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Medizin

DNA-Sequenzierung beweist Übertragung einer Hautdiphtherie in Deutschland

Freitag, 17. Mai 2019

Corynebacterium diphtheriae /dpa

München – Durch den Nachweis von genetisch identischen Corynebakterien in den Hautläsionen von 2 Geschwisterkindern mit somalischem Migrationshintergrund konnte weltweit erstmals die direkte Übertragung einer Hautdiphtherie zweifelsfrei belegt werden. Die in Eurosurveillance (2019; 24: 1800683) und im Epidemiologischen Bulletin (2019; 20: 169-171) vorgestellten Fälle sind zugleich der erste nachgewiesene Diphtherie-„Ausbruch“ in Deutschland seit fast 40 Jahren.

Die Diphtherie hat ihren Schrecken zumindest in Europa verloren. Die letzte große Epidemie in Deutschland trat im zweiten Weltkrieg in den Jahren 1942 bis 1945 auf. Allein im Jahr 1943 erkrankten 245.000 Menschen. Kleinere Ausbrüche hat es dann noch Ende der 1970er-Jahre in verschiedenen Städten Nordrhein-Westfalens gegeben – teilweise mit letalen Ausgängen.

Seither ist eine Rachendiphtherie die Ausnahme. Es kommt aber immer wieder zu Erkrankungen an einer Hautdiphtherie, da der Erreger, toxinbildende Corynebakterien, im Erdreich vorhanden ist und Hautwunden infizieren kann. Im Zeitraum von 2001 bis 2016 wurden dem Robert-Koch-Institut 80 Fälle übermittelt.

Betroffen sind meist Patienten mit Diabetes mellitus, Ulcus cruris oder Hautkrankheiten und/oder Patienten mit prekären Lebensumständen wie Obdachlosigkeit, Alkoholabusus oder intravenösem Drogenkonsum. Ein erhöhtes Risiko haben auch Migranten aus Ländern, in denen nicht konsequent gegen Diphtherie geimpft wird. Zu den Ländern mit den niedrigsten Impfquoten weltweit gehört Somalia. Von dort kamen 2 Kinder, bei denen im September letzten Jahres genetisch identische Erreger in Hautwunden nachgewiesen wurden.

Zuerst war die Infektion bei dem jüngeren Geschwisterkind aufgefallen. Es hatte sich beim Rückflug von einem 3-wöchigen Aufenthalt in Somalia mit heißem Tee am Oberschenkel verbrüht. Da die Wunde nur langsam abheilte, wurde das Kind stationär behandelt. In einem Wundabstrich wurde dann zunächst nur S. pyogenes gefunden. Bei einem Kontrollabstrich 10 Tage später wurde dann C. diphtheriae mit Penicillin-G- und Erythromycin-Resistenz nachgewiesen, die eine meldepflichtige Erkrankung ist.

Das Kind wurde den Empfehlungen entsprechend isoliert und eine Untersuchung von Kontaktpersonen eingeleitet. Dabei bemerkten die Mediziner, dass ein älteres Geschwisterkind unter nicht heilen wollenden Insektenstichen litt. Eine Läsion wies den für die Diphtherie typischen „ausgestanzten“ Randsaum auf. Im Abstrich wurde ebenfalls C. diphtheriae nachgewiesen.

Ein vom Konsiliarlabor für Diphtherie am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Oberschleißheim bei München veranlasstes „Next Generation Sequencing“ (NGS) ergab, dass die DNA der Erreger bei beiden Kindern in allen 2.154 untersuchten Genloci identisch war.

Damit ist so gut wie sicher, dass eines der Kinder das andere infiziert haben muss. Laut Andreas Sing, dem Leiter des Konsiliarlabors, handelt es sich um den weltweit ersten NGS-basierten Nachweis eines Hautdiphtherieausbruchs durch C. diphtheriae und den ersten nachgewiesenen Diphtherie-„Ausbruch“ in Deutschland seit fast 40 Jahren.

Die identische DNA belegt zwar die Übertragung, nicht aber die Richtung. Da das ältere Geschwisterkind zuerst erkrankt war, wird es wohl der Überträger sein. Es hatte sich möglicherweise bei dem Besuch in der Heimat infiziert. Da es von dort keine Proben gibt, lässt sich dies aber nicht beweisen.

Beide Kinder waren übrigens gegen Diphtherie geimpft. Die Impfung schützt vor der Rachendiphtherie, nicht aber vor einer Hautdiphtherie. Die Ansteckungsgefahr der Hautdiphtherie dürfte allerdings im Gegensatz zur Rachendiphtherie gering sein, zumal sie eine anders erworbene Hautläsion voraussetzt. Bei der Umgebungsuntersuchung wurden denn auch keine weiteren Fälle entdeckt. Den Kontaktpersonen wurde dennoch eine Antibiotikaprophylaxe angeboten. Eine Person wurde wegen fehlenden Impfschutzes nachgeimpft. © rme/aerzteblatt.de

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