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Gesetzentwurf zur Notfallreform kommt im Sommer

Donnerstag, 16. Mai 2019

/dpa

Berlin – Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) will noch in diesem Sommer einen Gesetzentwurf für eine Reform der Notfallversorgung vorlegen. Das kündigte der Abteilungsleiter für Gesundheitsversorgung und Kran­ken­ver­siche­rung im BMG, Joachim Becker, heute bei einer Veranstaltung zur Zukunft der Notfallversorgung des Zentral­instituts für die Kassenärztliche Versorgung (Zi) in Berlin an.

Im vergangenen Dezember hatte das BMG dazu Eckpunkte vorgelegt. Sie sehen unter anderem vor, gemeinsame Notfallleitstellen einzurichten, die unter den Telefon­nummern 112 (Rettungsdienst) und 116117 (ärztlicher Bereitschaftsdienst) zu errei­chen sind. Dort sollen Patienten nach einer qualifizierten Ersteinschätzung an die richtige Versorgungs­ebene weitervermittelt werden.

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Außerdem sollen Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) und Krankenhäuser gemein­sam an ausgewählten Kliniken Integrierte Notfallzentren betreiben, die als erste An­lauf­stelle für Notfallpatienten dienen, diese triagieren und entweder an den Rettungs­dienst, in die Krankenhausambulanz oder die Bereitschaftsdienstpraxis weiter­leiten. Ziel ist es, die zunehmende Fehlinanspruchnahme von Krankenhausambulanzen und Rettungsdienst zu beenden.

Softwareunterstützte Ersteinschätzung am Telefon

Im Vorgriff auf den Gesetzentwurf haben das Zi und die Kassenärztliche Bundesver­eini­gung (KBV) heute ein evidenzbasiertes System für die Ersteinschätzung am Tele­fon vorgestellt. Mit dem softwaregestützten Verfahren SmED (strukturierte medizini­sche Ersteinschätzung in Deutschland) sollen Patienten künftig von medizinisch qua­li­fiziertem, nicht ärztlichem Personal durch strukturierte Fragen zur weiteren Abklärung ihrer Beschwerden in die richtige Versorgungsebene gelenkt werden.

Grundlage von SmED ist nach Angaben des Zi ein in der Schweiz erprobtes Erstein­schätzungsverfahren, das für die Anwendung in Deutschland adaptiert wurde. Abge­fragt werden Patientendaten wie Geschlecht und Alter, chronische Krankheiten, Vor­erkrankungen und Medikation, Leitsymptome und Begleit­beschwerden. Das Ergebnis sei keine Diagnose, sondern eine Einschätzung der Dringlichkeit der Behandlung, erklärte Zi-Geschäftsführer Dominik von Stillfried. Einige KVen arbeiteten bereits mit dem System. Ab 2020 soll es möglichst flächendeckend ausgerollt werden, so von Stillfried.

Die medizinischen Inhalte des Systems basierten auf dem Projekt „Red Flags“ des Instituts für Hausarztmedizin der Universität Bern und würden laufend aktualisiert, er­klärte Andreas Meer, Geschäftsführer der Schweizer in4medizine AG, die das Schwei­zer Ersteinschätzungs­system konzipiert hat.

Für die laufende Weiterentwicklung, die Qualitätssicherung und Evaluation sowie die Bereitstellung der Software in Deutschland hat das Zi nach eigenen Angaben einen Kooperationsvertrag mit dem aQua-Institut und in4medicine geschlossen. Das Zi werde SmED allen KVen und zur Verfügung stellen. Auch Krankenhäuser könnten die Software lizensieren.

Keine Konkurrenz für klassische Triagesysteme

Einige Notfallmediziner hätten kritisiert, dass SmED für ihre Fälle nicht geeignet sei, räumte der stellvertretende Vorsitzende der KBV, Stephan Hofmeister, ein. Das sei ein Missverständ­nis. SmED sei nicht für den Einsatz bei klinischen Notfällen gedacht und deshalb auch keine Konkurrenz für etablierte Verfahren wie beispielsweise das Man­chester Triage System.

„Unser Verfahren dient dazu, Menschen, die sich selbst als akut behandlungsbedürftig einschätzen und aus eigener Kraft vorstellen, ambulant weiter zu versorgen, sofern dies erforderlich und geboten ist“, sagte Hofmeister. Ein solches Ersteinschätzungs­system habe es bislang für den ambulanten Bereich schlichtweg nicht gegeben.

Das System solle zudem für den Einsatz an den gemeinsamen Tresen in den gesetz­lich geplanten Integrierten Notfallzentren angepasst werden. Auch Patienten solle in naher Zukunft eine Anwendung als App beispielsweise für Smartphones zur Verfü­gung stehen.

„Wir wollen die Menschen dazu befähigen, eine Entscheidung zu treffen, die auf Fak­ten beruht und nicht auf einem bloßen Bauchgefühl oder aus einer reinen Anspruchs­haltung heraus“, sagte der KBV-Vorstand. Angesichts von Fachkräftemangel und zu­rückgehenden ärztlichen Arbeitskapazitäten sei es dringend notwendig, mit den vor­handenen Ressourcen behutsam umzugehen. © HK/aerzteblatt.de

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