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Politik

Rund 10.000 Masernfälle in den vergangenen zehn Jahren

Montag, 20. Mai 2019

/dpa

Berlin – In den vergangenen zehn Jahren sind in Deutschland 9.907 Masernfälle re­gis­­triert worden. Die meisten Fälle, nämlich 2.465, wurden 2015 an das Robert-Koch-Ins­titut (RKI) übermittelt, wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion hervorgeht.

In den Jahren 2013 sind danach 1.768 und 2011 immerhin 1.608 registriert worden. Im laufenden Jahr sind es demnach bis April bisher 310 Maserninfektionen.

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Das durch­schnitt­liche Alter der betroffenen Patienten ist den Angaben zufolge seit Be­ginn der Meldepflicht 2001 kontinuierlich gestiegen. So lag der Anteil der gemeldeten Masernfälle bei Kindern von einem bis neun Jahren 2001 bei rund 55 Prozent, 2018 lag der Anteil bei etwa 31 Prozent.

Der Anteil der Masernfälle bei Erwachsenen ab 20 Jahren lag 2001 hingegen bei zwölf Prozent und 2018 bei 47 Prozent. Die höchste Zahl an Neuerkrankungen wurde seit 2006 in jedem Jahr allerdings bei Kindern in den ersten beiden Lebensjahren beob­achtet.

Bun­des­ge­sund­heits­­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) will aufgrund bestehender Impf­lücken neben der geplanten Masern­impf­pflicht für Kita- und Schulkinder auch eine Impfpflicht für Er­zieher und Lehrer sowie für das Gesundheitspersonal einführen.

Umfasst sind demnach alle Personen, die in medizinischen Einrichtungen tätig sind und dort mit Patienten Kontakt haben. Zu den medizinischen Einrichtungen gehören unter anderem Krankenhäuser, Einrichtungen für ambulantes Operieren, Art- und Zahnarztpraxen oder Geburtshäuser.

Die Masernimpfpflicht, die zum 1. März 2020 in Kraft treten soll, sorgte direkt nach Bekanntwerden für Diskussionen um ein Für und Wider der Impfpflicht in Deutschland. © kna/may/aerzteblatt.de

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Avatar #771555
Rosenkohl
am Sonntag, 9. Juni 2019, 15:06

Maserninzidenz 2,5-fach zu niedrig angegeben

Wir sind inzwischen einiges gewohnt. Was das RKI mit den Maserninzidenzen an Verdrehungen und auf den Kopf-Stellen der Tatsachen aufführt ist ein Stück aus dem statistischen Tollhaus. Diese Daten reproduziert unsere Bundesregierung auf Seite 4 der Antwort auf die parlamentarische Anfrage, und legt das Ge­sund­heits­mi­nis­terium seinen Gesetzesentwürfen zugrund.

Denn in den fünf Jahren von 2012 bis 2016 gab es 165+1768+442+2465+325=5165 gemeldete Fälle , also 1033 Fälle pro Jahr. Bei ca. 83 Millionen Einwohnern Deutschlands entspricht dies einer Inzidenz von ca. 12,5 Fällen pro 1 Million Einwohner.

Das RKI gibt als "Inzidenz = Fälle pro 1 Mio. Einwohner (Median)" der Jahre 2012-2016 jedoch nur 5,0 an.

Auf diese Weise sieht es plötzlich tatsächlich so aus, als sei die Inzidenz mit 11,4 im Jahr 2017 und immer noch 6,6 im Jahr 2018 stark gestiegen gegenüber den vermeintlich "gesunden Jahren" 2012-2016.

Was hat das RKi nun genau gemacht, um auf die 5,0 zu kommen? Sie haben anscheinend für jedes des 16 Bundesländer einzeln geguckt, welches unter den Jahren 2012, 2013, 2014, 2015 und 2016 jeweils dasjenige Jahr mit der 3.höchsten, also zugleich 3. niedrigsten Inzidenz von Masernfällen ist. In diesem Sinne wurden tatsächlich 16 "Mediane" gebildet, diese Mediane haben aufgrund der starken jährlichen Schwankungen der Masernzahlen bloß mit der epidemiologischen Wirklichkeit nichts mehr zu tun. Und aus diesen 16 Medianen der Bundesländer wurde dann anscheinend eine vermeintliche "Gesamt" inzidenz für ganz Deutschland berechnet, die ebenfalls nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun hat, sondern 2,5-mal zu niedrig ist.

Habe mich an das RKI gewandt mit der Aufforderung, diese grob irreführenden Zahlen umgehend zu korrigieren.
Avatar #771555
Rosenkohl
am Dienstag, 21. Mai 2019, 13:32

Überhöhte Angaben für die "vergangenen zehn Jahre"

Die Statistik ist verzerrt:

Erstens wurden die 9.907 Fälle im Zeitraum 1.Januar 2009-8.April 2019 registriert, der gut 14 Wochen länger als die "vergangenen 10 Jahre" ist.

Zweitens ist die 1. Jahreshälfte regelmäßig die Hauptmasernzeit.

Drittens ist 2019 als ungerades Jahr ein relativ starkes Masernjahr im zweijährigen Schwankungszyklus, der sich in Deutschland seit gut 10 Jahren eingestellt hat.

Bis zur 14. Woche 2009 gab es 306 Fälle (Epid.Bull. 17, 3. Mai 2010, S. 161). Zieht man diese von 9.907 ab erhält man für den ca. 10-jährigen Zeitraum 15. Woche 2009-8. April 2019 die Zahl von 9.601 Masernfällen, also ca. 3% weniger als behauptet.
Avatar #697338
Dr. Steffen Rabe
am Dienstag, 21. Mai 2019, 06:34

Übersicht über diese Zahlen

hier:
https://www.impf-info.de/die-impfentscheidung/die-diskussion-%C3%BCber-die-impfpflicht/272-die-trumpisierung-der-impfdiskussion.html

Dr. med. Steffen Rabe
LNS

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