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Arthrosemittel Glucosamin könnte Herz-Kreis­lauf-Risiko senken

Mittwoch, 15. Mai 2019

/underdogstudios-stockadobecom

New Orleans – Die in angelsächsischen Ländern beliebte Einnahme von Glucosaminen zur Linderung von Gelenkschmerzen ging bei Teilnehmern der UK Biobank-Studie mit einer leicht verminderten Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen einher. Ein Wirkungsbeleg lässt sich aus den Ergebnissen der prospektiven Beobachtungsstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2019; 365: l1628) jedoch nicht ableiten.

Obwohl die klinischen Daten zur symptomlindernden Wirkung widersprüchlich sind und es nach Einschätzung der meisten Leitlinien für eine chondroprotektive Wirkung keine sicheren Belege gibt, sind Glucosamine in der Bevölkerung sehr beliebt. Von 466.039 Teilnehmern der UK Biobank-Studie im Alter von 40 bis 69 Jahren gab fast jeder fünfte (19,3 %) an, regelmäßig Glucosamin-Präparate zu nutzen, die in Großbritannien rezeptfrei und im Supermarkt erhältlich sind.

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Ein Team um Lu Qi von der Tulane Universität in New Orleans hat die Einnahme mit späteren Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Beziehung gesetzt. Anlass der Untersuchung waren tierexperimentelle Befunde, nach denen Glucosamin die Glykolyse hemmt und dadurch die gleiche Wirkung erzielt wie eine Kohlenhydrat-arme Ernährung, die bei Nematoden eine lebensverlängernde Wirkung erzielt und beim Menschen das Fortschreiten der Atherosklerose verlangsamen soll.

In den ersten 7 Jahren nach der Befragung erlitten 10.204 Teilnehmer der UK Biobank-Kohorte ein Herz-Kreislauf-Ereignis, darunter waren 5.745 koronare Herzkrankheiten 3.263 Schlaganfälle und 3.060 Todesfälle an Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Für die Teilnehmer, die die Einnahme von Glucosamin angegeben hatten, ermittelte Qi ein leicht vermindertes Erkrankungs- und Sterberisiko. Die Hazard Ratio für ein Herz-Kreislauf-Ereignis betrug 0,85 (95-%-Konfidenzintervall 0,80 bis 0,90), das Erkrankungsrisiko war also um 15 % vermindert. Einen Herz-Kreislauf-Tod erlitten die Anwender von Glucosamin zu 12 % seltener (Hazard Ratio 0,78; 0,70 bis 0,87). An einer Koronaren Herzkrankheit erkrankten sie zu 18 % (Hazard Ratio 0,82; 0,76 bis 0,88) und an einem Schlaganfall zu 9 % (Hazard Ratio 0,91; 0,83 bis 1,00) seltener.

Raucher profitieren mehr

Interessanterweise waren die Assoziationen bei Rauchern ausgeprägter. Aktive Raucher erlitten zu 26 % (Hazard Ratio 0,74; 0,63 bis 0,87) seltener Herz-Kreislauf-Ereignisse und starben zu 39 % (Hazard Ratio 0,61; 0,46 bis 0,82) seltener daran. Qi bringt dies mit einer Verminderung der Entzündungsreaktion (C-reaktives Protein) in Verbindung, zu der es nach der Einnahme von Glucosamin kommen soll.

Eine Stärke der UK Biobank-Studie ist neben der großen Teilnehmerzahl, dass zahl­reiche Aspekte der Lebensführung erfragt wurden, deren Einfluss sich damit aus­schließen lässt. Beweisen kann die Studie den Zusammenhang dennoch nicht, da epidemiologische Studien niemals alle Facetten der Gesundheit und der Lebensführung erfassen.

In der Vergangenheit sind des öfteren Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel, die in epidemiologischen Studien mit einem verminderten Krankheits- oder Sterberisiko assoziiert waren, anschließend in randomisierten klinischen Studien gescheitert. Manchmal fanden sich sogar Hinweise auf eine schädliche Wirkung. Die Ergebnisse der aktuellen Studie dürften deshalb kaum Einfluss auf die Empfehlungen in den Leitlinien haben. Sie könnten aber, da sie von den Medien aufgegriffen werden, die Popularität von Glucosamin weiter steigern. © rme/aerzteblatt.de

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