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Medizin

Nahrung löst im Darm eine Immunantwort aus

Mittwoch, 22. Mai 2019

/T. L. Furrer, stock.adobde.com

Marburg – Nahrung löst im Darm offenbar regelhaft eine Immunantwort aus, die da­durch in Schach gehalten wird, dass die beteiligten Immunzellen absterben. Das be­richtet eine Arbeitsgruppe um den Marburger Immunologen Ulrich Steinhoff nach For­schungen am Tiermodell. Die Arbeit ist im Journal of Clinical Investigation erschie­nen (2019; doi: 10.1172/JCI98929).

„Bisher galt es als medizinisches Lehrbuchwissen, dass die Proteine in der Nahrung keine Immunreaktionen hervorrufen dürfen“, erklärte Steinhoff. Dieses Paradigma hält aber nach Meinung der Forscher einer kritischen Prüfung nicht stand.

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Die Wissenschaftler verfolgten das Schicksal von T-Zellen in den Peyer-Plaques des Dünndarms. „Die Peyer-Plaques sind diejenigen Orte im Verdauungstrakt, an denen Immunantworten initiiert werden“, erläuterte der Erstautor Alexander Visekruna, der zu Steinhoffs Team am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene der Philipps-Universität zählt.

Wie die Forscher zeigten, produzieren die T-Zellen in den Peyer-Plaques Moleküle, wie sie für eine Immunreaktion typisch sind. Sie durchlaufen dann aber ein Programm für einen programmiertem Zelltod (Apoptose). „Es werden dauernd neue Immunzellen durch die Nahrung aktiviert und genauso viele durchlaufen den programmierten Zelltod und sterben ab“, erläuterte Steinhoff.

Auslöser für die Apoptose ist ein Immunblocker namens PD-1. Hemmt man die Aktivi­tät von PD-1, so führt dies zu Darmentzündungen, weil die Immunzellen nicht abster­ben. „Das erklärt auch, warum Darmentzündungen häufig bei Patienten mit Melano­men auftreten, bei denen PD-1 durch Antikörper ausgeschaltet wird“, sagte Steinhoff.

Im Einklang mit diesen Befunden zeigte sich bei Patienten mit der chronischen Darm­entzündung Morbus Crohn, dass sie in den Peyer-Plaques eine stark verringerte Anzahl von Immunzellen aufweisen, die Apoptose erleiden. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass der programmierte Zelltod von nahrungsaktivierten Immunzellen das Markenzeichen eines gesunden Darms ist“, fasst Steinhoff die Ergebnisse zusammen. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #103592
RWLogistik
am Donnerstag, 23. Mai 2019, 09:37

Unverträglichkeiten

Dies erklärt vielleicht auch die vermehrte Nahrungsmittelunverträglichkeit bei Patienten mit Dauereinnahme von Säureblockern.
LNS

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