NewsÄrzteschaftUnfallchirurgen warnen vor Gefahren durch E-Scooter
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Unfallchirurgen warnen vor Gefahren durch E-Scooter

Freitag, 17. Mai 2019

/dpa

Berlin – Der Bundesrat hat heute grünes Licht für E-Scooter gegeben. Künftig dürfen diese mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 20 km/h am Straßenver­kehr teil­neh­men. Die Deutsche Gesell­schaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) rech­net mit steigenden Unfallzahlen.

Anders als in der Regierungsverordnung ursprünglich vorgesehen, dürfen die E-Scooter nicht auf Gehwegen und in Fußgängerzonen fahren, sondern ausschließ­lich auf Radwegen und Radfahrstreifen. Gibt es solche nicht, müssen die Roller auf die Straße. Für alle E-Scooter gilt ein Mindestalter von 14 Jahren. Dies machte der Bundesrat zur Bedingung für seine Zustimmung.

Anzeige

Keine Helmpflicht

Die Roller müssen darüber hinaus bremsen können und eine Beleuchtungsanlage haben. Zum Versicherungsnachweis wurde von der Bundesregierung eigens eine aufklebbare Versicherungsplakette zur Anbringung an E-Scootern konzipiert. Eine Helmpflicht besteht aber nicht.

Ab wann die E-Scooter tatsächlich fahren dürfen, entscheidet die Bundesregierung. Sie muss die vom Bundesrat beschlossenen Änderungen noch umsetzen, dann kann sie die Verordnung im Bundesgesetzblatt verkünden.

Die DGOU wies heute auf erhöhte Risiken bei der Nutzung der Elektroroller hin. Diese würden ein „deutlich erhöhtes Verletzungsrisiko“ bergen, sagte Christopher Spering, Leiter der DGU-Sektion Prävention, der Neuen Osnabrücker Zeitung. Für ihn sind die E-Scooter im Stadtverkehr „hochgefährlich“, auch weil sich andere Verkehrs­teilnehmer nur extrem schwer darauf einstellen könnten.

In der Klinik für Unfallchirurgie in Göttingen seien allein in den zurückliegenden vier Wochen zwei schwer verletzte E-Rollerfahrer behandelt worden, berichtete Spering. Er ist dort Oberarzt. Beide hätten ein Schädel-Hirn-Trauma und Verrenkungsbrüche im Bereich der Sprunggelenke gehabt.

„Die Trittbretter der Roller sind tief, sodass sich bei Stürzen der Fuß schnell darunter verfängt“, sagte der DGU-Experte. Er warnt, mit dem Roller sei man so schnell wie mit dem Fahrrad unterwegs, jedoch völlig unge­schützt, zumal es keine Helmpflicht geben werde.

Nachteile für Fahrradfahrer befürchtet

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) befürchtet außerdem erhebliche Nach­teile für Fahrradfahrer. „Wir laufen Gefahr, dass auch auf Radwegen der motorisierte den nichtmotorisierten Verkehr verdrängt“, sagte BUND-Verkehrsexperte Jens Hilgen­berg der Zeitung. Die ohnehin schon sehr begrenzte Fläche, die dem Radverkehr aktuell zugestanden werde, für weitere Nutzungen freizugeben, sei zu kurz gedacht.

Auch auf die Umwelt kämen neue Belastungen zu. In europäischen Städten, in denen solche E-Scooter bereits fahren, würden Leih-Roller schon nach drei Monaten ausge­tauscht und verschrottet. „Hier besteht nicht nur die Gefahr, dass Innenstädte mit abgewrackten E-Scootern zumüllen. Es würden auch problematische Rohstoffe wie Lithium und Aluminium verschwendet“, sagte Hilgenberg. © may/dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #760232
penangexpag
am Freitag, 17. Mai 2019, 19:39

Elektro-Roller

Kommerz um jeden Preis - denn nichts anderes ist dieser Schwachsinn und schließt sich nahtlos an den Schwachsinn mit den Drohnen an.
Und wer mal unvoreingenommen beobachtet, wie ältere Leute, die für ein normales Fahrrad nicht mehr die notwendige körperliche Leistungsfähigkeit haben, mit ihren Elektro-Fahrrädern losbrettern - und das oft "aus Sicherheitsgründen" auf dem Gehweg, dem müssen auch hier ernste Zweifel kommen. Daß jeder 2 Beine hat,die ihren naturgemäßen Gebrauch herausfordern - daß zählt schon nicht mehr. Ich habe als Kind einen Schulweg von 2x5 Km zu Fuß gehabt, oft bei Mangelernährung. Allerdings habe ich auch keinen Laptop und kein Handy rumgeschleppt.
LNS

Nachrichten zum Thema

29. April 2019
Berlin – Ärzte und nicht Ökonomen müssen darüber entscheiden, welche Implantatmodelle welcher Hersteller in einer Klinik zum Einsatz kommen. Das fordern die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und
Implantatauswahl muss laut Fachgesellschaft in ärztlicher Hand bleiben
29. April 2019
London – Der Versuch, die hohe Mortalität nach Notfalloperationen in der Darmchirurgie durch ein Bündel von Maßnahmen zu senken, auf die sich britische Chirurgen verständigt hatten, ist in einer
Notfalllaparotomie: 37 Maßnahmen zur Qualitätssicherung bleiben ohne Wirkung
25. März 2019
München – Die Chirurgen in Deutschland warnen vor Nachwuchsmangel. Gerade auf dem Land fehle es längst nicht mehr nur an Hausärzten, sondern auch an Chirurgen, sagte der Präsident der Deutschen
Fachgesellschaft warnt vor Chirurgenmangel auf dem Land
15. März 2019
Pretoria – Erneut haben Ärzte in Südafrika Medizingeschichte geschrieben: Wie die Universität von Pretoria gestern mitteilte, sei es einem Ärzteteam erstmalig gelungen, ein Mittelohr aus dem
In Südafrika erstmals Mittelohr aus 3-D-Drucker transplantiert
11. März 2019
Silver Spring – Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) beklagt in einem Brief an Ärzte („Health Care Providers“) eine zunehmende Zahl von Komplikationen („medical device reports“,
FDA sieht Sicherheitsrisiken bei chirurgischen Klammern und Klammernahtgeräten
26. Februar 2019
Nürnberg – Der Berufsverband der Deutschen Chirurgen (BDC) will seine Nachwuchsarbeit ausbauen und dabei unter anderem auf das Praktische Jahr (PJ) setzen. „2025 werden wahrscheinlich 10.000 Chirurgen
Chirurgen setzen auf das Praktische Jahr für die Nachwuchsgewinnung
25. Februar 2019
Berlin – Im geplanten Implantationsregister nicht nur Produkte zu erfassen, sondern auch den Operateur und die Patienten-Compliance einzubeziehen, fordert der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed).
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER