NewsAuslandItalien beschlagnahmt Schiff von Hilfsorganisation Sea Watch
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Italien beschlagnahmt Schiff von Hilfsorganisation Sea Watch

Montag, 20. Mai 2019

Sea-Watch 3 /dpa

Rom/Berlin – Vier Tage nach der Rettung von 65 Bootsflüchtlingen durch die deutsche Hilfsorganisation Sea-Watch haben die italienischen Behörden deren Schiff beschlag­nahmt und die Migranten an Land gebracht. Die italienische Finanzpolizei setzte die „Sea-Watch 3“ gestern in italienischen Gewässern fest. Die verbliebenen 47 Migranten an Bord wurden am Abend in Motorbooten auf die Insel Lampedusa gebracht. Der rechtsnationale Innenminister Matteo Salvini reagierte empört.

„Die geretteten Personen sind alle an Land und werden von der italienischen Bevölke­rung willkommen geheißen“, teilte Sea-Watch im Kurzbotschaftendienst Twitter mit. Die deutsche Hilfsorganisation fügte einen Dank an die Italiener in der Landessprache hinzu: „Grazie Italia!“ Zur Beschlagnahme ihres Schiffes machte Sea Watch keine Angaben.

Anzeige

Das zivile Rettungsschiff „Sea-Watch 3“, das unter niederländischer Flagge fährt, hatte insgesamt 65 Migranten vor der Küste Libyens aus Seenot gerettet. Die Besatzung er­klärte danach, viele der geretteten Menschen litten unter Erschöpfung, Dehydrierung und Seekrankheit. Außerdem benötigten einige der Geretteten psychologische Betreu­ung. Einige Migranten durften daraufhin von Bord gehen.

Italiens Innenminister Matteo Salvini von der rechtsnationalen Lega hatte die „Sea-Watch 3“ dennoch davor gewarnt, sich italienischem Hoheitsgewässern zu nähern. „Unsere Häfen sind und bleiben geschlossen“, bekräftige er. Salvini verbietet seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr privaten Hilfsorganisationen, mit ihren Schiffen in Italien anzulegen. In der Folge mussten Migranten immer wieder tagelang auf Rettungsschiffen ausharren, bis ihr Landgang mit Italien oder anderen Ländern ausgehandelt war.

„Unsere Häfen sind und bleiben geschlossen“ Matteo Salvini, Innenminister Italiens

Dass die Migranten an Bord der „Sea-Watch 3“ von italienischen Beamten auf die Insel Lampedusa südlich von Sizilien gebracht wurden, erfuhr Salvini offenbar erst durch die Berichterstattung im Fernsehen. Er stellte daraufhin die Frage, wer in der Regierung eine solche Entscheidung gegen seine ausdrückliche Anordnung getroffen habe.

Vize-Ministerpräsident Luigi Di Maio von der mit der Lega regierenden populistischen Fünf-Sterne-Bewegung entgegnete, es sei unabdingbar, die Passagiere eines be­schlagnahmten Schiffes an Land zu bringen. Die Debatte um den Umgang mit Boots­flüchtlingen in Italien wird derzeit zusätzlich durch den Wahlkampf für die Europawahl kommende Woche angeheizt.

Salvini präsentiert sich als Verteidiger Italiens gegen illegale Einwanderung. Er plant derzeit dazu eine Notverordnung, die dem Kabinett in Kürze zur Abstimmung vorge­legt werden soll. Diese sieht vor, dass der Innenminister die Befugnis erhält, Schiffen die Einfahrt in italienische Gewässer aus Gründen der öffentlichen Ordnung zu unter­sagen. Geplant ist überdies, dass Hilfsschiffe für jeden Migranten, den sie ohne Erlaubnis nach Italien bringen, 3.500 bis 5.500 Euro Strafe bezahlen müssen.

Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte rief Italien in einem Brief an das Außenministerium in Rom dazu auf, diese Notverordnung nicht zu beschließen. Salvini wies die Kritik der UNO an seinem Vorhaben mit scharfen Worten zurück. Es handele sich hier um einen „internationalen Organismus, der die Steuerzahler Milliar­den Euro kostet, der Nordkorea und die Türkei als Mitglieder hat und der Italien Moral­predigten über Menschenrechte hält“, sagte Salvini und fügte hinzu: „Das verleitet zum Lachen.“

Die EU hat die Rettung von Geflüchteten im Mittelmeer vorerst eingestellt. Immer wie­der ertrinken Bootsflüchtlinge im Mittelmeer, die meisten beim Versuch einer Überfahrt von Libyen in die EU. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR spricht deshalb von „der tödlichsten Meeresüberquerung der Welt“. © afp/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

26. Juni 2019
Berlin – Kriege und der Klimawandel erschweren nach Angaben der Welthungerhilfe den Kampf gegen den Hunger in der Welt. Die Zahl der Hungernden habe in den vergangenen Jahren ebenso zugenommen wie die
Kriege und Klimawandel erschweren Kampf gegen den Hunger
26. Juni 2019
Rom/Straßburg – Die deutsche Hilfsorganisation Sea-Watch hat im Ringen um ihr blockiertes Rettungsschiff einen weiteren Rückschlag erlitten. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) kam
Kein Hafen für Sea-Watch
24. Juni 2019
Rom – Mit Qu Dongyu leitet erstmals ein Chinese die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations). Der promovierte Genetiker setzte sich
Chinese wird neuer Chef der UN-Ernährungsorganisation
24. Juni 2019
Maputo – 100 Tage nach der verheerenden Verwüstung durch Zyklon „Idai“ in Mosambik steht für mehr als eine Million Menschen das Schlimmste womöglich noch bevor. Rund 1,5 Millionen Menschen würden
Helfer warnen vor Hunger in Mosambik
20. Juni 2019
Bonn – Die Weltkulturorganisation Unesco sieht die Bildungssysteme in Aufnahmeländern von Flüchtlingen vor großen Herausforderungen. Zum heutigen Weltflüchtlingstag mahnte die Institution, die
Lehrer sollten besser auf traumatisierte Kinder vorbereitet werden
20. Juni 2019
Osnabrück – Das Kinderhilfswerk Terre des Hommes hat im vergangenen Jahr seine Einnahmen um rund acht Prozent auf 33,8 Millionen Euro gesteigert. Fast 18,6 Millionen Euro davon waren Spenden, teilte
Kinderhilfswerk Terre des Hommes steigert Einnahmen
19. Juni 2019
Berlin/Genf – Weltweit gibt es so viele Flüchtlinge und Vertriebene wie nie zuvor in der fast 70-jährigen Geschichte des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR). Ende vergangenen Jahres lebten 70,8 Millionen
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER