadol als sicherer einstuften als andere Opioide und deshalb bereitwilliger ein Folgerezept ausstellten. Der lange zeitliche Abstand zur Operation zeigt aber, dass die Patienten das Mittel nicht zur Behandlung von „echten“ Schmerzen benötigen, sondern eventuell zur Linderung der Entzugserscheinungen. Beweisen kann die Forscherin dies nicht, da sie keinen Einblick in die Krankenakten hatte und die Gründe für die Verordnung nicht kennt. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Mittwoch, 15. Mai 2019, 21:55

Wider besseres Wissen

wurde Tramadol bei der letzten Änderung des BtMG NICHT als BtM klassifiziert, weil nach Ansicht der Zuständigen Kommission Tramadol "nur" ein ganz leichtes Entzugssyndrom auslösen soll....
Als Suchtmediziner sträuben sich da bei mir die Haare - Tramadol wird in exzessiven und riskanten Dosierungen bis zu 1200mg pro Tag missbraucht, durch den serotonergen Wirkanteil ist der Entzug außerordentlich langwierig und komplex, häufig verbunden mit massiven psychiatrischen Störungen...
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