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Medizin

Chromosomen von Ärzten altern im ersten Berufsjahr schneller

Donnerstag, 16. Mai 2019

/biker3, stockadobecom

Providence/Rhode Island – Der Stress des ersten Berufsjahres, in dem US-Ärzte häufig 65 Wochenstunden oder länger in der Klinik verbringen, hinterlässt offenbar Spuren im Erbgut. In einer Beobachtungsstudie in Biological Psychiatry (2019; doi: 10.1016/j.biopsych.2019.04.030) kam es zu einer Verkürzung der Telomere an den Chromoso­­men, was Forscher als Zeichen für eine frühzeitige Alterung des Organismus werten.

Die „Intern Health Study“ begleitet Ärzte im ersten Berufsjahr an 55 US-Universitäts­kliniken. In dieser Zeit sind die „Interns“ durch die neue Umgebung und den hohen Zeitaufwand der Ausbildung erhöhten psychischen Belastungen ausgesetzt. Um die Auswirkungen näher zu untersuchen, haben Kathryn Ridout von der Brown University in Providence/Rhode Island und Mitarbeiter die Länge der Telomere in Blutzellen untersucht. Die Telomere sind die Endstücke der Chromosomen, die sich bei jeder Zellteilung verkürzen. Wird eine Mindest­länge unterschritten, sind keine Zellteilungen mehr möglich. Die Länge der Telomere ist deshalb ein Zeichen für die Alterung eines Organismus.

Frühere Studien hatten gezeigt, dass Stress die Telomere verkürzt. Dies ist auch bei den 250 „Interns“ nachweisbar, deren Blutproben Ridout untersuchen konnte. In der Gesamtgruppe verkürzten sich die Telomere von durchschnittlich 6465,1 auf 6321,5 Basenpaare am Ende des ersten Berufsjahres. Dies entspricht laut Ridout der sechsfachen Geschwindigkeit der normalen Alterung. In einer früheren Untersuchung hatte die Forscherin zeigen können, dass eine beschleunigte Verkürzung der Telomere das Risiko von Depressionen steigert. Dies entspricht epidemiologischen Untersuchungen an US-Ärzten, von denen viele während der ersten Berufsjahre ein Burnoutsyndrom oder manifeste Depressionen entwickeln.

Der wichtigste Risikofaktor für die Verkürzung der Telomere war in der Studie die Wochenarbeitszeit. Sie betrug im Durchschnitt 64,5 Stunden. Es gab aber auch Ärzte, die auf mehr als 80 Wochenstunden kamen.

 
Die Forscher untersuchen derzeit, welche Auswirkungen die Länge der Telomere auf die psychische Befindlichkeit sowie auf Schlaf und körperliche Aktivitäten haben. Interessant wären laut Ridout auch Vergleiche zu Berufsanfängern in anderen Berufen, die in den ersten Jahren auch mental herausgefordert sind und längere Wochenarbeitszeiten haben. Auch bei Soldaten könnte der Drill der Grundausbildung Spuren im Erbgut hinterlassen, vermutet Ridout. © rme/aerzteblatt.de

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