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Medizin

Eine frühere Infektion mit Dengueviren kann Zikaviren „entschärfen“

Montag, 20. Mai 2019

Das kongenitale Zikavirus-Syndrom umfasst unter anderem eine schwere Mikrozephalie, Hirnanomalien wie zum Beispiel eine intrakranielle Kalzifikation oder eine Ventrikulomegalie sowie Auffälligkeiten am Auge wie Mikrophthalmie oder Katarakte. /dpa

Berlin – Eine Infektion mit Dengueviren könnte vor zikaassoziierten Schäden schützen. Das zeigen Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) in einer Studie mit Zikavirus-seropositiven Müttern von Neugeborenen mit dem kongenitalen Zikavirus-Syndrom (CZS). Die Ergebnisse wurden in Emerging Infectious Diseases publiziert (2019; doi: 10.3201/eid2508.190113).

Lange Zeit wurde vermutet, dass eine frühere Infektion mit Dengueviren die Auswir­kungen einer Zikainfektion verstärkt. Bereits frühere Studien bei Mäusen deuteten jedoch darauf hin, dass Antikörper gegen Dengue auch gegen das Zikaviren helfen könnten (Nature Immunology  2017). Die Ergebnisse aus Tierstudien waren jedoch sehr heterogen.

In der neuen Studie konnten die Forscher den Hinweis für eine protektive Wirkung von Dengue-Antikörpern bei infizierten Müttern bestätigen. Sie hatten 29 Zikavirus-seropositive Mütter von Neugeborenen mit CZS und 108 Zika virus-seropositive Kontrollmütter mit Kindern ohne CZS untersucht. Die Dengueviren-Titer unterschieden sich nicht signifikant zwischen betroffenen Müttern und Kontrollen. Bei der Analyse der Dengue-Seroprävalenz stellte sich heraus, dass diese mit 65,5 % bei Müttern von Kindern mit CZS signifikant niedriger war als bei den Kontrollen mit 91,7 %. Der protektive Effekt sei insbesondere bei Müttern zur Geltung gekommen, die sich mehrfach mit unterschiedlichen Dengue-Serotypen infiziert hatten.

„Wir wissen inzwischen, dass eine Zikavirusinfektion während der Schwangerschaft zu Schädigungen des Fötus führen kann. Dazu gehören die Mikrozephalie und andere mitunter gravierende Symptome“, erklärt Felix Drexler vom Institut für Virologie der Charité. Der Leiter der Studie entwickelt in Zusammenarbeit mit dem DZIF seit vielen Jahren Nachweisverfahren für Zika- und andere Viren.

Verdächtiger Co-Faktor: Dengue

„Was wir bisher allerdings nicht verstanden haben, ist das gehäufte Auftreten von zikaassoziierten Mikrozephalien in bestimmten Regionen, zum Beispiel im Nordosten Brasiliens“, sagt Drexler. Das internationale Forschungsteam begann nach Co-Faktoren zu suchen, die darüber entscheiden, ob eine Zikainfektion während der Schwangerschaft fatale Folgen hat oder nicht.

Verdächtigt als Co-Faktor wurden Dengueviren, die in Lateinamerika weit verbreitet sind und das gleichnamige Fieber auslösen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vermuteten zunächst, dass die Antikörper, die der Mensch gegen das Denguevirus bildet, bei einer späteren Zikainfektion zu einer Fötusschädigung beitragen könnten. Man weiß seit Längerem, dass diese Antikörper unter bestimmten Bedingungen Infektionen verstärken können. Doch bei Zika scheint das Gegenteil der Fall zu sein. „Unsere Studie zeigt überraschenderweise, dass frühere Dengueinfektionen vielmehr vor zikaassoziierten Schädigungen schützen“, betont Drexler.

Um die Interaktion zwischen Dengue- und Zikaviren zu untersuchen, verglichen die Forschenden zunächst das Erbgut aller bekannten Dengueviren aus Brasilien untereinander. So wollten sie herausfinden, ob im Nordosten Brasiliens in den letzten Jahrzehnten andere Dengueviren vorkamen und in dieser Region somit eine unterschiedliche Immunität hinterlassen haben als in anderen Teilen Brasiliens. Zudem testeten sie bei 29 Müttern, die eine Zikavirus-Infektion während der Schwangerschaft hatten und deren Babys Mikrozephalie zeigten, ob sie Antikörper gegen die vier verschiedenen Typen des Denguevirus aufwiesen. Als Kontrolle dienten Proben von 108 zikavirusinfizierten Müttern mit gesunden Kindern.  

„Die Ergebnisse zeigen, dass eine bestehende Immunität gegen das Denguevirus das Risiko für eine Zikainfektion mit fatalen Folgen für das Ungeborene signifikant verringert. Menschen mit früheren Dengueinfektionen brauchen sich also keine Sorgen machen, schwerer an Zika zu erkranken“, fasst Prof. Drexler die Ergebnisse zusammen. Für Schwangere ist das eine wichtige Entwarnung. Der Verdacht, dass das Denguevirus ein Co-Faktor für Zikainfektionen bei Ungeborenen ist, hat sich damit nicht bestätigt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler suchen nun weiter nach Co-Faktoren, auch um das gehäufte Auftreten der Mikrozephalie im Nordosten Brasiliens erklären zu können, sowie nach Möglichkeiten, das Risiko dieser Erkrankung frühzeitig zu erkennen. © gie/aerzteblatt.de

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