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Medizin

Studie: Benzodiazepine erhöhen Fehlgeburtrisiko

Freitag, 17. Mai 2019

/Andrey Popov, stockadobecom

Montreal – Eine Einnahme von Benzodiazepinen in der Frühschwangerschaft war in einer Fall-Kontroll-Studie in JAMA Psychiatry (2019; doi: 10.1001/jamapsychiatry.2019.0963) mit einem erhöhten Fehlgeburtrisiko assoziiert. Betroffen waren sowohl kurz- als auch langwirksame Substanzen. Eine Dosis-Wirkungs-Beziehung spricht für einen kausalen Effekt.

Benzodiazepine passieren die Plazentaschranke und reichern sich im fetalen Kreislauf an, wo sie in bis zu 3-fach höherer Konzentration vorhanden sind als im Blut der Mutter. In Nordamerika werden sie unter der Schwangerschaftskategorie D („Positive evidence of risk“) geführt. In Deutschland wird eine strenge Indikationsstellung gefordert. Ein früherer Verdacht auf eine teratogene Wirkung hat sich laut embryotox.de jedoch nicht bestätigt.

Trotz der nicht eindeutigen Sicherheitslage werden Benzodiazepine an Schwangere verordnet. In der Quebec Pregnancy Cohort, die Daten zu allen Schwangerschaften in dem kanadischen Teilstaat auswertet, hatten 375 von 27.149 Frauen (1,4 %), bei denen es zu einem Spontanabort kam, vorher wenigstens ein Benzodiazepin-Rezept erhalten. Von den 134.305 Kontrollen, Frauen mit Lebendgeburten, war nur 788 oder 0,6 % in der Frühschwangerschaft ein Benzodiazepin-Rezept verordnet worden.

Dies ergibt nach einer Analyse von Anick Bérard von der Universität Montreal und Mitarbeitern eine Odds Ratio von 2,39, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 2,10 bis 2,73 signifikant war. Benzodiazepin-Anwenderinnen erlitten demnach doppelt so häufig eine Fehlgeburt.

Die Frauen, die Benzodiazepine einnahmen, hatten jedoch etwas häufiger andere mögliche Risikofaktoren für eine Fehlgeburt wie ein höheres Alter, den häufigeren Bezug von Sozialhilfe, arterielle Hypertonie oder Asthma, die den Einfluss der Benzodiazepine abschwächten. Doch auch die adjustierte Odds Ratio von 1,85 blieb mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,61 bis 2,12 signifikant.

Die Assoziation war sowohl für kurzwirksame Benzodiazepine (adjustierte Odds Ratio 1,81; 1,55 bis 2,12) als auch für lang langwirksame Benzodiazepine nachweisbar (adjustierte Odds Ratio 1,73; 1,31-2,28) und sie ließ sich auch für einzelne Wirkstoffe nachweisen, am stärksten für Diazepam (adjustierte Odds Ratio 3,43; 1,42-8,32), Temazepam (adjustierte Odds Ratio 2,74; 1,29-5,84) und Bromazepam (adjustierte Odds Ratio 2,34; 1,11-4,93).

Außerdem gab es eine Dosis-Wirkungs-Beziehung, die in epidemiologischen Studien für eine Kausalität spricht. Bei einer Tagesdosis von weniger als 5 mg Diazepam-Äquivalent betrug die adjustierte Odds Ratio 1,73 (1,44-2,08). Bei einer Tagesdosis von 6 bis 20 mg Diazepam-Äquivalent stieg sie auf 1,96 (1,59-2,43) und bei einer Tagesdosis von mehr als 20 mg Diazepam-Äquivalent auf 2,55 (1,08-6,01).

Bérard riet den Ärzten, bei einer Verordnung Nutzen und Risiko sorgfältig abzuwägen und Benzodiazepine Schwangeren wenn überhaupt nur für kurze Zeit zu verschreiben. © rme/aerzteblatt.de

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