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Medizin

Transgenderfrauen haben erhöhtes Brustkrebsrisiko

Donnerstag, 16. Mai 2019

/dpa

Amsterdam – Transgenderfrauen, die als Mann geboren wurden, später aber mit Unterstützung einer Hormonbehandlung eine weibliche Geschlechtsidentität anneh­men, haben ein erhöhtes Brustkrebsrisiko. Die Tumore traten in einer Kohortenstudie im britischen Ärzteblatt (BMJ 2019; 365: l1652) nach einer medianen Behandlungs­dauer von 18 Jahren um das 50. Lebensjahr herum auf.

Die Gender-Clinic am Medizinischen Zentrum der Vrije Universiteit Amsterdam betreut mehr als 95 % aller Transgender in den Niederlanden. Unter den 6.793 Trans­gen­dern haben 2.260 Transgenderfrauen und 1.229 Transgendermänner eine Hormon­behandlung durchführen lassen.

Transgenderfrauen werden normalerweise mit Antiandrogenen und Östrogenen behandelt. Transgendermänner (die als Frau geboren wurden) erhalten Testosteron. Spätestens seit den Erfahrungen mit der postmenopausalen Hormontherapie musste damit gerechnet werden, dass Transgenderfrauen ein erhöhtes Brustkrebsrisiko haben, und die Analyse, die ein Team um Martin den Heijer von VUMC jetzt vorstellt, bestätigt diese Vermutung.

Von den 2.260 mit Hormonen behandelten Transgenderfrauen sind bisher 15 an einem invasiven Mammakarzinom erkrankt. Bei drei weiteren wurde ein nichtinvasiver Brustkrebs diagnostiziert. Die Karzinome traten 7 bis 37 Jahre nach dem Beginn der Hormon­behandlung im Alter von median 50 Jahren auf (Interquartilbereich 43 bis 55 Jahre). Es handelt sich um duktale Karzinome (10 von 15), die zumeist Östrogen­rezeptor-positiv (10 von 12), aber auch Progesteronrezeptor-positiv (8 von 12) waren. Einer der 12 getesteten Tumore war auch HER2-positiv.

Brustkrebse treten damit 46,7-fach häufiger auf als bei Cisgender-Männern (95-%-Konfidenzintervall 27,2 bis 75,4) in den Niederlanden. Sie sind jedoch zu 70 % seltener (relative Inzidenzrate 0,30; 0,20 bis 0,40) als bei Cisgender-Frauen. Für den Heijer gibt es deshalb keinen Grund für ein intensiviertes Screening. Der Endokrinologe rät den Transgenderfrauen, an den für Cisgenderfrauen empfohlenen Mammografien teilzunehmen. Sie sollten damit im Alter ab 50 Jahren, spätestens aber nach 5 Jahren Hormon­behandlung beginnen.

Von den 1.229 Transgendermännern sind bisher 4 an einem invasiven Mammakarzinom erkrankt, darunter waren 3 duktale Karzinome. Die Karzinome sind hier vermutlich nicht auf die Hormonbehandlung zurückzuführen, da Testosterone kein Mammakarzinom auslösen. Die Therapie kann jedoch die Östrogenproduktion nicht vollständig unterdrücken, sodass auch Transgendermänner nach Einschätzung von den Heijer im Alter ab 50 Jahren am Mammografiescreening teilnehmen sollten. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #775610
TeichertG
am Montag, 17. Juni 2019, 15:57

Transfeindlichkeit

Diese Meldung ist so durch und durch voller transfeindlicher Begriffe und damit auch transfeindlicher Vorstellungen, dass die wichtige Botschaft, nämlich das trans Frauen regelmäßig zur Brustkrebsvorsotge gehen sollten, kaum zu Geltung kommt.

Frauen sind Frauen und keine ist eine Transgenderfrau oder Cisgenderfrau, wenn überhaupt gibt es cis und trans Frauen. Keine von ihnen wird "als Mann geboren" und keine benötigt für ihre Geschlechtsidentität zwangsläifig Hormone. Trans Frauen haben körperliche Merkmale, die medizinisch und gesellschaftlich als männlich gelesen werden. Mit medizinischer Unterstützung (Homone, OP,...) gleichen sie ihre körperlichen Merkmale gegebenfalls an ihr Geschlecht an.

Gleiches gilt übrigens auch für trans Männer.

Ach ja, und manche trans Menschen, die Hormone nehmen sind enby, auch wenn sie z.B. Antiandrogenen und Östrogenen einnehmen.

Bitte Reproduzieren Sie mit Ihren MEldungen keine transfeindlichen Stereotype.
LNS

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