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Politik

3.466 neue Vertragsarztsitze in Deutschland möglich

Donnerstag, 16. Mai 2019

/dpa

Berlin – In Deutschland stehen demnächst 3.466 neue Sitze für Vertragsärztinnen und -ärzte zur Verfügung. Mit der neuen Bedarfsplanung, die der zuständige Gemeinsame Bundes­ausschuss (G-BA) heute einstimmig beschlossen hat, können künftig 1.446 zusätzliche Hausarztsitze, 476 neue Sitze für Nervenärzte, 401 für neue Pädiater sowie 776 weitere Sitze für Psychotherapeuten zugelassen werden.

„Diese zukunftsgerichtete Weiterentwicklung der Bedarfsplanungsinstrumente ist ein wichtiger Beschluss, mit dem wir eine noch wohnortnähere und an die unterschied­liche Krankheitslast in den einzelnen Regionen angepasste ärztliche Versorgung er­möglichen“, erklärte der unparteiischen G-BA-Vorsitzende Josef Hecken im Anschluss an die Sitzung.

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Mit der neuen Planung steigt die Zahl der offenen Vertragsarztsitze insgesamt auf 6.906 an, davon sind 4.192 unbesetzte Hausarztsitze und 879 Sitze für Psychothe­ra­peuten bundesweit. Starker Zuwachs an neuen Arztsitzen ist in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen sowie in allen ostdeutschen Ländern zu erwarten. Die genauen Zahlen für jede Fachgruppe pro Bundesland können aber erst in der Zu­sammenarbeit mit den jeweils zuständigen Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) errechnet werden, hieß es beim G-BA.

Hecken betonte im Plenum, dass der G-BA zwar die Sitze ausweisen könne. „Aber mit dieser Richtlinie backen wir keinen einzelnen neuen Doktor.“ Er verwies dabei auch auf Schreiben von Landesregierungen und Kommunalverwaltungen, die an den G-BA in diesem Zusammenhang gerichtet werden.

Kassen zufrieden

„Die Festlegungen des G-BA zur Bedarfsplanung sind nur der allgemeine Rahmen. Die Prüfung und Anpassung vor Ort ist essenziell, denn es ist nicht möglich, von Berlin aus in einer Richtlinie verbindliche und passgenaue Regelungen für jeden Kreis und jede Gemeinde in Deutschland zu treffen, die in ihrer Struktur völlig unterschiedlich sein können“, so Hecken. Er wies auf die Flexibilität hin, die Landesregierungen und Kommunen nun erhalten.

Auch mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) gibt es mehr Möglich­keiten für Verwaltungen, Versorgung vor Ort mitzubestimmen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) stellte heute klar, dass „mit mehr Planung die Köpfe nicht stei­gen“, sagte KBV-Vize Stephan Hofmeister.

Die Krankenkassen zeigten sich mit der neuen Regelung zufrieden. „Dank der neuen Bedarfsplanungsrichtlinie können wir jetzt noch schneller auf Änderungen reagieren“, erklärte Johann-Magnus von Stackelberg, stellvertretender Vorsitzender des GKV-Spitzenverbandes. „Die Zahlen von 1990 sind damit endlich Geschichte. Werden mehr Ärzte gebraucht, wird die Richtlinie entsprechend angepasst.“

Für die Patientenvertretung im G-BA war es wichtig, dass künftig auch der barriere­freie Zugang einer Praxis eine Rolle bei den Bedarfsplänen spielt. Auch die „regel­mäßige Anpassung und die Berücksichtigung des Faktors Morbidität begrüßen wir“, erklärte Ursula Faubel, Sprecherin der Patientenvertretung im Unterausschuss Be­darfsplanung.

Möglich machen dies der neue Verteilmechanismus und die neue Berechnungs­struk­tur, die vor allem auch Alter und Morbidität der Patienten berücksichtigen. Wurden bis­her die reinen Verhältniszahlen von Einwohner pro Arzt und Psychotherapeut berech­net, werden künftig diesem Verfahren weitere Berechnungen hinzugefügt. Dabei wer­den die Basiszahlen nach vier Altersgruppen, Geschlecht und Krankheitslast pro Re­gion unterteilt.

„Die errechneten regionalen Verhältniszahlen spiegeln dann wider, ob in einem Pla­nungsbereich mehr oder weniger Ärzte benötigt werden als im Bundesdurchschnitt“, heißt es vom G-BA. Diese Berechnungen finden nun auf KV-Regionsebene statt. Mit den Veränderungen in der Richtlinie sind aber bereits jetzt die zusätzlichen Sitze für Pädiater, Nervenärzte, Psychotherapeuten und Fachinternisten festgestellt worden. Grundlage für diese Regelungen ist ein Gutachten der LMU München, das eine Ar­beitsgruppe um Leonie Sundmacher erstellt hat.

Unterquoten für Internisten

Neu sind auch Regelungen zu Unterquoten für Internisten. Hier können künftig Ober­grenzen für einzelne Fachgruppen wie beispielsweise Kardiologen oder Gastroentero­logen festgelegt werden. Dies hatte Hecken mehrfach eingefordert, und „nach vier Jahren hat auch der Gesetzgeber hier endlich ein Ohr“, so Hecken.

Damit soll auch erreicht werden, dass freie internistische Arztsitze mit klaren Unter­fach­­gruppen besetzt werden müssen. Beispielsweise sollen so mehr Sitze speziell für Rheumatologen ausgewiesen werden können. Für diese internistische Fachgruppe wird beispielsweise eine Mindestquote von acht Prozent festgelegt. Für Kardiologen liegt dagegen der Höchstanteil bei 33 Prozent, für Gastroenterologen bei 19 Prozent. Hecken betonte, dass es für bestehende Praxen Bestandsschutz gebe. Er werde „niemanden enteignen“.

Kritik von Bundes­psycho­therapeuten­kammer

Während die Krankenkassen die Regelung loben und der AOK Bundesverband nun „innovative regionale Versorgungsangebote“ zum Kampf gegen den Ärztemangel an­mahnt, kritisierte die Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) den G-BA-Beschluss heftig. In einer Pressemitteilung heißt es, dass die Reform hinter den Erwartungen zurückbleibe.

Die Kammer hat auch einen Schuldigen ausgemacht: „Die Krankenkassen sperrten sich von Anfang an gegen auch nur einen zusätzlichen Praxissitz“, erklärte Dietrich Munz, BPtK-Präsident. „Mit dieser destruktiven Strategie blockierten sie den G-BA und verhinderten eine sachgerechte Lösung“, hieß es in einer Mitteilung. Die Kammer sieht in dem Gutachten von Sundmacher einen Bedarf von mehr als 2.400 zusätzli­chen Sitzen für Psychotherapeuten.

Dieser Kritik trat der G-BA-Vorsitzende Hecken entschieden entgegen: „Nachdem alle gemeinsam, von der KBV über die Patienten und auch die Ländervertreter, für eine Reform gestimmt haben, muss sich nun eine Bank im G-BA nicht derart be­schimpfen und unhaltbare Vorwürfe machen lassen“, erklärte Hecken.

Der Vorwurf der BPtK, die Wartezeiten auf Termine würden mit dieser Reform bundes­weit erhöht, wies Hecken zurück. „Wir sollen hier viel eher die Frage stellen, warum in Zentren wie Freiburg bei einem Versorgungsgrad von 300 Prozent die Wartezeiten ebenso hoch sind wie in anderen Regionen.“ © bee/aerzteblatt.de

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Avatar #550935
Dr. med. Armin Conradt
am Freitag, 17. Mai 2019, 13:49

#fjmvw

Die aktuellen Zahlen lauten:
25.000.000.000 Euro Budget,
148.000 Niederlassene Ärzte,
1. 000.000.000 Behandlungen,
macht 170.000 pro Arzt
und 4100 Euro "freiwillige Spende" vom Umsatz für die Versorgungsverbesserung der Kassenpatienten.
Bei 220.000 Euro Praxiskosten ein fatales Vergnügen.
Avatar #14213
joerg.daehn
am Freitag, 17. Mai 2019, 08:21

Die handwerkliche und interlektuelle Qualität

unserer Politiker und ihrer Entscheidungen ist im wahrsten Sinne atemberaubend. Weiter so, Deutschland!
Avatar #88767
fjmvw
am Donnerstag, 16. Mai 2019, 21:44

Titanic voll auf Kurs!

30.000.000.000 Euro für 100.000 Ärzte = 300.000 Euro pro Arzt.
30.000.000.000 Euro für 103.500 Ärzte = 290.000 Euro pro Arzt.

Der GBA hat also nichts anderes als eine Honorarkürzung um rund 3% für jeden einzelnen Arzt beschlossen.
DAS haben Sie nicht verstanden? Gut, dann müssen Sie Ärztefunktionär sein. Jeder konservative GOUDAH-Arzt versteht das auf Anhieb.
;-)
Avatar #550935
Dr. med. Armin Conradt
am Donnerstag, 16. Mai 2019, 21:42

3500 Arztsitze mehr...

.... Und wer bitte bezahlt das?
Die Ärzte wieder selbst aus ihrem Fixbudget?
Politik auf dem Rücken der Praxis Mitarbeiter?
LNS

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