NewsMedizinHöhere Temperaturen verbessern weibliche Leistung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Höhere Temperaturen verbessern weibliche Leistung

Donnerstag, 23. Mai 2019

Frauen bevorzugen wärmere Raumtemperaturen als Männer eventuell nicht nur, weil sie sich hier wohler fühlen. Auch ihre Leistung könnte beeinflusst werden. /SolisImages, stock.adobe.com

Los Angeles/Berlin – Mathematische und verbale Aufgaben lösten Frauen in einer Laborstudie besser bei höheren Temperaturen als bei niedrigen. Für Männer konnte dieser Zusammenhang nicht nachgewiesen werden. Bei ihnen zeigte sich ein gegensätzlicher, jedoch nicht signifikanter Trend: Sie verbesserten ihren Leistungs­durchschnitt, wenn die Temperatur sank.

An der Studie, die in Plos One publiziert wurde, hatten 2 Forscher vom Wissenschafts­zentrum Berlin für Sozialforschung und von der USC Marshall School of Business in Los Angeles mit mehr als 500 Studierenden aus Deutschland Logik-, Mathematik- und Sprachtests durchgeführt. Diese fanden bei einer Raumtemperatur von 16,2 bis 32,6 °C statt. Für jede korrekt gelöste Aufgabe oder Frage erhielten die Teilnehmer eine Bargeldprämie.

Anzeige

Bei der Matheaufgabe galt es, 5 2-stellige Zahlen zu addieren. Es gab 50 Aufgaben und ein Zeitlimit von 5 Minuten. Die verbale Aufgabe bestand darin, aus 10 Buchstaben, zum Beispiel ADEHINRSTU, so viele deutsche Wörter wie möglich in 5 Minuten zu bauen. Als letztes folgte ein kognitiver Reflexionstest, ebenfalls mit einer Zeitvorgabe von maximal 5 Minuten. Eine der Fragen lautete zum Beispiel: „Ein Schläger und ein Ball kosten zusammen 1,10 Euro. Der Schläger kostet 1,00 EUR mehr als der Ball. Wie viel kostet der Ball?“ In einem kognitiven Reflexionstest sind die Fragen so gestrickt, dass die intuitive Antwort falsch ist. In diesem Fall wäre die intuitive Antwort, dass der Ball 10 Cent kostet, falsch.

Studentinnen lösten nicht nur mehr Mathe- und Wortaufgaben bei höheren Tempera­turen, sie beantworteten auch insgesamt mehr Fragen. Ein Anstieg der Umgebungs­temperatur um 1 °C resultierte in einen Anstieg um 1,76 % korrekt beantworteter Rechenaufgaben (p < 0,001) und einem Anstieg um 1,03 % korrekt gebauter Wörter (p = 0,036). Der beobachtete Zusammenhang sei nicht komplett, aber annähernd linear verlaufen, sagt die Autorin Agne Kajackaite vom Wissenschafts­zentrum Berlin für Sozialforschung.

Das Experiment hat nur eine Stunde gedauert. In längeren Studien könnte die Hitze zu viel werden. Agne Kajackaite, Wissenschafts­zentrum Berlin für Sozialforschung

Einen positiven Trend beobachteten die Forscher bei den Männern am kalten Ende der Raumtemperatur. Die Zunahme der männlichen Leistung bei beiden Aufgaben war jedoch statistisch nicht signifikant. Keine Variation in Abhängigkeit der Temperatur zeigten die Leistungen des Logiktests bei beiden Geschlechtern.

Die Autoren schlussfolgern daraus, dass die Umgebungstemperatur nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch bestimmte Leistungen von Frauen signifikant beeinflussen können. Kajackaite warnt zudem: „Das Experiment hat nur eine Stunde gedauert. In längeren Studien könnte die Hitze zu viel werden.“ © gie/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #720508
e.ne
am Freitag, 24. Mai 2019, 11:25

Das ist wohl wahr

Männer halten 18 Grad für eine ausreichende Umgebungstemperatur.
Während Frauen erst ab 22 Grad Betriebstemperatur erreichen.
Allerdings ob Kälte die Leistung von Frauen schmälert oder ein Unwohlgefühl zunächst nur ablenkt / das Kältefühl dominiert - bis sich bei längerer Dauer Krankheitssymptome einstellen, wird nicht klar. Männer kommen offenbar mit Kühle, Wärme und Hitze gleich gut zurecht.
Aber ist das anerzogen? Oder liegt das wirklich an dem anderen Muskel-
Körperbau?
Wenn die Kinder klein sind, ein Baby der Junge und ein Kleinkind das Mädchen schreien Beide. Die Eltern haben Schreikinder und wissen nicht warum. Bis die Oma die Wohnung umräumte: Das Kinderzimmer wurde das größere und sonnige Zimmer (die Eltern zogen um in das kleine Zimmer, Nordseite) und im Bett wurden die Kinder warm gehalten, warm eingepackt. Da war Ruhe.
Ob männliche Senioren auch weniger Kälteempfindlich sind als weibliche,
weiß ich (noch) nicht.
Aber wenn eine Lösung wie 1 Euro kostet der Schläger und 10 Cent der Ball = falsch ist - (80% wählten diese) sind glaube ich Raumtemperaturen nicht verantwortlich. - Weil das Ganze eine Spielerei ist. Richtig ist die Antwort sowieso. Kostet der Schläger 1 Euro ist er immer noch 1 E teurer als der Ball. Aber das soll falsch sein. Die richtige Antwort müßte dann sein: Der Ball kostet 1-10 Cent. Denn warum sollte er
unbedingt 5 Cent kosten und der Schläger 1,05 Euro?
In diesem Fall sollte man sich nicht auf richtig und falsch sondern auf
eine bis mehrere Lösungen einigen. Aber genau das machen ja Intelligenztests nicht. Und auch sonstige Multiple Choice - Fragen nicht.
Ich kann an fast keiner Umfrage teilnehmen, weil ich fast immer vor dem
Dilemma stehe - ja aber was wenn?


LNS

Nachrichten zum Thema

23. Mai 2019
Berlin – Frauen, die nach der Menopause an Typ-2-Diabetes erkranken, trifft die Erkrankung besonders schwer. „Die Konsequenzen der Erkrankung sind schwerwiegender als bei Männern“, sagte Julia
Gendereffekt: Diabetes bei Frauen schlimmer
24. April 2019
Leiden/Niederlande – Eine Adipositas führt möglicherweise zu Veränderungen im Gehirn, die mit leistungsstarken Magnetresonanztomografen sichtbar gemacht werden können. Eine Querschnittstudie in
Adipositas verändert das Gehirn von Männern und Frauen unterschiedlich
6. März 2019
Warschau – Bei Verdacht auf Herzinfarkt rufen Frauen zwar zügig den Notarzt für ihren Partner – bei eigenen Herzproblemen sind sie aber zögerlicher. Das ist das Fazit polnischer Forscher, die zwei
Frauen sind bei Herzinfarktsymptomen oft zu zögerlich
5. März 2019
Erfurt – Frauenbeauftragte in Thüringen fordern, dass weibliche Bedürfnisse bei Krankheiten stärker beachtet werden. „In der Forschung, in den medizinischen Leitlinien oder auch in der Medikation
Frauenbeauftragte in Thüringen: Gesundheitsbelange von Frauen stärker beachten
1. März 2019
Hamburg – Schon in fünf Jahren werden mehr Frauen als Männer in der ambulanten Versorgung tätig sein. Die Reputation ambulant tätiger Ärztinnen bleibt dennoch sowohl unter Patienten als auch
Ambulante Versorgung zunehmend weiblich
5. Februar 2019
Washington – Die Gehirne von Frauen sind gemessen am Stoffwechsel im Durchschnitt deutlich jünger als die von gleichaltrigen Männern. Das ergab eine US-Studie an rund 200 Menschen, die am Montag in
Frauengehirne erscheinen im Schnitt deutlich jünger als Männergehirne
8. Januar 2019
Rostock – Männer in Ostdeutschland fühlen sich einer Studie (SSM - Population Health doi: 10.1016/j.ssmph.2018.100326) zufolge weniger gesund als Frauen. Direkt nach der Wiedervereinigung sei dies in
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER